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Warnemünder Gärtnerverein „Am Moor“ wird 100 Jahre alt

Warnemünde Warnemünder Gärtnerverein „Am Moor“ wird 100 Jahre alt

1916 wurden die ersten Parzellen nahe der Ostsee angelegt, kurz darauf bepflanzt / Mit einem Sommerfest haben die Kleingärtner ihren Verein und ihre Tradition gefeiert

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„Am Moor“ pflegt man Freundschaften so wie die Gärten. Ondra Kitzerow und Renate Oschatz kennen sich schon lange.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann

Warnemünde. Seit 100 Jahren gibt es den Kleingartenverein „Am Moor“ in Warnemünde. Am Samstag haben die Mitglieder das Jubiläum mit einem großen Sommerfest gefeiert. Der Vorstand blickt in die Zukunft und stellt fest: Kleingärten sind gefragt – auch bei jungen Familien. Aber ohne die erfahrenen älteren Pächter gehe nichts.

 

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Ich liebe es einfach, in der Erde herumzuwüh- len. Dabei kann ich mich so richtig schön entspannen.“Marianne Chill, Kleingärtnerin aus Warnemünde

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Es kommen viele junge Familien zu uns, die wieder zurück in die Natur finden wollen.“Christian Seifert (50), Vorsitzender des Kleingartenvereins

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Ich liebe es einfach, in der Erde herumzuwüh- len. Dabei kann ich mich so richtig schön entspannen.“Marianne Chill, Kleingärtnerin aus Warnemünde

Sie liebe es, in der Erde herumzuwühlen, dabei könne sie „richtig schön entspannen“, sagt Marianne Chill. Seit 1978 hat sie eine Parzelle im Kleingartenverein „Am Moor“ gepachtet. Sie zählt damit zu den alten Hasen unter den Warnemünder Gärtnern.

Da seien zum einen die jungen Familien, „30 plus“, sagt Vorstand Christian Seifert. Und dann gebe es noch die Pächter 60 plus. Die Jungen sollen von den Erfahrenen lernen. Müssen sich die Älteren von ihrem Garten trennen, rücken Nachwuchsgärtner nach. „Ein fließender Übergang – das ist meine Vision“, sagt Vorstand Seifert. Vorgänger und Nachfolger sollen sich kennenlernen, auch damit die erfahrenen Kleingärtner ihr Wissen an die jungen Leute weitergeben können.

„Jahrelang hatten wir mit einem schlechten Ruf zu kämpfen“, sagt Seifert. Spießig sei ein Kleingarten keineswegs, auch wenn es ein festes Regelwerk gebe, das konsequent durchgesetzt werde. „Das Bundeskleingartengesetz ist unsere Bibel“, sagt Vorstandsmitglied Ondra Kitzerow. Der 52-Jährige ist erst seit 2002 dabei. „Schon mein Großvater hatte hier eine Parzelle“, erzählt er. Schon als Kind habe er dort gespielt. Heute hat er selbst einen Garten und ist im Vorstand tätig. „Ein Fulltimejob“, wie er sagt.

Mit Livemusik, Krustenbraten, kalten Getränken und süßen Schnäpsen feiern die Kleingärtner ihr Jubiläum, für die Kinder gibt es ein Animationsprogramm und eine Tombola. „Das geht noch bis in den späten Abend“, sagt Seifert.

So richtig festmachen lässt sich nicht, wann der Verein gegründet wurde. Deshalb nehmen sie das Datum, an dem die ersten Parzellen angelegt worden sind. Immer wieder hat der Verein seinen Namen gewechselt – je nach politischen Verhältnissen.

„Es geht hier nicht um die Parzelle, sondern um ein Lebensgefühl und Kultur“, sagt Seifert, der auch Vorstand des Verbandes der Gartenfreunde und damit Cheflobbyist der Rostocker Kleingärtner ist.

„Kleingärten sind ein Rückzugsgebiet. Wir sind hier eine ehrliche Gesellschaft, in der es nicht um so was wie Einkommen geht“, sagt der Unternehmer. „Das Gemeinwohl ist uns wichtig.“

Und was macht einen guten Garten aus? „Die Mischung“, sagt Marianne Chill. „Eigenes Gemüse, Blumen und Wiese.“ Und ein schöner Platz zum Grillen und um Freunde einzuladen, sagt sie. Für Ondra Kitzerow ist die biologische Bewirtschaftung das Wichtigste. „Weil ich weiß, woher meine Kartoffeln kommen“, sagt er.

Laut Seifert ist das auch ein Grund, warum Kleingärten keine Nachwuchssorgen haben: Viele Eltern wollten, dass ihre Kinder wissen, woher ein Apfel kommt.

Die Geschichte des Vereins „Am Moor“

Die ersten Parzellen verpachtete der Verein im Dezember 1916, im Frühjahr darauf begann die erste Bewirtschaftung der Flächen. In den 1930er Jahren rückte der Verein immer weiter ans Moor. 1941 wurde die Gartenanlage zum „Kleingartenverein Warnemünde“.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kleingartenanlage immer wieder erweitert – auch technisch wie 1960. Fünf Jahre später wurde das Spartenheim eingeweiht. 1988 bis 1991 errichtete der Verein ein neues Heim. 2011 wurde die Anlage nach einem Unwetter überflutet.

Philip Schülermann

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