Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Glatter Aal: Schatztruhe der Archäologie?

Stadtmitte Glatter Aal: Schatztruhe der Archäologie?

Archäologen und Munitionsbergungsdienst begleiten Bauarbeiten / Stadtarchäologe hofft auf interessante Funde

Voriger Artikel
Kein Tuten mehr: Stadt verbietet Schiffsirenen
Nächster Artikel
Sie schneiden, schmieren und belegen

Der Archäologe Jörg Vogt hat einen Brunnen freigelegt, dessen obere Schichten aus der Zeit um 1590 stammen und der zuletzt als Latrine genutzt wurde. Fotos (2): Ove Arscholl

Stadtmitte. Die Bauarbeiten auf dem Gebiet des Glatten Aals kommen nur langsam voran. Denn die Bagger werden durch den Munitionsbergungsdienst und durch Archäologen im Auge behalten. „Wir müssen eine archäologische Studie anfertigen lassen. Das ist Teil eines normalen Bauvorhabens“, sagt Dennis Madden, Planer des hier entstehenden Rosengarten-Centers. Bisher habe es keine bedeutenden Funde gegeben. Doch die Arbeiten haben erst begonnen.

OZ-Bild

Archäologen und Munitionsbergungsdienst begleiten Bauarbeiten / Stadtarchäologe hofft auf interessante Funde

Zur Bildergalerie

Schon jetzt entdecken aufmerksame Rostocker, dass unter der lange als Parkplatz genutzten Fläche alte Kellermauern zum Vorschein kommen. „Das sind Überreste der Gebäude, die bei dem Vier-Tage- Bombardement im April 1942 abgebrannt sind“, erklärt Ralf Mulsow von der unteren Denkmalschutzbehörde. Ob die schwarzen Schatten an den Mauern beim Brand oder später beim Zuschütten entstanden seien, könne der Stadtarchäologe nicht sagen. In den ehemaligen Kellern kommen schon jetzt Scherben von Tellern oder Flaschen zum Vorschein. „Das sind jüngere Funde aus dem 20. Jahrhundert und damit archäologisch uninteressant.“

Gerade durch die bewegte Geschichte während des Zweiten Weltkrieges ist der Munitionsbergungsdienst in Bereitschaft. „In dem Bereich werden Kampfmittelräumarbeiten durchgeführt“, bestätigt Torsten Hauk, stellvertretender Leiter des Bergungsdienstes. „Bisher ist es jedoch eine rein präventive Maßnahme. Wir haben nichts gefunden, auch keine Munitionsreste.“ Mulsow ist sich jedoch sicher: „Die Munitionsberger werden in dem Gebiet noch viel zu tun haben.“

Das städtische Amt für Kultur und Denkmalpflege sei momentan nicht in die Arbeiten aktiv mit einbezogen, doch der Stadtarchäologe weiß, mit welchen Funden zu rechnen ist. „Der Bereich wurde immer wieder verändert. Alte Keller wurden zugeschüttet“, erklärt der 53-Jährige. Dadurch sei es gut möglich, dass es interessante Funde gibt. Mulsow habe vorher in Schriftquellen erfahren, dass das Gebiet mit kleinteiligen, meist zweigeschossigen Gebäuden dicht bebaut war. „Es war ein vollständiger, schmaler Baublock, der seinen Anfang im 13. und 14. Jahrhundert hatte“, sagt Mulsow. Dort sollen relativ wohlhabende Schichten gelebt haben. „Es wird von angesehenen Handwerkern und im 16. und 17. Jahrhundert auch von Universitätsprofessoren berichtet“, sagt der Stadtarchäologe. Es wäre spannend, wenn sich Hinterlassenschaften den ehemaligen Bewohnern zuordnen ließen.

Im mittleren Bereich habe es einen Hof gegeben. „Da stehen wir schon mit einem Bein im Mittelalter“, erklärt Mulsow. Hier sollen Schuppen, Brunnen und Latrinen gestanden haben. „Das sind die Schatzkammern der Archäologie“, betont er. Denn dort seien viele Gegenstände entsorgt oder aus Versehen fallen gelassen worden. Unter den Kellern aus dem 20. Jahrhundert könnten sich noch Holzreste von Kellern befinden, die vor dem 13. Jahrhundert erbaut worden sind. „Im Prinzip wird bei den archäologischen Untersuchungen die Fläche schichtweise abgetragen“, so Mulsow. Denn Verfärbungen im Erdreich und Entdeckungen sollen freigelegt, fotografiert, dokumentiert und damit aufbewahrt werden. „Eigentlich ist so eine Ausgrabung immer auch gleichzeitig eine Zerstörung“, ergänzt der Stadtarchäologe. Bei einem Baugeschehen sei das jedoch die einzige Möglichkeit, die Geschichte des Gebietes zu bewahren. „Es ist damit quasi eine Notbergung.“

Johanna Hegermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rostock
Archäologe Jörg Vogt hat einen Brunnen freigelegt.

Die Bauarbeiten auf dem Glatten Aal in Rostock für das neue Rosengartencenter haben begonnen. Derzeit steht die Baustelle unter besonder Beobachtung von Archäologen und Munitionsbergungsdienst.

mehr
Mehr aus Warnemünde

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Sozialwohnungen für Rostock

Firma aus Schleswig-Holstein baut an drei Standorten / Stadt verteidigt frühere Abrisse