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Weniger Flüchtlinge – aber weiter Chaos

Stadtmitte/Groß Klein Weniger Flüchtlinge – aber weiter Chaos

Im Migrationsamt fehlt Personal / Stadt sucht händeringend Wohnungen / Aber: Zahl der Asylbewerber rückläufig

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Sahar Abdulla (40) und ihrem Mann Ahmed Najam (46) kommen aus der syrischen Stadt Hama und leben zurzeit im Asylbewerberheim in der Satower Straße.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte/Groß Klein. Das Thema Flüchtlinge sorgt in Rostock weiter für Gesprächsbedarf. So auch in der gestrigen Bürgerschaftssitzung, der ersten, nachdem in Groß Klein minderjährige unbegleitete Flüchtlinge den Stadtteil verlassen und woanders untergebracht werden mussten. Zwei Themen treiben Rathaus und Politik besonders um: War es richtig, vor den Rechten in Groß

 

OZ-Bild

Das Handeln des Senators war ein falsches Signal und für die Rechten ein Erfolg.“Uwe Michaelis (SPD), Ortsbeirat

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Klein einzuknicken? Und woher bekommt die Stadt Wohnungen und Personal?

„Wir waren alle aufgeregt und enttäuscht“, sagt Eva-Maria Kröger (Linke) zu den Ereignissen im Juli. Die Entscheidung von Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke), das Teilhabezentrum zu schließen, trägt sie mit. Anders als Uwe Michaelis: Der SPD-Politiker und Vorsitzende des Ortsbeirats in Groß Klein nennt das Vorgehen ein „falsches Signal“. Dass Groß Klein nun als rechter Stadtteil gelte, weil der Senator nach Anfeindungen Rechter die Reißleine zog, daran würden die Medien eine Mitschuld tragen, sagt Kröger. Anke Knitter (SPD): „Rostock hat keine gute Figur gemacht“, das Aufsehen in der Presse sei fatal, sagt sie. Zu Unrecht werde Rostock nun zu einer fremdenfeindlichen Stadt gemacht, betonen die Redner in der Bürgerschaftssitzung.

Der Ausländeranteil in Rostock liegt bei etwa fünf Prozent. „Dazu gehören aber auch der Italiener um die Ecke, der Vietnamese mit seinem Imbissstand, ausländische Studenten und die griechischen Emporspieler“, stellt Steffen Bockhahn klar. Die Zahl der Asylbewerber in der Stadt habe sich seit Februar dieses Jahres von 1793 auf rund 900 nahezu halbiert. Viele Flüchtlinge hätten inzwischen einen Aufenthaltstitel, seien also anerkannt und damit raus aus dem Asylbewerberleistungsgesetz. „Für diese Menschen werden Wohnungen benötigt“, sagt Bockhahn.

Es gebe keinen weiteren Bedarf an Asylbewerberunterkünften, „aber einen massiven Bedarf an Wohnraum“, so der Senator. Die bestehenden Heime seien stark „fehlbelegt“. So sind von den derzeit 352 besetzten Plätzen im Flüchtlingsheim an der Satower Straße 45 Prozent „Fehlbelegung durch Menschen, deren Asylverfahren abgeschlossen ist“, erläutert der Senator. Ähnlich sehe es in den anderen Häusern aus.

In der Gemeinschaftsunterkunft in der Bonhoefferstraße in Reutershagen mit 171 Plätzen sind laut Bockhahn derzeit 86 Bewerber untergebracht, 80 Prozent haben eine Anerkennung. Das Studentenwohnheim an der Möllner Straße in Lichtenhagen ist voll ausgelastet (216 Plätze). „Doch auch hier haben wir eine Fehlbelegung von 39 Prozent“, sagt Bockhahn. In der Notunterkunft an der Jägerbäk leben 93 Flüchtlinge, 64 von ihnen könnten ausziehen, weil ihre Verfahren abgeschlossen sind. Und in der alten Physik, im Zentrum Rostocks, sind derzeit noch 46 Migranten untergebracht, die fast alle eine Anerkennung haben. Dieses Haus soll ohnehin leergezogen werden. Viele Asylbewerber sind auch in Wohnungen untergebracht, die die Stadt angemietet hat.

Alle anerkannten Flüchtlinge müssten per Gesetz aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen. „Doch die meisten sind Hartz-IV-Empfänger und dürfen nur Wohnraum für maximal 5,71 Euro je Quadratmeter anmieten“, erklärt Bockhahn. Doch solche Wohnungen gebe es nicht. Deshalb müssten politisch schnellstens Programme auf den Weg gebracht werden, die den Bau sozialen Wohnraums ermöglichen, nicht nur für Flüchtlinge, wie der Sozialsenator betont.

In diesem Zusammenhang sei auch über das ehemalige DSR-Gebäude in Langenort zu reden, das zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird. Die Übergabe verzögert sich seit April, Ende September soll das Haus nun fertiggestellt sein. Als weitere Flüchtlingsunterkunft wird es jedoch kaum gebraucht.

Trotz rückläufiger Asybewerberzahlen: Am Dienstag musste im Migrationsamt die Polizei anrücken. Im Rathaus kam es zu Drängeleien, als eine große Zahl Migranten und Flüchtlinge in das Rathaus wollte.

Mehrere hundert sprechen dort jeden Dienstag vor. Man merke „jetzt die Welle von vor einem Jahr“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Das Amt öffnet nur ein Mal in der Woche – es fehle schlicht an Personal, sagt Kunze. Zwölf Mitarbeiter sind dort zuständig, fünf mehr sollen es noch werden, um zwei Stellen wurde schon aufgestockt.

„Es dauert ein halbes Jahr, Mitarbeiter zu schulen“, sagt Sprecher Kunze. Aktuell werden aber dringend Mitarbeiter gebraucht – wie überall, das mache die Suche nicht leichter. Außerdem sei „die Warte- und Zugangssituation“ ein Problem.

Laut Kunze laufen nach den Ereignissen am Dienstagvormittag bereits Prüfanträge, wie man die Situation im Rathaus ändern könnte.

Fünf Prozent Ausländer

900 Asylbewerber leben derzeit in der Hansestadt Rostock. Im Februar des Jahres waren es noch

fast doppelt so viele. Viele Flüchtlinge haben ihre Bewerberverfahren in-

zwischen durchlaufen und sind an-

erkannt. Allerdings wohnen die

meisten noch immer in den Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie diese verlassen und in Wohnungen um-

ziehen müssten.

5 Prozent beträgt der Ausländeranteil in Rostock. In dieser Zahl sind auch Studenten, ausländische Arbeitnehmer, Sportler und Gastronomen inbegriffen.

Doris Kesselring und Philip Schülermann

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