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Mit den Sportanglern reisen die Sorgen

Warnemünde / Schmarl Mit den Sportanglern reisen die Sorgen

Lothar Schlicker bietet Touren auf seiner „Storkow“ an. Das Geschäft wird für ihn immer härter.

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Die „Storkow“ wurde 1949 in Greifswald gebaut.

Warnemünde / Schmarl. Lothar Schlicker hat Zeit. Er sitzt auf der Brücke seines Kutters „Storkow“, der in Schmarl liegt. Schlicker bietet Hochseeangelfahrten an – und hat in den vergangenen Wochen und Monaten die Auswirkungen der Fangquote, die auch für Sportangler gilt, zu spüren bekommen. Geangelt werden dürfen im Moment nur fünf Dorsche. Für die Angler, die auf Tour gehen, ist das oft nicht attraktiv genug. „Bevor die Quote kam, hatte ich in manchen Monaten 25 oder 26 Fahrten. Jetzt freue ich mich, wenn ich auf zehn komme“, sagt Schlicker.

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Lothar Schlicker bietet Touren auf seiner „Storkow“ an. Das Geschäft wird für ihn immer härter.

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Von Hause aus ist der 63-Jährige Brandschutzingenieur, war in der Finanzbranche tätig und entschied sich dafür, die „Storkow“ zu kaufen. „Das war im Jahr 1999“, erzählt Schlicker. Damals griff er schon einmal tief in die Tasche, um den Kutter, der im Jahr 1949 in Greifwald gebaut worden ist, zu renovieren. „Das waren damals 100000 Mark für Maschine, Getriebe und Heizung“, sagt Schlicker.

„Dazu kamen noch ein paar nautische Geräte.“ Das Schiff selbst hatte 20000 Mark gekostet. Als es in See stach, beschäftigte Schlicker erst einmal „ein paar alte Kapitäne“ und arbeitete auf seinem eigenen Schiff „als Decksmann, damit ich auf drei Jahre Fahrenszeit gekommen bin“. Erst danach konnte er auf die Seefahrtschule gehen und sein nautisches Patent für die nationale Küstenfahrt erwerben. „Mein Maschinenpatent habe ich gleich dazugemacht“, erzählt Schlicker, denn für seine „Storkow“ sind drei Besatzungsmitglieder erforderlich, „aber ich bin Kapitän und Maschinist in einem“.

Nun geht Schlicker mit einem Decksmann auf Fahrt, „denn einer muss ja die Suppe rühren für die Gäste“. Zwischendurch gibt er den Anglern auch noch einen kleinen Räucherlehrgang. An seine Anfänge auf der „Storkow“ erinnert sich Lothar Schlicker gern: „Das lief gleich ganz gut an.“

Kundschaft kommt nicht nur aus Sachsen und aus Thüringen, sondern auch schon mal aus England, Australien oder den USA. „Aber bei so einem alten Schiff muss man immer dranbleiben“, sagt der Kapitän und weiß, dass er die Kosten für den Schiffsunterhalt reinholen muss. „2001 hatte ich einen Ausfall der Getriebewelle“, sagt Schlicker: „Das waren 25000 Mark Verdienstausfall und 25000 Mark Reparaturkosten.“

Und als die „Storkow“ vor einiger Zeit „Wasser gezogen hat, habe ich daran gedacht aufzuhören“, sagt der 63-Jährige. Auch die Anstriche kosten regelmäßig Geld. Schlicker spart, wo er kann: „Zu Hause habe ich ein paar Eichenplanken liegen, falls hier auf der Storkow wieder ein paar ersetzt werden müssen.“ Das Echolot, das sich Lothar Schlicker noch wünscht, „kann ich nicht bezahlen“, sagt er.

Raus fährt er nur, wenn er mindestens acht Passagiere hat. Aber das wird immer seltener. Dabei hat Schlicker eigentlich Platz für zwölf Passagiere und zwei Mann Besatzung auf seiner „Storkow“, die 17 Meter lang und 5,60 Meter breit ist und einen Tiefgang von 2,60 Metern hat.

An diesem Schiff hängt Schlicker, deswegen freut er sich, „wenn auch einfach nur einmal zwei Mann kommen, die den Kutter mieten“, sagt der Kapitän, dessen Sorgen noch größer geworden sind: Die Liegegebühren für sein Schiff sind angestiegen – „und das erheblich“, sagt Schlicker. Aber erst einmal will er weiter fahren, „bis ich 70 bin“. Schließlich ist sein Betrieb noch nicht so ganz alt.

Mit einem Nachfolger sieht es schlecht aus, sagt Lothar Schlicker: „Es gibt wenig junge Leute, die Interesse haben.“ Richtig teuer werde es aber erst, „wenn der Kutter verschrottet wird“. Auch für den Angeltourismus auf der Ostsee.

Michael Schißler

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