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Warnemünder Seenotretter hilft Menschen in der Ägäis

Warnemünde/Mytilini Warnemünder Seenotretter hilft Menschen in der Ägäis

Seit dem 7. März nehmen die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und Rettungsorganisationen aus weiteren nordeuropäischen Staaten an einem internationalen ...

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Jörg Westphal vor einem Bild vom Griechenland-Einsatz der deutschen Seenotretter vor der Insel Lesbos.

Quelle: Klaus Walter

Warnemünde/Mytilini. Seit dem 7. März nehmen die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und Rettungsorganisationen aus weiteren nordeuropäischen Staaten an einem internationalen Rettungseinsatz in der Ägäis teil. Auf Bitte des griechischen Küstensuch- und Rettungsdienstes (Hellenic Coast Guard) helfen die Seenotretter, Menschen vor der griechischen Insel Lesbos vor dem Ertrinken zu bewahren und aus akuter Gefahr zu befreien. Ab Ostersonnabend wird auch der Leiter des Warnemünder Informationszentrums der DGzRS, Jörg Westphal, freiwilliger Seenotretter seit 29 Jahren, für 14 Tage in den Hilfseinsatz nach Griechenland gehen. Während seines Urlaubs.

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Seit dem 7. März nehmen die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und Rettungsorganisationen aus weiteren nordeuropäischen Staaten an einem internationalen ...

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Aber eines ist auch klar: Ich werde dort unten keinen einzigen Flüchtling retten. Ich rette Menschen!“ Jörg Westphal (53), Seenotretter

„Es wird der härteste Einsatz meines Lebens“, ist sich Jörg Westphal sicher. Doch seit die Bitte der griechischen Coast Guard bei den deutschen Seenotrettern eintraf, sei klar gewesen, „dass ich da runter gehen will“. Aber eines sei auch klar, betont Westphal. „Ich werde dort unten keinen einzigen Flüchtling retten — ich rette Menschen!“

Westphal provoziert bewusst mit dieser Aussage. Doch als er sich entschieden hatte, in den Einsatz nach Griechenland zu gehen, musste er sich auch mit solchen Kommentaren auseinandersetzen: Der Einsatz der Seenotretter unterstütze doch letztendlich die kriminellen Schlepperbanden, die die Kriegsflüchtlinge ganz bewusst und zu Tausenden in Gefahr brächten. Sie kassierten Tausende Euro dafür, dass sie Menschen an der türkischen Küste in Schlauchboote setzten, obwohl sie wüssten, dass es keine reale Chance gibt, heil und unversehrt an der schroffen Felsenküste der griechischen Insel anzulanden. „Seenotretter fragen nicht, wer da ihre Hilfe braucht“, argumentiert Jörg Westphal. „Seenotretter helfen.“

Intensive Wochen der Vorbereitung liegen hinter ihm. Alles Wissen und Können aus der Ausbildung hat er wiederholt und aufgefrischt. „Besonders Reanimation“, sagt Westphal. „Auch Reanimation von Kindern.“ Aus einem Erfahrungsaustausch mit schwedischen Seenotrettern, die bereits länger im Ägäis-Einsatz sind, wisse er, wie wichtig genau dieses Wissen ist: die Wiederbelebung von Kindern. „Die Schweden zeigten uns Bilder und Filme aus dem Einsatz, die das ganze Ausmaß zeigen. Auch deshalb bin ich mir sicher, dass ich dort helfen muss“, sagt Westphal.

Sogar ein paar Worte Arabisch hat er gelernt. Ein syrischer Kriegsflüchtling, Hani, hat ihm dabei geholfen: „Bleiben Sie sitzen“, „Bleiben Sie ruhig“, „Frauen und Kinder zuerst“ oder „Spricht jemand Deutsch oder Englisch?“ — die Redewendungen sollen im Einsatz helfen. Auch alle medizinischen Tests hat Westphal bereits hinter sich. Jetzt muss er nur noch ein Überlebenstraining absolvieren. Zur eigenen Sicherheit, wie er sagt.

Warum er in den Einsatz geht? „Im Grunde bin ich selbst ein Flüchtlingskind“, sagt der Seenotretter. Sein Vater, Frithjof, sei während des Krieges im Alter von 13 Jahren aus Polen nach Deutschland geflohen, nur von der 16-jährigen Schwester begleitet. Seine Mutter, Hildegard, sei über die Ostsee gekommen — und nur durch einen Zufall am 30. Januar 1945 nicht auf die „Wilhelm Gustloff“

gestiegen, die am Abend desselben Tages von einem sowjetischen U- Boot versenkt wurde. „Sonst gäbe es mich wahrscheinlich gar nicht“, sagt Westphal.

322 Menschen gerettet, darunter 77 Kinder

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) beteiligt sich an einem Einsatz der International Maritime Rescue Federation (IMRF). Die DGzRS setzt ihren ehemaligen Seenotrettungskreuzer „Minden“ ein. Der heutige Eigner stellt das 2014 an ihn verkaufte Schiff dafür unentgeltlich zur Verfügung.

Zwei der jeweils acht Besatzungsmitglieder der „Minden“ sind in jeder 12-Stunden-Schicht Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Seit Beginn des Einsatzes am 7. März haben die Besatzungen der „Minden“ 322 Menschen gerettet, darunter 77 Kinder. Die Aufgaben der DGzRS in Deutschland und auch die Spendengelder für die Arbeit hier bleiben vom Ägäis-Einsatz unberührt.

Um die Kosten des Einsatzes zu decken, sammelt die DGzRS gesondert Spenden auf dem Konto der Commerzbank Bremen:

IBAN DE30 2908 0010 0100 2338 01, BIC DRESDEFF290.

• Internet: www.seenotretter-imrf.de

Von Klaus Walter

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