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Schiffsarchäologen tauchen ab

Warnemünde/Hohe Düne Schiffsarchäologen tauchen ab

Schlepperwrack vor Warnemünde und Steinkisten vor Hohe Düne sind Ziele der Sport- und Forschungstaucher

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Teilnehmer am Schiffsarchäologischen Seminar vermessen das Schlepperwrack vor Warnemünde.

Quelle: Martin Siegel/klaus Walter

Warnemünde/Hohe Düne. Zum 17. Mal hat die Gesellschaft für Schiffsarchäologie Rostock zum „Schiffsarchäologischen Seminar“ eingeladen. Nach drei Tagen trockener Theorie stiegen die Sport- und Forschungstaucher aus Deutschland und Österreich gestern bei idealen Bedingungen erstmals im Verlauf der Seminarwoche in die Fluten der Ostsee. Eine Seemeile vor Warnemünde erkundeten sie das Wrack eines Schleppers, das hier 2006 per Zufall entdeckt worden war. Vor Hohe Düne tauchten sie zu den rätselhaften „Steinkisten“ hinab, die vor Hunderten von Jahren möglicherweise einmal Teil einer Hafenanlage waren.

OZ-Bild

Schlepperwrack vor Warnemünde und Steinkisten vor Hohe Düne sind Ziele der Sport- und Forschungstaucher

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Schiffsarchäologie

Die Gesellschaft für Schiffsarchäologie Rostock ist ein gemeinnütziger Verein ehrenamtlicher Forschungs- und Sporttaucher. Die Mitglieder betauchen Schiffswracks und archäologisch interessante Fundstellen in Ostsee, Bodden- und Binnengewässern. Der Verein ist Mitglied des Landesverbands für Unterwasserarchäologie und arbeitet eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammen.

• Internet: www.gfs.gx-invision.de

„Das Seminar richtet sich an Forschungstaucher, Studenten und Hobbytaucher“, erläutert der Vorsitzende der Schiffsarchäologischen Gesellschaft, Martin Siegel (39), Forschungstaucher von Beruf. „Wir wollen die Teilnehmer befähigen, Funde am Grund von Gewässern zu bewerten, zu erfassen und an die Denkmalbehörden zu melden.“ Und ihnen auch vermitteln, was erlaubt und was verboten ist. Das diene letztendlich dem Schutz der Kulturschätze unter Wasser. Siegel: „Nur was bekannt ist, kann geschützt werden.“ Ganz eng arbeitet der Verein mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Kultusministerium in Schwerin zusammen. Dort ist man froh über Unterstützung – und letztlich auch auf das ehrenamtliche Engagement der Schiffsarchäologen angewiesen. Nicht zuletzt deshalb wird das Seminar von dort gefördert.

Wie nötig der Schutz von Wracks und die Sensibilisierung der Taucher für die Kulturgüter unter Wasser ist, zeigt das Schlepperwrack vor Warnemünde eindruckvoll. Erst vor zehn Jahren ist der vor etwa 100 Jahren gebaute Schlepper von Meeresforschern des Warnemünder Instituts für Ostseeforschung bei der Untersuchung des Meeresbodens entdeckt worden. Nun ist das Wrack von Souvenirjägern fast vollständig geplündert worden. „Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wurde mitgenommen“, erzählt Siegel. Beim gestrigen Tauchgang bestand die Aufgabe der Teilnehmer darin, das Wrack zu vermessen und exakte Skizzen davon anzufertigen.

Dieselbe Arbeit an anderer Stelle verrichteten die Seminarteilnehmer vor Hohe Düne. Dort sind es die lange bekannten, aber noch immer rätselhaften Steinkisten, die sich nur wenige Meter vom Strand entfernt über 60 Meter weit in die See erstrecken und eine fast 300 breite mauerähnliche Anlage bilden. „Möglicherweise eine Hafenanlage aus dem 16. Jahrhundert“, sagt Seminarleiter und Meeresarchäologe von Berufs wegen, Henrik Pohl (39). „Genau wissen wir das aber immer noch nicht.“

Für die Seminarteilnehmer eine neue Erfahrung. „Man bekommt einen ganz anderen Blick für die Welt unter Wasser“, sagt Arndt Humpert aus Stuttgart. Der Sporttaucher hat schon „viele Steine im Mittelmeer“ gesehen und hat sie gestern bei seinem ersten Tauchgang in der Ostsee hier schätzen gelernt. Ähnlich sieht es sein Tauchpartner Stephan Flindt aus Frieberg bei Frankfurt. „Eine neue Welt für mich.“

Der Rostocker Historiker Hartmut Schmied ist dabei, sich über das Seminar die Unterwasserwelt seiner Heimat zu eröffnen. Als Betreiber des „Cryptoneum-Legendenmuseums“ im Internet (www.legenden-museum.de) will auch er den Steinkisten vor Hohe Düne alle Geheimnisse entlocken. „Das ist eines der Projekte, die ich in Vorbereitung des 800-jährigen Jubiläums der Hansestadt verfolge“, verrät Schmied. Außerdem will er mit dem „Unterwasser-Wissen“ seine vielen Vorträge bereichern.

Klaus Walter

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