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Der Mann, der mit den Zahlen spricht

Warnemünde Der Mann, der mit den Zahlen spricht

Der Warnemünder Technologiepark ist um einen Professor reicher. Mohit Kumar (37), Mitarbeiter im Warnemünder Center for Life Science Automation (Celisca) der Universität ...

Warnemünde. Der Warnemünder Technologiepark ist um einen Professor reicher. Mohit Kumar (37), Mitarbeiter im Warnemünder Center for Life Science Automation (Celisca) der Universität Rostock, erhielt zu Wochenbeginn die Urkunde als außerplanmäßiger Professor für „Computational Intelligence in Automation“ (so viel wie: künstliche Intelligenz in der Automatisierungstechnik).

 

OZ-Bild

Professor Dr.-Ing. habil. Mohit Kumar (37)

Quelle: Klaus Walter

In Indien studiert

Mohit Kumar (37) studierte in Indien Elektrotechnik und kam 2001 nach Rostock. Er spricht Hindi, Englisch und Deutsch, das er autodidaktisch erlernte. Er lebt mit seiner Frau Shefali, einer ebenfalls an der Rostocker Uni promovierten Chemikerin, und mit seinen zwei Kindern in der Rostocker KTV.

Datenbanken mit endlosen Zahlenkolonnen, Signale aus der analytischen Messtechnik. Informationen, die nicht einfach interpretiert werden können, selbst nicht mehr von jedem Wissenschaftler verstanden werden, dazu anspruchsvolle Mathematik und aufwendige Modellierungen im Computer — genau hier fühlt sich Mohit Kumar so richtig wohl. Der aus Indien stammende Wissenschaftler befasst sich mit Verfahren der Künstlichen Intelligenz, die sich in der Automatisierungstechnik für Medizin und Lebenswissenschaften anwenden lassen. „Wenn der Mensch die Datenflut nicht mehr überblicken und keine Entscheidungen mehr treffen kann, dann muss künstliche Intelligenz helfen“, sagt Kumar. Dafür entwickelt er Softwaresysteme, die in der Lage sind, selbst zu lernen und sich immer weiterzuentwickeln.

Je mehr Informationen so ein System bekommt, um so besser kann es die Daten auswerten.

„Er ist ein extrem guter Theoretiker, der immer auch die praktische Anwendung seiner Forschungen im Blick behält“, sagt Celisca-Institutsleiterin Dr. Kerstin Thurow. Sie hatte Kumar schon zu seiner Promotion 2004 an der Rostocker Universität begleitet. „Er hat eigentlich immer eine Lösung parat, wenn es um die Behandlung kompliziertester Datenstrukturen bei uns geht.“ Er mache in den Daten sichtbar, was andere nicht mehr erkennen. Nicht nur seine Studenten und die Instituts-Kollegen in Warnemünde schätzen das Daten-Genie, auch international sorgt Kumar immer wieder für Aufmerksamkeit.

Die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung unterstütze ihn beispielsweise bei der Entwicklung eines Systems, mit dem ein Impfsystem für Kinder in der dritten Welt aufgebaut werden soll. „In Indien haben wir keine Impfausweise wie in Deutschland“, erzählt Kumar. „Der Name eines Kindes kann sich zwischen der Geburt im Elternhaus der Mutter und dem großen Namensfest ein Jahr danach in der Familie des Ehemannes auch mal ändern.“ Eine eindeutige Identifikation, die für die Ermittlung des Impfstatus wichtig wäre, sei so nicht möglich.

Kumar entwickelte ein System, mit dem die Kinder an der Form ihrer Ohren erkannt werden. „Ganz einfach“, sagt er. „Der Sozialarbeiter macht ein Ohr-Foto mit dem Handy, das Bild wird an den Server geschickt, zurück kommen Name und Impf-Daten.“ Allerdings musste das System erst einmal lernen, das Ohr zu erkennen, egal, aus welchem Abstand, bei welchen Lichtverhältnissen und aus welchem Blickwinkel der Sozialarbeiter sein Foto machte. Warum er sich für das Ohr entschied, erklärt der Vater von zwei Kindern so: „Nun, Kinder weinen auch mal, mal lachen sie, manche haben sogar Angst vor dem Arzt.“ Das Gesicht verändere sich ständig. „Aber das Ohr ist immer recht emotionslos.“

Von Klaus Walter

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