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Widerstand gegen Windprojekt

KRITZMOW Widerstand gegen Windprojekt

Bürgerinitiative wendet sich gegen Bau von zwei Windmühlen / Forschung im Wind-Wärme-Bereich geplant

Kritzmow. Gegen den Bau von zwei Windkraftanlagen im Kritzmower Ortsteil Groß Schwaß hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gegründet. Errichten wollen diese Windkraftanlagen Matthias Heinicke und Martin Weiße, beide Gesellschafter des Unternehmens M&M Erneuerbare Energie. Die beiden Windmühlen, so das Unternehmen, sind eingebunden in ein Forschungsprojekt, an dem die Universität Rostock und die Stadtwerke Rostock Netzgesellschaft beteiligt sind. Dass es sich um ein Forschungsprojekt handelt, bezweifeln allerdings die Mitglieder der Bürgerinitiative ebenso wie der Bürgermeister und die Einwohner der Gemeinde.

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Bürgerinitiative wendet sich gegen Bau von zwei Windmühlen / Forschung im Wind-Wärme-Bereich geplant

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„Die Anlagen sollen 180 Meter hoch werden“, sagt Leif Kaiser, Bürgermeister in Kritzmow. „Und sie sollen bei uns entstehen, obwohl wir kein Windeignungsgebiet sind.“ Er und seine Gemeindevertretung sollen eine Stellungnahme zu dem Vorhaben beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt bis zum 30. September abgeben. Aber Kaiser hat noch viele Fragen. „Der Strom, der mit den Mühlen produziert wird, soll einerseits zu Wärme für den Gewerbepark am Tannenweg umgewandelt werden. Zum anderen sollen die Mühlen Strom bereitstellen, um im Falle eines flächendeckenden Stromausfalles – einem Blackout – das Gaskraftwerk in Marienehe wieder starten zu können“, so Kaiser. „Nur“, und das wundert Kaiser, „wird der Strom lediglich bis zu 15 Prozent für die Wärme verwandt, und alles wird in das Umspannwerk in Schutow eingespeist werden.“ Das alles hätten die M&M-Vertreter bei einer Einwohnerversammlung in der vergangenen Woche vor etwa 200 ziemlich erbosten Bürgern erläutert. Für den Bürgermeister stellt sich nun die Frage: „Kann der Strom dafür nicht beispielsweise mit Windmühlen in Stäbelow produziert werden?“ Denn die Befürchtung des Bürgermeisters ist: „Wenn diese Mühlen kommen, haben wir keine Entwicklungschancen mehr in Groß Schwaß.“ Er habe den Eindruck, „dass es nicht um Innovation und Forschung geht, vielmehr darum, dass die Firma M&M einen Fuß in die Tür bekommt“.

So kann es sich auch Mario Schacht, Sprecher der Kritzmower Bürgerinitiative, vorstellen. Am Dienstag hatten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative wiederum zusammengefunden, um über die weiteren Schritte gegen die Anlagen zu beraten. „Wir stehen hinter dem Bürgermeister“, sagt Schacht. Gleichzeitig kritisiert er M&M: „Wir haben keine Unterlagen und wir haben über das ganze Vorhaben auch nur sehr vage Informationen.“ Aber Schacht machte deutlich: „Es gibt in Kritzmow schon Leute, die sich mit dieser Materie auskennen.“ Für Schacht und seine Leute ist klar, dass unter dem Etikett der Forschung Bestimmungen, wie sie sonst für den Bau von Windkraftanlagen gelten, umgangen werden sollen.

Martin Weiße, Gesellschafter von M & M, zeigt Verständnis für die Kritzmower und ihren beginnenden Protest. Der Fachmann für Windenergie sah durchaus sein Problem, den Kritzmowern anschaulich vermitteln zu können, welche Bedeutung das Pilotprojekt hat. „Es geht darum, möglichst dafür zu sorgen, dass sich die Windmühlen kontinuierlich drehen und der Strom auch abgenommen werden kann.“

Deswegen befasse man sich damit, für Abnehmer im Tannenweg Strom in Wärme umzuwandeln und zu speichern. Es gehe um ein ortsnahes Energiesystem, fügte Weiße hinzu, das darauf abziele, Versorgungssicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig den Netzausbau in Grenzen zu halten. Dafür wolle man eine Modellsituation schaffen und habe sich deswegen mit Bedacht den Standort Kritzmow ausgesucht. „Denn auf langen Leitungen haben wir auch Stromverluste.“ Kritzmow biete sich an, weil das Gasheizkraftwerk, die Abnehmer im Tannenweg und der Einspeisepunkt Schutow „in einer einmaligen Konstellation nahe beieinanderliegen.“ Weiter machte Weiße klar, „dass wir ein Volumen von 13 Millionen Euro für das Pilotprojekt haben – und damit müssen wir auskommen“. Die Gemeinde wies er darauf hin, dass das Vorhaben seit 2014 bekannt sei, nun aber der Termin für eine Stellungnahme dränge.

Michael Schißler

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