Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Wenn aus Fremden wieder Nachbarn werden

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Wenn aus Fremden wieder Nachbarn werden

Auf einer neuen Internetseite sollen sich die Bewohner der einzelnen Stadtteile miteinander vernetzen / Aktuell sind rund 700 bis 800 Rostocker in sechs Gruppen aktiv

Voriger Artikel
Neuer Radweg soll für Sicherheit sorgen
Nächster Artikel
Ballonfahrer kommen in den Adelsstand

Mal kurz die Pflanzen vom Nachbarn gießen: Das selten gewordene Bild von Nachbarschaft soll wieder aufleben. Fotos (2): nebenan.de

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Vertraute Blicke im Treppenhaus, sich mal eben eine Tasse Mehl borgen oder seine Grünpflanzen im Urlaub gießen lassen: Dieses selten gewordene Bild von Nachbarschaft soll in Rostock wieder aufleben. Und zwar mithilfe einer Internetseite.

OZ-Bild

Auf einer neuen Internetseite sollen sich die Bewohner der einzelnen Stadtteile miteinander vernetzen / Aktuell sind rund 700 bis 800 Rostocker in sechs Gruppen aktiv

Zur Bildergalerie

Internet: Auf www.nebenan.de kann man sich auch ohne Flyer registrieren. Entweder man tritt einer bestehenden Nachbarschaft bei oder kann eine neue gründen.

Seit wenigen Wochen gibt es das bundesweite Netzwerk nebenan.de auch in Rostock. Seitdem haben sich sechs aktive Nachbarschaften gegründet: Stadtmitte, Bahnhofsviertel, Komponistenviertel/Gartenstadt und Hansaviertel. In der Kröpeliner-Tor-Vorstadt hätten sich gleich zwei Gruppen gefunden: KTV/Doberaner Platz und KTV/West. „Insgesamt sind in Rostock wohl mittlerweile 700 bis 800 Menschen aktiv“, sagt Ina Brunk, Mitgründerin der Plattform. Damit sei das Projekt in der Hansestadt nach kurzer Zeit erfolgreich angelaufen.

Das Projekt sei im Dezember des vergangenen Jahres in Berlin entstanden. Seitdem hätte man sich auch in anderen Städten dafür interessiert und eigenständig auf der Seite eine Nachbarschaft gegründet.

„In Rostock gab es solche Initiativ-Anmeldungen“, erklärt die 33-Jährige aus Berlin. Daher habe man das Projekt auf die Hansestadt ausgeweitet. „Wir geben nur Starthilfe, um zum Beispiel die Einladungen zu verteilen“, sagt Ina Brunk. In Hunderten Haushalten Rostocks seien diese Flyer gelandet. Neben einer kurzen Erklärung steht darauf für jede Nachbarschaft ein spezieller Zugangscode.

„Die Gruppe ist nur zugänglich, wenn man wirklich in der Nähe wohnt“, fügt die Berlinerin hinzu.

Nora-Lina Isert ist begeistert. Seit etwa drei Jahren wohnt die gebürtige Münchnerin in der KTV. „Gerade in der Stadt weiß man oft nicht, wer eigentlich nebenan wohnt.“ In ihrem eigenen Hausaufgang habe man daher schon seit einem Jahr versucht, sich untereinander kennenzulernen. „Es hat sich ein toller Austausch entwickelt – eine richtige Gemeinschaft“, sagt Nora-Lina Isert. Als vor etwa zwei Wochen der Flyer in ihrem Briefkasten lag, war sie sofort dabei.

Ihr Freund Robert Kressin gibt jedoch zu bedenken: „So etwas ist immer von dem Wohlwollen anderer abhängig.“ Wie bei neuen Freundschaften müsse bei Nachbarschaften auch zunächst eine Basis aufgebaut werden. „Einen Schlüssel sollte man erst herausgeben, wenn man sich auch vertraut“, sagt der 34-Jährige. Wenn man das nicht beachte, könne so eine Nachbarschaftsseite auch ein Risiko bergen.

Nora-Lina Isert will sich jedoch eher auf die positiven Seiten konzentrieren. „Wir sind in unserem Haus und auch auf der Plattform alle transparent. Wer etwas Böses will, der schafft das letztendlich auch außerhalb des Internets“, sagt die Rostockerin.

Ina Brunk betont, dass bisher noch von keinen schlechten Erfahrungen berichtet wurde. „Im Gegensatz zu anderen Plattformen muss man sich hier auch mit seinem richtigen Namen und seiner Straße anmelden. Niemand versteckt sich hinter Pseudonymen, wie Peter Pan“, erklärt sie. Es seien aber weniger Informationen öffentlich als im Telefonbuch. Die Hausnummer müssten Nutzer zum Beispiel nicht veröffentlichen. „Wenn man sich dann besser kennt, kann eine Nachbarschaft auch viel Sicherheit bieten“, so Brunk.

Genau dieses Gefühl habe Nora- Lina Isert schon jetzt in ihrem Haus und hofft die Gemeinschaft auszuweiten. „Früher kannte man sich und seine Nachbarn. Ich denke, dass so ein Netzwerk einen privat und auch beruflich weiterbringen kann“, sagt die 30-Jährige, die selbst als Life-Coach arbeitet.

Plattform ausgezeichnet

Nebenan.de wurde von der Firma Good Hood in Berlin entwickelt. Mittlerweile arbeiten dort etwa 25 Menschen.

Gründer Christian Vollmann beschäftigt sich seit zwei Jahren mit dem Thema. Nach einem Umzug mit seiner Familie wollte er die anonyme Nachbarschaft kennenlernen. Er rief ein Online-Forum für seine Straße ins Leben.

Im Juni 2016 wurde die Plattform von „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Johanna Hegermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Sicherheitsforum: Mit Tipps und Tricks zum guten Gefühl

Rund 40 Besucher beim Forum / Bester Tipp: Anwesenheit simulieren