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Warnemünde – Gedser: Brückenschlag über die Ostsee

Warnemünde Warnemünde – Gedser: Brückenschlag über die Ostsee

Mit Inbetriebnahme der neuen Scandlinesfähre „Berlin“ blickte der 232. Rostocker Hafenstammtisch auf die Geschichte der Fährverbindung Warnemünde – Gedser zurück

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Das 136 Meter lange Fährschiff „Warnemünde“ wurde auf der Rostocker Neptunwerft 1961/62 gebaut, lief anlässlich der Ostseewoche 1962 vom Stapel und wurde am 26. Mai 1963 auf der Linie Warnemünde – Gedser in Dienst gestellt.

Quelle: Jürgen Fensch

Warnemünde. Das Fährschiff „Berlin“ passiert die Molenköpfe in Warnemünde, die Abgasfahne ist kaum zu sehen – einen großen Teil seiner Energie zieht das moderne Schiff gerade aus einem Akku-Pack. Ein moderner Hybridantrieb, ein Meilenstein in der Antriebstechnologie für Fährschiffe, aber nur ein Schritt auf dem Weg zur vollständig abgasfreien, elektrischen Fahrweise, die die deutsch-dänische Fährschiff-Reederei Scandlines anstrebt.

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Mit Inbetriebnahme der neuen Scandlinesfähre „Berlin“ blickte der 232. Rostocker Hafenstammtisch auf die Geschichte der Fährverbindung Warnemünde – Gedser zurück

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Manche kamen nur in die DDR, um ordentlich zu feiern.“Kapitän

Ernst Schomaker

Im Konferenzraum auf Deck 8 hat eine Runde seefahrtsbegeisterter Passagiere Platz genommen. Das Hanse-Sail-Büro hat zum 232. Hafenstammtsich geladen, Moderator Horst Marx stellt die Gesprächspartner vor: Scandlines- Marketing-Chef Michael Dietz, der Buchautor Reinhard Kramer und gleich drei Kapitäne: Jörg Ellner, Kapitän der „Berlin“, Ingo Schütz, als junger Mann 2. Offizier auf der 1963 in Dienst gestellten Fähre „Warnemünde", und Ernst Schomaker, der das Schiff viele Jahre als Kapitän führte.

Schomaker hatte auch das Kommando, als es am 24. September 1995 seine letzte Fahrt ab Warnemünde antrat. „Aufgrund des Fracht- und Fahrzeugverkehrs durch Warnemünde gab es keine Alternative. Aber es war schon ein Stückchen Geschichte, das hier zu Ende ging“, erinnert er sich. Viele Menschen waren gekommen, ließen auch einen Sarg zu Wasser. „Das zeigte die enge Verbundenheit der Warnemünder mit der Fährverbindung und ,ihrem' Schiff“, sagt der Kapitän. Schomaker hat aber auch noch lebhafte Erinnerungen an seine Passagiere. Manche kamen nur in die DDR, „um ordentlich zu feiern“, die Devisen und der Umrechnungsfaktor zur DDR-Mark machten es möglich. Leider führte der massive Alkoholgenuss auch zu manchem Konflikt an Bord des Schiffes. „Auch wenn DDR-Bürger nicht mitfahren durften: Die Fähre war immer gut ausgelastet“, erzählt Kapitän Schomaker.

Buchautor Reinhard Kramer („Brückenschlag über die Ostsee – Die Fährverbindung Rostock – Gedser“) erzählt, was aus der „Warnemünde“ wurde. „Sie wurde Ende 1995 vom damaligen Eigner, der Deutschen Fährgesellschaft Ostsee, DFO, verkauft“, sagt er. Am 30. Januar 1996 habe das Schiff noch in Warnemünde seinen neuen Namen „Admiral“ bekommen, bevor es am 2. Februar Warnemünde mit Ziel Mittelmeer verließ. Bis dahin, sagt Kramer, habe das Schiff mehr als 1,7 Millionen Seemeilen zurückgelegt. Gut 80 Mal um die Erde.

Kramer erzählt auch über die Zeit der Planung der Fährlinie von 1896 bis zur Aufnahme des Liniendienstes 1903. Es sei die erste ständige Fährverbindung zwischen zwei Staaten gewesen, hebt er hervor.

„Alle anderen namhaften Fährverbindungen kamen erst später“, sagt Kramer. War es zunächst der Frachtverkehr, der den Brückenschlag über die Ostsee rechtfertigte, kam bald auch der Ausflugsverkehr hinzu. Die ersten Seereisenden waren die Badegäste Warnemündes, „die Berliner“, wie man damals sagte. Ingo Schütz, der das seinerzeit modernste Fährschiff, die „Mecklenburg-Vorpommern“, auf der Route Rostock-Trelleborg übernahm, fasziniert vor allem der Hybrid-Antrieb der „Berlin“. „Von so was haben wir damals nicht einmal zu träumen gewagt“, sagt er. Scandlines-Verkaufschef Michael Dietz versucht, die technische Details möglichst anschaulich zu erklären.

„Praktisch wurde eine Hauptmaschine durch einen Batterie-Pack ersetzt“, sagt er. Geladen werde, wenn das Schiff auf freier See nur wenig Leistung benötige, Batteriestrom zugeschaltet werde, wenn hoher Energiebedarf, etwa beim Beschleunigen oder den Hafenmanövern. Die Leistung des Batteriepacks: so viel wie 25000 Autobatterien. Berlin-Kapitän Jörg Elmer runzelt die Stirn, will das nicht so stehen lassen. Der Unterschied sei, dass eine Autobatterie immer nur kurzfristig hohe Energiemengen beim Anlassen des Motors abgeben müsse. „Seine Batterien“ seien anders: Dauerleistung sei gefragt. Und er gibt einen Ausblick in die Zukunft der Fährgesellschaft, deren eine Linie inzwischen nur noch an Warnemünde vorbeiführt. Scandlines werde „in zwei, drei Jahren“ zwischen Puttgarden und Rödby voll elektrisch fahren. Geladen werde beim Anlegen, über See ginge es dann völlig abgasfrei. Dieses Ziel – sicherlich in größeren Zeiträumen – stehe auch für die Linie nach Gedser.

Klaus Walter

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