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Wie „sozial“ sind die Wiro-Neubauten?

Stadtmitte Wie „sozial“ sind die Wiro-Neubauten?

Mieterbund: Die neuen Wohnungen können sich viele Mieter nicht leisten / Wiro: Preisbremse in Rostock unnötig

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Schwenken mit der Wiro voll auf Wachstumskurs ein: Die Wiro-Chefs Ralf Zimlich (links) und Christian Urban.

Quelle: Andreas Meyer

Stadtmitte. Umstrittene Reisen des Aufsichtsrates nach Rom, Streit um den damaligen Chef Bernd Küppers und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bilanzfälschung: Keine zehn Jahre ist es her, da hielt die so genannte „Wiro-Affäre“ die Hansestadt in Atem. Der Ruf des stadteigenen Wohnungskonzerns war – gelinde gesagt – ramponiert. So sehr, dass es hieß, die Banken würden dem hochverschuldeten Vermieter den Geldhahn zudrehen. 2016 ist das alles Geschichte. Die Wiro wirft Millionen-Gewinne ab, von umstrittenen Wohnungsverkäufen ist keine Rede mehr. Macher des Erfolgs: Ralf Zimlich, der Vorstandschef des Unternehmens. „In Rostock herrscht eine Aufbruchstimmung – und wir sind ein Motor“, sagt er selbstbewusst.

 

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Ein Blick in die gestern vorgestellte Jahresbilanz für 2015 scheint ihm Recht zu geben: Von Finanzsorgen ist bei der Wiro keine Rede mehr, der Vermieter investiert kräftig. „Wir haben 31,9 Millionen Euro ausgegeben, um Wohnungen und Häuser für unsere Mieter zu modernisieren“, sagt der technische Vorstand Christian Urban. Immerhin drei Millionen Euro mehr als noch 2014. Und das sei einer der Gründe, warum die Stadt für 2015 „nur“ 14 Millionen Euro bekommt – und nicht fast 15 Millionen Euro wie noch im Jahr 2014. „Wir müssen uns auch darauf einstellen, dass unsere Mieter immer älter werden. Und wir wollen es den Menschen ermöglichen, so lange wie möglich in ihren Wohnungen bleiben zu können.“ Im vergangenen Jahr rüstete die Wiro deshalb sechs Mehrfamilienhäuser mit Fahrstühlen aus, 2016 sollen sogar neun Lifte installiert werden.

Und die Wiro baut wieder neu – das Dünen- und das Insel-Quartier zum Beispiel, bald auch das neue Werftdreieck. „Wir würden gerne noch mehr bauen“, sagt Urban. Doch ausgerechnet die neuen Vorhaben bringen dem Unternehmen auch Kritik ein – vom Mieterverein Rostock zum Beispiel. Denn Urban selbst räumt ein, dass neu gebaute Wohnungen nicht für weniger als 8,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden könnten. Sonst würde es sich für die Wiro nicht rechnen. Weil dieser Wert aber fast drei Euro über der Wiro-Durchschnittsmiete von 5,75 Euro liegt, ist der Mieterverein alarmiert: Die Wiro fokussiere sich zu sehr auf „hochpreisigen Neubau“, sagt KaiUwe Glause. „Viele Bürger können sich solche Mieten nicht mehr leisten“, so der Rechtsexperte des Mietervereins. Ja, jede neue Wohnung helfe, um die angespannte Lage am Immobilienmarkt der Stadt zu entzerren. „Aber wir kriegen trotz der Neubauten einen Mangel an Wohnraum, den sich auch breite Bevölkerungsschichten leisten können. Die Wiro ist bei diesem Thema nicht gerade Vorreiter, da machen die Genossenschaften mehr. Die Mieten in Rostock laufen den Einkommen davon“, so Glause.

Wiro-Chef Zimlich lässt das nicht gelten: Das Unternehmen garantiere bezahlbare Mieten in Rostock. „Eine Preisbremse brauchen wir nicht in der Hansestadt.“ Und das belegt er mit Zahlen: In den vergangenen fünf Jahren seien die Mieten pro Quadratmeter im Schnitt gerade mal um 17 Cent gestiegen. Und außerdem: Die Nachfrage sei vor allem im sogenannten hochpreisigen Segment gestiegen – weil große Unternehmen wie Liebherr oder auch die Deutsche Marine gut bezahlte Arbeitskräfte nach Rostock gelockt haben. „Der Neubau von Wohnungen hat auch eine soziale Komponente“, sagt auch Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR).

Er freut sich indes aber noch viel mehr über andere Zahlen: 72 Millionen Euro hat die Wiro in den vergangenen fünf Jahren an die Stadtkasse überwiesen.

Politik mit Weitblick

Politik und Rathaus in Rostock haben klug gehandelt. Das lässt sich sicher nicht bei jedem Thema konstatieren, in puncto Wiro aber trifft es das genau. Denn während andere Kommunen im Osten gleich nach der Wende oder spätestens mit der ersten Haushaltskrise ihr „Tafelsilber“ verscherbelt haben, hat Rostock an der Wiro festgehalten. Wohnungsverkäufe im großen Stil scheiterten mal an der Politik, mal am Oberbürgermeister. Und das ist gut so. Denn statt einmal richtig Kasse zu machen, macht die Hansestadt mit der Wiro jetzt Jahr für Jahr Kasse. 14 Millionen Euro allein 2015. Eine stattliche Summe, die Rostock dringend gebrauchen kann, um seinen Schuldenberg abzubauen. Ebenso klug: Die Politik hat sich nie dazu hinreißen lassen, noch mehr aus der Wiro rauszuquetschen. „Ich halte nichts von der Jagd nach neuen Rekorden“, sagt Wiro-Chef Ralf Zimlich. Und recht hat er: Die Wiro arbeitet solide und rentabel. Daran wird die Hansestadt – und daran werden auch die Mieter – noch viele Jahre Freude haben. So geht Politik mit Weitblick.

Andreas Meyer

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