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Dienstälteste Erzieherin geht in den Ruhestand

Warnemünde Dienstälteste Erzieherin geht in den Ruhestand

Gudrun Vogt vom Kindergarten „Strandmuschel“ hat drei Generationen von Warnemündern liebevoll betreut

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Inmitten ihrer Kinder: Vorlesestunde mit Erzieherin Gudrun Vogt im Warnemünder Kindergarten „Strandmuschel“.

Quelle: Klaus Walter

Warnemünde. Glücklich ist, wer Wunsch und Wirklichkeit in Übereinstimmung bringt. Gudrun Vogt („noch 64“, wie sie sagt) schaffte das. Von Kindesbeinen an wollte sie Kindergärtnerin werden. Sie wurde es und ist es geblieben — bis zu ihrem letzten Arbeitstag: Am 23. Mai geht Warnemündes dienstälteste Kindergärtnerin in den wohlverdienten Ruhestand.

Warum ich Kindergärtnerin

geworden bin?

Das ist doch ganz einfach:

Ich liebe Kinder.“Gundrun Vogt (64), Erzieherin im Warnemünder Kindergarten „Strandmuschel“

Sie hat drei Generationen von Warnemündern betreut: Kinder, die heute Großeltern sind. Dann Kinder, die jetzt Mütter und Väter sind — und ihre Kinder wiederum Gudrun Vogt anvertrauten. Mehr Familientreue, mehr Verbundenheit geht in einem Arbeitsleben nicht. Aufpassen, Nase putzen, Windeln wechseln, vorlesen, lachen, die Welt erklären, auch mal Tränen trocknen — und immer ein gutes Beispiel sein: Keine zwei Wochen mehr, dann ist dieses Arbeitsleben zu Ende.

„Ein bisschen mulmig ist mir schon“, sagt die Erzieherin. „Ich glaube, die Kinder werden mir fehlen.“ Das wird ganz sicher so sein, glauben alle, die sie kennen. Trotzdem weiß Gudrun Vogt schon ganz genau, was sie am 24. Mai machen wird: „Endlich erholen.“

Viele Kinder unter einem Dach — so ist sie in Warnemünde aufgewachsen. „Da war ganz klar, dass die Größeren immer auf die Kleinen aufgepasst haben“, erinnert sie sich. „Und seit dieser Zeit wusste ich auch, dass ich Kindergärtnerin werden will.“ Bei „Kindergarten“ schwebte ihr auch immer schon ihr heutiger Arbeitsplatz vor: die Parkstraße 1 in Warnemünde, heute Kindertagesstätte der Volkssolidarität. „Ich war ja im Werftkindergarten“, erzählt Gudrun Vogt. „Da hatten wir keinen richtigen Spielplatz. Deshalb wollte ich immer in diesen Kindergarten gehen, wo ich die Kinder hinter der Hecke spielen sah.“

Bis es so weit war, absolvierte sie die Schule, das Studium in Franzburg und zwei Arbeitsjahre in Lütten Klein — bis sie staatliche Anerkennung als Erzieherin erhielt. „Vier Jahre — so war damals der Ausbildungsweg“, sagt Gudrun Vogt. Seit 1972 ist sie in Warnemünde, Kindergarten Parkstraße 1.

An ihren ersten Arbeitstag nach dem Studium in Lütten Klein erinnert sie sich noch ganz genau. „Es war schrecklich“, sagt sie. „Ich wurde einfach in die Gruppe gebracht und bekam gesagt: ,Das sind die Kinder‘.“ Mehr erfuhr sie nicht: keine Namen, keine Informationen zum Tagesablauf, nichts. „Und stellen Sie sich vor, eine Erzieherin muss sagen: He, du da, komm mal her“, lacht Gudrun Vogt heute.

Natürlich packte sie die Herausforderung. Und sie bleib Kindergärtnerin. Eine gute. Das merkte sie zum Beispiel, als sie selbst ihr drittes Kind bekam und ihre Gruppe sie partout nicht in den Schwangerschaftsurlaub gehen lassen wollte. „Du hast doch schon ein Mädchen und einen Jungen“, sagte eines der Kindergartenkinder zu ihr und fragte: „Was soll denn da noch kommen?“ Und ein anderer sagte sogar: „Bei meiner Mutti im Laden gibt‘s Tabletten. Davon braucht man keine Kinder mehr zu kriegen.“

Kindermund: Viele Jahre hat Gudrun Vogt all diese Sätze aufgeschrieben. Überhaupt legt sie großen Wert auf Sprache. „Kindern, die nicht sprechen, kann ich nicht helfen“, ist einer ihrer Grundsätze.

Natürlich hat sie gerade diesen Kindern geholfen — ihnen behutsam das Sprechen gelehrt. Ordentliche Sätze, oft auch auf Platt: „Wenn du schon mal Scheiße sagen willst, dann segg eins Schiet.“

Bei all der Freude an der Arbeit: Sie spürt, wie sich die Zeit verändert hat. Als sie früher zur Faschingszeit für die Kinder Theater spielte, war sie die Prinzessin in „Die goldene Gans“. „Jetzt bin ich Frau Holle oder die Hexe“, lacht die Erzieherin. „So eher die getragenen Frauenrollen.“ Auch das Treppensteigen fällt schwerer, und während früher nach der Arbeit noch der Einkauf, die eigenen Kinder und der Garten auf der Tagesordnung standen, heißt es nun am Abend: „Füße hoch!“ Was nicht bedeutet, dass sie dann untätig wäre: Sie häkelt und strickt Geburtstagsgeschenke für ihre Kindergartenkinder. Schlafsocken für alle.

Auch die Zeit nach dem 24. Mai hat Gudrun Vogt schon verplant: Gemeinsam mit ihrem Mann will sie die Hochzeit ihrer Tochter mit vorbereiten helfen. Und dann kommt der September. Dann will sie die Volkshochschule besuchen und endlich Dänisch lernen: „Wir sind so oft im Urlaub dort.“

Von Klaus Walter

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