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Heinkel, ein umstrittener Warnemünder

Warnemünde Heinkel, ein umstrittener Warnemünder

Der Flugzeugbauer war ein Segen für Rostocks Wirtschaft – und gleichzeitig Teil des NS-Regimes

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Walther Bachmann (r.) und Ernst Heinkel am 14. März 1939.

Quelle: Fotos: Archiv Sternkiker, Philip Schülermann

Warnemünde. Ernst Heinkel polarisiert wegen seiner Verbindung zum Nationalsozialismus noch heute. In Rostock ist sein Name in diesen Tagen wieder präsent, denn der mögliche Abriss der Heinkelmauer sorgt für Diskussionen (die OZ berichtete). Leser Wolfgang Holtz aus Warnemünde findet, es sollte eine Gedenktafel an Heinkels Villa angebracht werden. „Es muss nicht eine Heinkelmauer sein.“ Denn: Im Ostseebad hat alles begonnen, dort hat der Pionier seine ersten Flugzeuge gebaut, beschäftigte rund 300 Mitarbeiter. Erst Anfang der 1930er Jahre zog er mit der Produktion nach Marienehe. Auch privat war Ernst Heinkel in Warnemünde verwurzelt. Und somit gehört er auch zu der Geschichte des Seebads.

OZ-Bild

Der Flugzeugbauer war ein Segen für Rostocks Wirtschaft – und gleichzeitig Teil des NS-Regimes

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Kritik an der Aufklärung

Der Förderkreis Luft- und Raumfahrt fordert von Stadt und Uni

Rostock, die wissenschaftliche Aufklärung um die Person Ernst Heinkel voranzutreiben. „Das Jubiläumsjahr wäre eine Chance, den 130. Geburtstag beziehungsweise 60. Todestag Heinkels angemessen zu präsentieren“, sagt Mitglied Holger Björkquist.

Das Werk an der Ostsee

In Warnemünde begann die Karriere Ernst Heinkels. Dort, auf dem heutigen Gelände der Marine baute er für Schweden oder die Sowjetunion Flugzeuge. 1922 gründete er die „Ernst Heinkel Flugzeugwerke“

Aber: „Heinkel stand unter Beobachtung“, sagt Michael Techritz, Vorsitzender des Förderkreises Luft- und Raumfahrt in Rostock. Denn laut Versailler Vertrag durfte er keine Kriegsflugzeuge für Deutschland bauen. Und das wurde regelmäßig kontrolliert. „Aber Heinkel hatte Beziehungen zum japanischen Botschafter“, erzählt Techritz. Und der habe Bescheid gesagt, wenn eine Kontrolle anstand. So konnte er Hinweise wegschaffen. „Er handelte im Unternehmerinteresse“, sagt Techritz.

„Er hatte Verständnis für die Nöte und Sorgen seiner Arbeiter, die er stets würdigte. Er konnte auf einen Stamm von Arbeitern bauen, die in der Weimarer Republik dem Werk meist über Jahre treu blieben und je nach Auftragslage kurzfristig eingestellt oder entlassen wurden. Die Löhne lagen über den in Mecklenburg gezahlten“, schreibt der Rostocker Holger Björkquist in einem Aufsatz zu Heinkel. Er habe das Potenzial der aufstrebenden Flugzeugindustrie erkannt und gewusst, dass ohne Staatsaufträge die Flugzeugindustrie nicht existenzfähig war. „Die ,Ernst Heinkel Flugzeugwerke’

waren einer der größten Arbeitgeber“, sagt Historiker Florian Detjens vom Historischen Institut der Uni Rostock und spricht von 250 Mitarbeitern. Michael Techritz beziffert die Zahl der Angestellten auf 300.

Irgendwann reichten die Kapazitäten in Warnemünde nicht mehr. „Als exportorientiertes Entwicklungswerk war die Bestellung des Auftragsgebers Sowjetunion über ein Katapult und 20 Flugboote im Jahre 1930 ein Segen“, so Björkquist. Er bezog ein Fabrikgelände in der Bleicherstraße in der Innenstadt Rostocks. Die Endmontage blieb aber in Warnemünde – bis 1934/35. Dann musste er das Gelände dem NS-Regime überlassen und zog nach Marienehe, wo das Stammwerk entstand.

Die Villa am Strand

Ernst Heinkel lebte in einer Villa direkt am Strand. Er kaufte das Haus in den 1930er Jahren. Heute ist in dem Gebäude das Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Der Industrielle kaufte auch das 1910 erbaute Hotel „Haus Hohenzollern“ im Strandweg (Hotel Stolteraa) als Gästehaus. Die Villa in der Seestraße war Treffpunkt für internationale Gäste wie Pilot Charles Lindbergh. In der Seestraße kamen später aber auch NS-Größen wie Joseph Goebbels zu Besuch. Es wurde viel gefeiert. „Dafür war er bekannt“, sagt Michael Techritz. Man habe auch über ihn gesagt, dass er sich „mit der einen oder anderen Frau umgab“, sagt Florian Detjens.

Heinkels Privatleben

Über das Privatleben des Industriellen ist nicht viel zu lesen. „Es gibt fast nichts über den Privatmensch Heinkel“, meint Florian Detjens. Drei Mal war Ernst Heinkel verheiratet. Vier Söhne hatte er mit den Frauen. Zuletzt sei er mit seiner Haushälterin verheiratet gewesen und hatte mit ihr einen Sohn, sagt Michael Techritz. Mit seiner zweiten Frau bewohnte er eine Villa in der Warnemünder Parkstraße. Dennoch: „Einer schwäbischen Handwerkerfamilie entstammend, vergaß Heinkel nie seine Herkunft“, schreibt Björkquist.

Umstrittene Person

Auf der einen Seite steht Heinkel für Erfindergeist und große Ingenieurskunst. Ihm sind Schleudersitz und Düsenflugzeug zu verdanken. Auf der anderen war er Wehrwirtschaftsführer im Zweiten Weltkrieg unter Adolf Hitler, hat Zwangsarbeiter beschäftigt und hat todbringend Flugzeuge für das NS-Regime gebaut. „Unbestritten ist seine moralische Schuld“, sagt Michael Techritz – trotz seiner Erfindungen, die die Luftfahrt bis heute prägen. In Rostock steht sein Name aber auch für wirtschaftlichen Aufschwung in der Hansestadt.

Philip Schülermann

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