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Nur am Alten Strom geht es messerscharf zu

Warnemünde Nur am Alten Strom geht es messerscharf zu

Scherenschleifer Günter Scarbarth ist in Rostock und weit über die Stadtgrenzen hinaus der einzige Fachmann auf diesem Gebiet

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Günter Scarbarth (77) lässt immer noch täglich in seiner Werkstatt die Funken fliegen.

Quelle: Jürgen Falkenberg

Warnemünde. Ein Sirenenton erklingt in den Funkenflug eines Schleifbandes. Günter Scarbarth unterbricht seine Schleifarbeit, denn das deutliche Signal kommt aus dem Wohnhaus. Ausgelöst hat es dort Ehefrau Karin. Es übermittelt die gute Nachricht: Der Kaffee ist fertig. Zwischen der Kaffee-Ecke und der Schleiferei liegen gut 50 Meter. „Eine Klingel hat mein Mann beim Arbeiten nie gehört. Da haben wir umgerüstet“, sagt sie lachend.

Gleiche Leidenschaft

Karin und Günter Scarbarth eint die gleiche Leidenschaft: die Warnemünder Trachtengruppe. Karin Scarbarth stieß 1996 zur Trachtengruppe und ist seit 2003 deren Vorsitzende. Zur Gruppe gehören 30 Mitglieder mit immerhin 18 aktiven Tänzern, die 25 bis 30 Auftritte im Jahr bestreiten. Die Trachten für die Frauen näht Karin Scarbarth oft selbst.

Zehn Jahre, von 1971 bis 1981, hat der heutige Schleifer Günter Scarbarth aus der Fast-Ruine zwischen dem Haus Am Strom 28 und dem Schwarzen Weg mit eigenen Händen Wohnhaus und Werkstatt wiedererrichtet.

Zur See fuhr der gebürtige Thüringer von 1960 bis 1980. Der gelernte Werkzeugmacher war als Schiffsingenieur unterwegs. Maschinenbau und Werkzeugmacher waren schon immer sein Metier. Sie erleichterten ihm den Start nach der Wende. Die Dienstleistung Schleifen gab es nicht mehr, aber stumpfe Skalpelle in Masse. Günter Scarbarth meldete sein Gewerbe als Schleiferei an. Rund 300 medizinische Instrumente waren im Monat zu schärfen. Dies tat er, bis auch diese Schneiden als Wegwerfklingen in Mode kamen.

„Ich habe immer hochwertige Schneidwerkzeuge bearbeitet“, sagt er. So gehörten auch Haarscheren als Spezialität ins Arbeitsprogramm. Ein Laden kam dazu. Hochwertige Messer wurden gern von Seeleuten und Schiffsreisenden, vor allem aus den USA, gekauft. Nach dem 11. September 2001 brach dieser Markt weg. 2005 gab es nur noch die Werkstatt, in der Werkzeuge für Holz- und Metallverarbeitung, Messer, Scheren und Fleischereibedarf fit gemacht wurden. Eine Universalschleifmaschine kaufte er zum Schrottpreis von der Warnowwerft.

„Gaststätten und Fleischereien, selbst aus Bayern, schicken ihre Messer zu mir. Im Ort gibt es frei-Haus-Lieferung“, sagt der nun 77-Jährige. Lachend verspricht er, dass er noch 23 Jahre weitermachen werde. Er meint es ernst, hat er doch gerade die Kreissägenschleifmaschine neu aufgebaut. Viele Betriebe nutzen nach wie vor seine Dienstleistung. Täglich steht Scarbarth fünf Stunden lang in seiner Werkstatt und lässt dort die Funken fliegen. Der Bedarf ist groß, ist er doch in Rostock und weit über die Stadtgrenzen hinaus der letzte Schleifer. „Ich habe sechs Urenkel. Keiner will die Schleiferei fortführen“, bedauert der Schleifer.

In einem völlig anderen Habit kann man Günter Scarbarth auch erleben, gehört er doch der Warnemünder Trachtengruppe an. Diese wird seit vielen Jahren von Ehefrau Karin geleitet.

Jürgen Falkenberg

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