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Kastanien sterben zuerst im Ostseebad

Warnemünde Kastanien sterben zuerst im Ostseebad

Bereits zwölf Bäume in der Parkstraße gefällt / Bakterien sorgen dafür, dass sich holzzerstörende Pilze einnisten

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Auch diese alte Kastanie in der Alexandrinenstraße fällt noch in diesem Winter.

Quelle: Thomas Sternberg

Warnemünde. Kahlschlag bei den Straßenbäumen in der Parkstraße bis hin zum Diedrichshäger Kreisel. „Dort ist schon jeder zweite Baum gefällt worden, das ist schade“, sagt Friedhelm Engels aus Diedrichshagen. „Geht das dort jetzt weiter, bis alle Bäume weg sind?“, will er wissen. Zumal etliche weitere Bäume bereits mit dem roten „Fällkreuz“ gekennzeichnet wurden. Von den 25 Kastanien in der Parkstraße mussten in der Tat bereits zwölf gefällt werden, bestätigt das Rostocker Amt für Stadtgrün.

Diese Kastanien sind schwer krank. Erst schwächte sie die Miniermotte, der sie allerdings noch tapfer widerstanden. Doch jetzt sind heimtückische Bakterien auf dem Vormarsch, machen die Bäume todkrank. In Rostock sind sie zuerst in Warnemünde aktiv geworden.

„Unsere Untersuchungen haben bestätigt, dass zahlreiche Einzelbäume, aber auch Abschnitte ganzer Alleen von der Krankheit befallen sind“ bestätigt Professor Frerk Feldhusen, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock.

Das Sterben der Rosskastanien werde hauptsächlich durch ein Bakterium der Pseudomonaden, Pseudomonas syringae pv. aesculi, verursacht, so Feldhusen. Sowohl weiß als auch rot blühende Kastanien seien betroffen, ebenso alte wie junge Bäume.

„Wenn die Bäume abgestorben sind oder die Bruchsicherheit nicht mehr gewährleistet ist, muss man sie fällen“, benennt Steffie Soldan aus dem Amt für Stadtgrün die alternativlose Vorgehensweise. Dabei treffe es die Bäume in der Parkstraße besonders heftig. Sie seien auch die ersten in Rostock gewesen, an denen die Miniermotte sich niedergelassen hat, so Steffie Soldan. Jetzt wurde bei diesen Bäumen im Sommer auch zuerst im Stadtgebiet das Bakterium der Pseudomonaden festgestellt. Inzwischen sind etliche Kastanien im gesamten Stadtgebiet betroffen.

In Warnemünde sind es noch weitere Bäume im Stolteraer Weg, im Groß Kleiner Weg und in der Richard-Wagner-Straße, die sich mit dem Bakterium herumplagen müssen, ernsthaft erkrankt sind. Auch die prächtige Kastanie in der Alexandrinenstraße gegenüber der Vogtei ist bereits so stark geschädigt, dass sie noch in diesem Winter gefällt werden muss.

Die Kastanien sind durch die Miniermotte geschwächt. Hinzu kommt, dass sie besonders empfindlich auf Streusalz reagieren. Auch diese alljährliche Belastung schwächt sie. So reicht die Widerstandskraft gegen die neue Krankheit nicht mehr aus.

„Die Infektionswege der Erkrankung sind noch nicht geklärt. Auch die Frage, ob die Bakterien durch das Vorhandensein anderer Erreger gefördert werden, muss untersucht werden“ sagt Frerk Feldhusen.

Die Zusammensetzung mehrerer Schaderreger würde jedoch den raschen Verfall der betroffenen Kastanien erklären. Oft seien bei den Leckstellen Baumpilze wie Austernseitling, Samtfußrübling oder Fleischroter Rindenpilz anzutreffen. Ihr Pilzgeflecht unter der Rinde lasse das Holz faulen, bis es dann breche.

Während bei der Miniermotte jetzt mehrere Meisenarten helfen, die sie als Zusatzfutter erkannt haben, gibt es bei den neuen Schädlingen eben keine natürliche Feinde oder überhaupt irgendwelche Bekämpfungsmöglichkeiten. Der Pflanzenschutzdienst des Landesamtes nimmt Meldungen zu von Pilzen befallenen Bäumen entgegen, um die Ausbreitung dokumentieren zu können.

Andere Städte wie Hamburg verzichten inzwischen völlig auf das Nachpflanzen von Kastanien. In Hamburg sind allein in den vergangenen drei Jahren rund 200 Kastanien gefällt worden.

Jetzt Bäume kontrollieren

Zum Krankheitsbild, verursacht vom Bakterium der Pseudomonaden, Pseudomonas syringae pv. aesculi, gehören schwarze Leckstellen oft gemeinsam mit einem Befall von Baumpilzen. Ihr Geflecht unter der Rinde ruft eine Weißfäule des Kastanienholzes hervor, die zu Astbrüchen führt und die Standsicherheit des Baumes verringert.

Die Anwesenheit solcher Baumpilze ist äußerlich nur über ihre konsolenförmigen Fruchtkörper am Stamm und den unteren Ästen erkennbar. Diese werden allerdings nur im Spätherbst gebildet und vergehen im Frühjahr wieder. Deshalb bietet sich in den kommenden Wochen die Gelegenheit, Rosskastanien auf Baumpilzbefall hin zu kontrollieren.

Thomas Sternberg

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