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Wenn andere über mich entscheiden

Stadtmitte Wenn andere über mich entscheiden

Fachleute erklärten beim OZ-Leserforum, warum eine Vorsorgevollmacht wichtig ist

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Notar Dr. Martin Bauer (v. l.), Diane Hollenbach (MDK) und Markus Juhls (AOK Nordost) beantworteten viele Fragen der Zuhörer.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Stadtmitte. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht – was ist das und wofür brauche ich so etwas? Antworten auf diese Fragen gaben gestern Abend ausgewiesene Experten den knapp 200 Gästen des OZ-Leserforums im Rostocker Medienhaus. Es betrifft einen Abschnitt des Lebens, über den die meisten nicht gerne sprechen. Wenn eine Krankheit oder Unfall dazu führen, dass man nicht mehr selbst entscheiden kann. Etwa darüber, ob das Krankenhaus lebensverlängernde Maßnahmen einsetzt. Wer Zugriff hat auf das Bankkonto, wer die Wohnung kündigen darf und wer über die Unterbringung in einem Heim entscheidet.

 

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Meine Mutter kommt in ein Alter, in dem das wichtig wird. Simone Riemath (48), Groß Schwaß

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Ich bin gespannt, was ich hier erfahren werde. Karl-Heinz Herpel (83), Südstadt

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Es gibt neue Gesetze. Ich will wissen, was das für mich heißt. Gerhard Opahle (68), Lichtenhagen

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Ich habe bereits eine Vollmacht und eine Patientenverfügung. Jutta Jaekel (61), Stadtmitte

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„Eine Vollmacht ist das A und O“, sagte Markus Juhls, Pressesprecher der AOK Nordost. Viele Leute glaubten, dass automatisch Ehepartner untereinander, Eltern für ihre Kinder und Kinder für ihre Eltern entscheiden können. „Das ist ein Irrtum“, sagte Juhls. Bei Kindern endet die gesetzliche Vertretung mit der Volljährigkeit. Bei Eheleuten gibt es sie gar nicht – wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Der Gesetzgeber will das zwar ändern, allerdings nur für die medizinische Versorgung. Noch ist völlig unklar, wann diese Neuerung kommt. Derzeit gilt: Ist nichts geregelt, entscheidet ein Gericht, machte Martin Bauer von der Notarkammer MV klar. Das kann zwar nahe Verwandte als Betreuer benennen. Aber das dauert meist eine Weile. Zeit, die fehlt, wenn Wichtiges geregelt werden muss.

„Ich habe doch eine Patientenverfügung. Reicht das denn nicht?“, wollte ein Zuhörer wissen. Nicht für alles, antwortete Notar Bauer. „Die Patientenverfügung ist eine Anweisung für die Ärzte.“ Alles, was nichts mit der Behandlung zu tun hat, bleibt trotz Verfügung offen. Und die Frage, wie lange das Krankenhaus weiterbehandeln soll, wenn keine Aussicht auf Besserung besteht, kann auch in einer Vorsorgevollmacht geregelt sein. „Sprechen Sie unbedingt vorher darüber“, riet Bauer. Ohne Vorbereitung sei es für Kinder „der Horror“, wenn ein Elternteil im Koma liegt, die Ärzte keine Hoffnung mehr machen, und sie allein entscheiden zu müssen, wann die Maschinen abgestellt werden.

„Die Vollmacht ist keine Frage des Alters“, sagte Astrid Klinzing vom Rostocker Pflegestützpunkt in Lütten Klein. Ein „Zu früh“ gebe es nicht. Selbst 18-Jährige können so entscheiden, wer für sie entscheidet, wenn sie es nicht mehr selbst können sollten. Bei Beratungen erlebt Astrid Klinzing häufig, dass sich Angehörige von Demenz-Patienten erst viel zu spät mit diesem Thema beschäftigen.

Wenn der Betroffene sich nicht mehr bewusst ist, um was es geht, und keine Vollmacht mehr erteilen kann.

Der Pflegestützpunkt berät zur Vorsorgevollmacht. Um spätere Probleme zu vermeiden, sollte diese beglaubigt werden. Das ist möglich bei der Betreuungsstelle im Gesundheitsamt und beim Notar. Banken und Sparkassen bieten zusätzlich eigene Vollmachten speziell fürs Konto an. Besonders wichtig: Die Vorsorgevollmacht muss so hinterlegt werden, dass der Bevollmächtige, also meist Partner, Kinder, Enkel oder enge Freunde, sie jederzeit finden kann. Unsicherheit herrscht derzeit auch über die neuen Pflegegrade bei der Pflegeversicherung. Das berichtete Diane Hollenbach vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen in MV. Die Wartezeit nach der Begutachtung des Pflegebedürftigen bis zum Bescheid betragen in der Regel vier bis sechs Wochen. Betroffene muss das nicht verunsichern, sie verlieren nichts. Hollenbach: „Die Leistungen werden rückwirkend gewährt, ab dem Tag der Antragstellung.“

Jeder Fünfte älter als 65

Knapp 80 000 Menschen in MV sind pflegebedürftig – für sie gewinnt eine Vorsorgevollmacht an Bedeutung. Prognosen gehen davon aus, dass ihr Anteil an der Bevölkerung steigt. Heute ist im Nordosten etwa jeder Fünfte mehr als 65 Jahre alt, 2030 soll das für fast jeden Dritten gelten.

Zurzeit sorgt die Reform der Pflegeversicherung für Unruhe. Statt drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade. 75 ausgebildete Gutachter prüfen im Auftrag der Kassen die Pflegebedürtigkeit, ihre Zahl wurde extra aufgestockt.

Gerald Kleine Wördemann

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