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Warnemünde Moleküle in Roboterhand

Heidi Fleischer hat das höchste akademische Prüfungsverfahren absolviert und die Lehrbefähigung erhalten

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Die Warnemünder Forscherin Heidi Fleischer mit ihrem Roboter im Labor des Celisca-Instituts im Technologiepark

Quelle: Norbert Stoll

Warnemünde. Es ist früher Morgen im Warnemünder Technologiepark. Ein zweiarmiger Roboter, der ein bisschen aussieht, als käme er aus einem Science-Fiction-Film, versenkt gerade eine Pipette in eines der vielen Röhrchen, die vor ihm auf einem Deck stehen. Jedes der Röhrchen enthält aufgearbeitete Proben aus neuartigen Zahnmaterialien, die jeweils auf austretende Stoffe hin untersucht werden. „Wir wollen feststellen, wie gut die einzelnen Materialien aushärten und so einen Beitrag zur Langzeitstabilitätsuntersuchung von neuen Werkstoffen in der Medizin leisten“, erklärt Dr. Heidi Fleischer.

Erst vor wenigen Tagen hat sie ihre Habilitationsarbeit an der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik (IEF) der Universität Rostock verteidigt. Ihr Arbeitsgebiet im Warnemünder Center for Life Science Automation (Celisca) der Universität Rostock ist ein regelrechtes Zukunftsgebiet: die automatisierte Untersuchung unbekannter Proben mittels hochgenauer Analytik. Soll heißen: Mit hochkomplexen Sensoren und mit Unterstützung von Robotern geht sie den Eigenschaften von Materialien aus Medizin, Umwelt und Bio-Wissenschaften auf den Grund.

Die Untersuchung der neuartigen Materialien, mit denen vielleicht bald jeder Zahnarzt hantieren wird, ist eines von ihren zahlreichen Anwendungsproblemen, das sie mit Prof. Detlef Behrend und Dr.

Mareike Warkentin von der maschinenbaulichen Fakultät gemeinsam bearbeitet. Heidi Fleischer ist frisch habilitierte Ingenieurin aus dem Bereich der Rostocker Elektrotechnik, die sich als Mess- und Automatisierungstechnikerin einer in Deutschland einmaligen Kombination aus Automation und Analysemesstechnik verschrieben hat.

In ihren Labors arbeitet sie meist mit Massenspektrometern, um damit die elementaren Zusammensetzungen von Stoffen zu bestimmen oder molekulare Strukturen aufzuklären. „Diese Systeme benötigen nur kleinste Stoffmengen und liefern mit dem Messergebnis eine große Fülle an Informationen“, sagt Celisca-Chefin Prof. Kerstin Thurow. „Heidi Fleischer entwickelt und automatisiert neue Analysemethoden, um sehr viele Proben präziser und schneller bearbeiten zu können.“

Ihr Roboterkollege hilft ihr dabei — allerdings musste er das, was er kann, vorher von seiner Chefin lernen. Gerade beschickt er wieder millimetergenau eines der beiden in seiner Reichweite stehenden Massenspektrometer, die jeweils so viel kosten wie ein kleines Eigenheim. „Die Roboter helfen uns, den Probendurchsatz im Vergleich zur manuellen Vorbereitung der Proben deutlich zu erhöhen“, erklärt Heidi Fleischer. „Damit können die wertvollen Analysesysteme besser ausgelastet und flexibler eingesetzt werden. Und die Laboranten werden von monotoner Arbeit entlastet.“

Für die nächste Etappe ihrer Arbeit träumt sie von einem integrierten Roboter, einem, der die Proben transportiert und gleichzeitig bearbeitet. Dieser Roboter muss dann in eine komplexe Softwareumgebung eingebettet werden, die auch umfangreiche Möglichkeiten für die Verarbeitung der gewonnenen Messdaten beinhalten wird.

Heidi Fleischer hat bis 2008 „Informationstechnik und Technische Informatik“ in Rostock studiert. Nun bietet sie selbst Lehrveranstaltungen im Bereich der Mess- und Sensorsysteme an. Ihr Analytik- Wissen hat sie in ihrer Promotionszeit am Warnemünder Institut erworben. Mit ihrer Habilitation hat sie nun an ihrer Heimatfakultät Informatik und Elektrotechnik (IEF) die Lehrberechtigung erworben.

In ihrer Probevorlesung hat sie über ein Zukunftsgebiet ihres Faches referiert: „Unkonventionelle Aktoren“ — Bauteile, die elektrische Signale in Bewegung umsetzen. Und die stecken in Robotern.

Forschen für die Zukunft

Das Center for Life Science Automation (Celisca) ist Kompetenzzentrum und Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft. Das internationale Forschungsteam von Celisca arbeitet mit Unternehmen und Forschungsinstitutionen in aller Welt zusammen. Ingenieure und Naturwissenschaftler suchen in intensiver Zusammenarbeit nach Lösungen für aktuelle und zukünftige Problemstellungen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Entwicklung innovativer Automationslösungen für die gesamte Bandbreite der Bio-Wissenschaften (Life Sciences).

Von Norbert Stoll

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