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Segelschule für ahnungslose Anfänger

Segelschule für ahnungslose Anfänger

Der Selbstversuch zur Warnemünder Woche: Eine Redakteurin geht zum ersten Mal vor der Mole segeln

Warnemünde Hol die Schot dicht, takel die Jolle auf, schieb das Schwert nach oben! Obwohl ich als gebürtige Mecklenburgerin in Küstennähe aufgewachsen bin, ist mir die Bedeutung solcher Sätze vollkommen fremd. Ich verstehe, dass man damit etwas Wichtiges sagen will, aber man könnte auch gleich Chinesisch mit mir sprechen. Damit sich das ändert, wollte ich mir gestern etwas beibringen lassen. Nicht Chinesisch, sondern Segeln.

Möglich machen wollen das Trainerin Katja Müller und der Segler Ole Christian Lüsch. Der 14-Jährige betreibt bereits seit acht Jahren diesen Sport. Zwischen den Wettkämpfen der Warnemünder Woche hat er sich die Zeit genommen, mich anzulernen. Die erste Frage: „Schon mal auf einem Boot gewesen?“, fragt die Trainerin. Na klar, war ich das. Nur halt noch nie auf einem Segelboot. Mit Schwindel oder Seekrankheit hatte ich aber zum Glück noch nie Probleme. Damit erfülle ich die Voraussetzungen für meine erste Segelstunde.

Auf einem sogenannten 420er, einem Zweimannboot, wollen wir von der Mittelmole aus losschippern. Doch schon in der Vorbereitung wird es kompliziert. „Das Schiff wird jetzt aufgetakelt, das heißt, es wird für die Ausfahrt vorbereitet“, sagt Katja Müller. Verschieden farbige Seile liegen scheinbar wirr verteilt im kleinen Boot. Doch jedes dieser Schnüre hat Bedeutung. So wird mit einem dieser „Schoten“ das vordere Segel „Focksegel“ eingefädelt und am Mast hochgezogen. Das Großsegel wollen wir erst auf dem Wasser hissen. Schon nach diesen Erklärungen schwirrt mir der Kopf. Ich merke, hier wird wirklich in einer speziellen Segelsprache miteinander kommuniziert.

Wir schieben dann ohne weitere Einführung zur Segeltechnik das Schiff vom Trailer über die Slip-Anlage und ab ins Wasser. Jetzt komme ich zum Einsatz. Ich belege die Position des „Vorschoters“.

Zunächst ziehe ich an dem sogenannten Fall, damit das Großsegel aufgerichtet wird. Schnell erklärt sich auch der Name dieses Seils. Denn wenn man loslässt, fällt das Segel auch schnell wieder. Der Fall wird festgezurrt und das Großsegel schnalzt im Wind.

Anschließend muss ich das „Schwert“ hochziehen. „Ohne ist es nicht möglich, zu segeln. Wir würden sonst abdriften“, erklärt Katja Müller, die uns zur Sicherheit mit einem Schlauchboot begleitet. Das Schwert solle ich mir wir einen Kiel vorstellen, der von der Mitte des Bootes senkrecht ins Wasser geschoben wird.

Bisher sind wir schon einige Meter auf die Mole zugetrieben, jetzt wollen wir bewusst die Richtung bestimmen. Meine Hauptaufgabe ist es jetzt an einem der Enden des roten „Fockschot“ zu ziehen, eine Seite soll ich immer straff halten. Damit das Vorsegel den Wind auffangen kann. Schon nach kurzer Zeit macht sich die Reibung der Seile an meinen Händen bemerkbar.

Dann wird es spannend. Wir fahren ein Wendemanöver. Sobald mich mein „Steuermann“ Ole dazu auffordert, lasse ich das rechte Seil locker und ziehe das linke schnellstmöglich straff. „Auf den Baum muss man aufpassen“, warnt mich Ole. Das ist der waagerechte, bewegliche Balken, der vom Hauptmast absteht. Denn während ich das Segel von der einen auf die andere Seite ziehe, muss ich mich unter diesem Baum wegducken. Das Schiff fährt ein Kurve. Angespannt, aber glücklich habe ich es geschafft. Dass das Sport ist, stelle ich nicht infrage.

Als Nächstes wollen wir eine Halse probieren. „Bei der Wende wird der Bug durch den Wind gedreht, bei der Halse ist es anders herum“, erklärt Katja Müller. Statt eines Schwenks machen wir eine große Drehung in die entgegengesetzte Richtung. Ole reagiert fachmännisch und ich versuche mitzuhalten. Das klappt, auch wenn sich ein leichtes Zittern in mir ausgebreitet hat. Schließlich neigt sich das Boot zeitweise so, dass ich ans Kentern denke. „Das ist momentan keine Gefahr, der Wind ist auch nicht stark“, gibt Ole Entwarnung.

Nach einer halben Stunde ist es vorbei. Bis zur Molenausfahrt sind wir gesegelt. Nun wird der 420er aus dem Wasser geholt. Mein Versuch – zumindest aus meiner Sicht – ein Erfolg. Denn ich habe es weitestgehend trocken überstanden. Zum Schluss gibt es dann sogar ein Lob der Trainerin: „Für das erste Mal war es gar nicht schlecht.“

Johanna Hegermann

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