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Museumsabend: Krieg in Warnemünde

Warnemünde Museumsabend: Krieg in Warnemünde

Heimatmuseum widmet sich Tagebüchern des Museumsgründers Adolf Ahrens aus den Jahren 1914 bis 1918

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Promovierte Historiker unter einem Museumsdach: Reno Stutz, Antje Strahl und Kathrin Möller.

Quelle: Klaus Walter

Warnemünde. Drei promovierte Historiker unter sich — und das auch noch unter dem Dach des Warnemünder Heimatmuseums. Klar, dass es bei so einem Treffen um die Vergangenheit geht, um Geschichte, natürlich auch um Warnemünder Geschichte. Diesmal aber um eine ganz besondere: Die Buchautoren Reno Stutz und Antje Strahl und Museumsleiterin Katrin Möller bereiten den nächsten Warnemünder Museumsabend vor. Thema: Der erste Weltkrieg in Mecklenburger Tagebüchern.

„Jeder kennt die großen geschichtlichen Eckdaten des Ersten Weltkrieges aus dem Schulunterricht, die Zahlen der Opfer, all die schrecklichen Ereignisse, das millionenfache Leid“, sagt Reno Stutz.

„Wir aber hatten uns zum 100. Jahr des Kriegsbeginns die Aufgabe gestellt, diese Zeit nicht anhand von Zeitungsausschnitten und Behördendokumenten zu betrachten, sondern aus Sicht der Menschen, die damals gelebt haben.“ Die Quelle: Die Aufzeichnungen von Mecklenburgern, die in der Zeit zwischen 1914 und 1918 Tagebuch geschrieben haben. Das Buchprojekt, das aus dieser Idee entstanden ist, liegt inzwischen vor, erschienen im Rostocker Hinstorffverlag und unterstützt von der Stiftung Mecklenburg.

Ein deutlicher Teil des Buches basiert auf den Notizen des Warnemünder Lehrers Adolf Ahrens, der zugleich auch Mitbegründer des Warnemünder Heimatmuseums ist. Ahrens hatte im Februar 1914 gemeinsam mit dem Fischer Heinrich Holtfreter und dem Buchdrucker Ernst Strübing begonnen, Objekte aus der Geschichte Warnemündes zu sammeln, um deren Ausverkauf an die Badegäste zu verhindern. So schufen sie die Grundlage für das heutige Heimatmuseum.

Dass wenige Wochen nach dem Beschluss, in Warnemünde eine museale Sammlung aufzubauen, die erste große „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie es später hieß, beginnen würde, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. „Umso bemerkenswerter, dass Menschen wie Adolf Ahrens dennoch Tagebuch führten und uns so einen wirklichen Schatz hinterlassen haben“, sagt Antje Strahl. „Es geht um den Alltag der Menschen, das Anstehen nach Butter, um die Nachricht, dass der Sohn an der Front verwundet wurde oder der Mann an Typhus gestorben ist.“

Am meisten beeindruckt haben Antje Strahl die grundverschiedenen Lebensweisen der Menschen während der Jahre des Krieges. Etwa, als 1917 der Tourismus in Warnemünde schon wieder erblühte: „Während die Kriegsgewinnler in den Hotels prassten, Lebensmittelpakete aus Warnemünde und tausende Kilo Kartoffeln nach Hause schickten, liefen Menschen wie Adolf Ahrens fast täglich 20, 30 Kilometer zu Fuß

durch die Heide, um das Nötigste zum Leben zu beschaffen“, erzählt Antje Strahl. „Sie liefen los, weil sie hörten, dass irgendwo jemand ein Schwein geschlachtet haben soll — um am Ende vielleicht gerade einmal mit sechs Eiern heimzukehren.“

Bemerkenswert für Reno Stutz war immer wieder, wie sich Geschehnisse, die wir aus heutiger Sicht als „historische Ereignisse“ bewerten, im Leben der einfachen Menschen damals darstellten. „Am geschichtsträchtigen 9. November 1918 schreibt Adolf Ahrens nur eineinhalb Zeilen in sein Tagebuch“, sagt Reno Stutz und zitiert: „Nachmittags: Abdankung des Kaisers. Alles stürzt zusammen. Und das Neue? Hats's Bestand? Gereicht's zum Segen?“

All diese Geschichten sollen beim Museumsabend am 9. März nicht nur erzählt, sondern auch mit Zeugnissen aus der damaligen Zeit belegt werden. „Illustrieren werden wir den Vortag zum Museumsabend mit einer ganzen Sammlung aus unserem Fundus, die Ahrens zusammen mit seinem Tagebuch hinterlassen hat“, kündigt Katrin Möller an. Aufrufe, Feldpostbriefe, Spendenbelege für Kriegsanleihen, Buttermarken und vieles mehr liegen im Museum. Sogar Fotos, obwohl Privatpersonen das Fotografieren zu dieser Zeit verboten war. So das Bild einer Handvoll Warnemünder Jungs, die in ihrer Kriegsbegeisterung mit einer selbstgebauten Kanone am Strand einen möglichen Angriff der englischen Flotte abwehren wollten.

Museumsabende

Das Buch „Der Erste Weltkrieg in Mecklenburger Tagebüchern“ ist als Band V der Schriftenreihe der Stiftung Mecklenburg — Wissenschaftliche Beiträge erschienen. Es basiert auf den Tagebüchern des Unteroffiziers Wilhelm Jahning (1887-1918), des Gutsbesitzers Wilhelm von Oertzen (1883- 1945) und des Lehrers Adolf Ahrens (1896-1932). Herausgeber sind Antje Strahl und Reno Stutz.

ISBN: 978-3-356-02038-0 Die Museumsabende finden bis auf den März an jedem 3. Mittwoch im Monat im Warnemünder Heimatmuseum in der Alexandrinenstraße 31 statt. Beginn ist 19 Uhr.

Im April geht es um das Bier und den 500. Geburtstag des deutschen Reinheitsgebotes, im Mai um die Warnemünder Trachten und im Juni um den Fischbestand der Ostsee.



Klaus Walter

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