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Wenn Kinder zu Richtern werden

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Wenn Kinder zu Richtern werden

Jurist Jörg Benedict erklärt den rund 300 Zuhörern der Kinder-Uni mit Experimenten und einem Urteil, wie schwer es ist, die Wahrheit zu finden / Aktion der Uni Rostock und der OZ startete in die neue Saison

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Beim Beispiel-Fall befragt der Jurist Jörg Benedict (l.) den Zeugen „Thomas“ (Christian Kalbitz, r.), um herauszufinden, ob „Fritz“ (Sven Lopes/Mitte) auf dem Schulhof zugeschlagen hat. Fotos (4): Johanna Hegermann

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Gestern verwandelte sich das Audimax der Universität Rostock in einen Gerichtssaal und die rund 300 Zuschauer in eine Jury. Denn Jörg Benedict von der juristischen Fakultät erklärte den Besuchern der Kinder-Uni, was eigentlich in einem Gericht passiert. Mit der Vorlesung des Juristen startet die Aktion der Uni Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG ins neue Wintersemester.

OZ-Bild

Jurist Jörg Benedict erklärt den rund 300 Zuhörern der Kinder-Uni mit Experimenten und einem Urteil, wie schwer es ist, die Wahrheit zu finden / Aktion der Uni Rostock und der OZ startete in die neue Saison

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„Was ist eigentlich ein Gericht?“, beginnt der Jurist mit seinem Seminar. Drei Antworten stellt er zur Verfügung: Etwas zu essen, ein Gebäude oder eine Personengruppe? Die Kinder sollen abstimmen.

Bei jedem Vorschlag melden sich einige von ihnen. „Nudeln mit Tomatensoße“, antwortet ein Grundschüler schnell und versteckt sich unter seinem Tisch, während die anderen johlen. „Das ist eigentlich alles richtig“, urteilt Benedict. Heute soll es um das Gericht gehen, in dem über Recht und Unrecht entschieden wird. „Und ohne Gerichte würde sich ja jeder kloppen“, fügt der Jurist hinzu.

Zwei Experimente hat der Professor im Gepäck. Los geht es mit „Stiller Post“. Die siebenjährige Samira Dinse bekommt einen Zettel, den ihr ihre Mutter vorliest. Dann geht das Geflüster los. Die Antwort soll es erst später geben. „Ein Richter muss zwei Sachen kennen: das Recht und die Wahrheit“, so Benedict. Diese jedoch zu finden, sei die große Schwierigkeit.

Für das zweite Experiment wird ein Video gezeigt, bei dem sich sechs Leute Basketbälle zuwerfen. „Ihr sollt jetzt genau zählen, wie viele Ballwechsel es gibt“, fordert Benedict seine Zuhörer auf. Zu dem Zeitpunkt wissen sie nicht, dass im Hintergrund ein Mensch im Affenkostüm durch das Bild spaziert. „Wer hat es bemerkt?“, fragt der Dozent schmunzelnd. Die Mehrzahl meldet sich. „Dann seid ihr sehr aufmerksam“, lobt er.

Das sollen sie auch bei dem Beispiel-Fall noch einmal auf die Probe stellen, alle Kinder sollen zur Jury und zum Richter werden: Bert und Fritz sind auf dem Schulhof aneinandergeraten und Bert hat einen Zahn verloren. Nun fordert er Schmerzensgeld. Fritz sagt, es sei ein Unfall gewesen, weil Bert seine Federtasche klauen wollte. Die Zeugen haben nicht viel gesehen.

„Was kam eigentlich bei der ,Stillen Post’ heraus?“, fragt Benedict plötzlich. „Was gibt es heute im Kino?“, „Fritzchen ist nicht zum Unterricht gekommen“, schlagen die Kinder vor. Nichts davon ist richtig. „Es wurde beobachtet, wie Bert versucht hat, Fritz etwas wegzunehmen, und dann fiel etwas zu Boden“, liest die Mutter von Samira nun laut vor. Die Lösung für den Fall hatten die Studenten also die ganze Zeit vor der Nase.

Schließlich kommen alle zu einer Entscheidung. Die beiden Streithähne sollen sich gütlich einigen. „Was haltet ihr davon, wenn Fritz einen seiner Stifte abgibt und Bert ihn zum Eis einlädt?“, schlägt Benedict vor. Das gefällt den Kindern, die mit einem lauten „Ja“ zustimmen. Oliver Ulrich aus der KTV ist mit dem Urteil zufrieden „Ich war erst auf der Seite von Bert, dann war ich unsicher. Schön, dass sie sich vertragen haben“, sagt der Achtjährige. Ob er Richter werden möchte, daran zweifelt der Schüler stark. „Es ist viel zu schwer, die Wahrheit herauszufinden.“

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Johanna Hegermann

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