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Wie teuer wird der Tunnel noch?

Seehafen/Schmarl Wie teuer wird der Tunnel noch?

Hafen kritisiert Maut-Erhöhungen / Ex-Tunnelchef hat „rechtliche Bedenken“ / Stadt und Land wollen Preis-Anstieg stoppen / Betreiber: Auch 2016 hat der Tunnel Verlust gemacht

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Der Warnowtunnel verbindet den Nordwesten der Hansestadt mit dem Seehafen. Doch die Nutzerzahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Seehafen/Schmarl. Eine Summe nennen die Betreiber noch nicht, aber: Ende des Jahres sollen Autofahrer für eine Fahrt durch den Rostocker Warnowtunnel erneut tiefer in die Tasche greifen. Die nächste Maut-Erhöhung steht an. Doch gegen die Preispolitik der privaten Eigentümer regt sich Protest. Selbst dem ehemaligen Technik-Chef des Tunnel reicht es: „Wir haben den Punkt erreicht, an dem die Politik sagen muss: ,Jetzt ist Schluss mit Erhöhungen!’“, fordert Peter Bartsch. Auch im Seehafen wachsen die Bedenken: „Jede Verteuerung hat spürbare Folgen“, sagt Jens Scharner, Geschäftsführer Rostock Port.

OZ-Bild

Hafen kritisiert Maut-Erhöhungen / Ex-Tunnelchef hat „rechtliche Bedenken“ / Stadt und Land wollen Preis-Anstieg stoppen / Betreiber: Auch 2016 hat der Tunnel Verlust gemacht

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4 Euro

zahlen Auto-

und Motorradfahrer in der Sommersaison für eine Durchfahrt durch den Warnowtunnel.

Sattelzüge und Busse

müssen sogar

16,50 Euro an

der Mautstation

auf den Tisch legen.

Günstiger wird

es für Inhaber

der Mautbox.

Die Zahlen pro

Durchfahrt mit dem

Pkw „nur“

2,55 Euro.

Hafen-Chef: Maut treibt Verkehr in die Innenstadt

Der Hafen-Chef macht sich dafür stark, dass die Tunnel-Betreiber, die Hansestadt und das Land gemeinsam nach neuen Lösungen für die Warnowquerung suchen: „Unsere Kunden sagen, dass ihnen die Maut zu hoch ist. Jede Erhöhung führt zu wirtschaftlichen Nachteilen für die Betriebe im Hafen – und sie führt dazu, dass mehr Menschen den Tunnel meiden und auf andere Routen ausweichen“, so Scharner.

Die Folge kenne jeder Rostocker: „Der Verkehr auf der L 22 am Strande nimmt eher zu als ab. Wir müssen reden, ob die Preisgestaltung des Tunnels sinnvoll ist – nicht nur für die Betreiber, sondern auch für die gesamte Stadt.“

Ex-Tunnelchef zweifelt an Rechtmäßigkeit

Peter Bartsch, bis vor wenigen Monaten noch Chef des ebenfalls privat betriebenen Herrentunnels in Lübeck und einst Technik-Chef der Warnowquerung, wird sogar noch deutlicher: „Ich kann nicht erkennen, dass die Betreiber überhaupt eine Berechtigung haben, Jahr für Jahr die Maut zu erhöhen.“ Denn im Bundesgesetz für Privat-Fernstraßen sei geregelt, dass eine Maut-Erhöhung durch das zuständige Land nur dann genehmigt werden dürfe, wenn sich „wesentliche wirtschaftliche Voraussetzungen“ geändert hätten. „In Lübeck haben wir alle drei Jahre die Maut angepasst. Ich sehe nicht, wieso sich in Rostock die Voraussetzungen jedes Jahr ändern.“ Bartsch habe den Eindruck, Stadt und Land würden sich um die Maut nicht ausreichend kümmern, die Erhöhungen einfach durchwinken.

„Solche Projekt würden heute gar nicht mehr gebaut. Dieses Modell ist aus meiner Sicht tot.“

Tunnel verteidigt steigende Preise

„Der Tunnel ist privat finanziert. Das heißt, die Stadtkasse wurde geschont und ein Investor baute das Projekt, kümmert sich um die Finanzierung, den Betrieb, die Wartung und Instandhaltung“, sagt Tunnel-Geschäftsführerin Yvonne Osterkamp. „Für rund 150 Millionen Euro an Krediten müssen Zinsen und Tilgung erstmal erwirtschaftet werden.“ Bis heute liegt das Verkehrsaufkommen im Tunnel unter den Erwartungen: 2006 nutzten nach Angaben des Betreibers gerade mal 9864 Fahrzeuge pro Tag die Querung, 2016 waren es immerhin schon 11 538. Aber: „Dennoch ist das jährliche Ergebnis auch in 2016 leider noch ein Verlust“, so Osterkamp. Dass die Maut steigen muss, habe einfache Gründe: „Das sind vor allem die Zinsen und die jährlich steigenden Tilgungsleistungen für den Kredit.“ Aber auch für Wartung und Instandhaltung seien die Kosten gestiegen, zudem habe die Einführung des Mindestlohns zu einem Plus bei den Ausgaben geführt. Der Tunnel sei dennoch für Rostock ein Erfolg: Seit der Eröffnung hätten ihn 51 Millionen Fahrzeuge genutzt. „Man kann sich auch fragen, wo die sonst alternativ gefahren wären.“

Verkehrsministerium wollte Erhöhungen vermeiden

Genehmigt wird die Maut vom Verkehrsministerium in Schwerin. Auch dort bereiten die Erhöhungen den Verantwortlichen offenbar Sorgen: „In den Gesprächen mit Vertretern der Warnowquerung wurde die Regelmäßigkeit der Anträge zur Mauterhöhung thematisiert und angeregt, den Turnus der Mauterhöhungen zu verändern“, so Ministeriumssprecherin Karen Reinschmidt-Schilling. Zudem habe das Ministerium Gespräche zwischen den Tunnel-Betreibern und der Hansestadt Rostock vorgeschlagen. Die Erhöhung abzulehnen, sei aber nicht möglich gewesen: „Der Betreiber hat dargestellt, dass ein Aussetzen der Mauterhöhung aus wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar sei. Die Kosten könnten dann nicht mehr gedeckt werden.“

Rathaus: Kauf des Tunnels ist nicht möglich

Auch das Rostocker Rathaus habe nach eigenem Bekunden versucht, weitere Erhöhungen zu verhindern – damit mehr Menschen den Tunnel nutzen statt durch die Stadt zu fahren: „Wir haben immer versucht, in Gesprächen auf moderate Mautgebühren hinzuwirken“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Seit Jahren gibt es in Rostock Forderungen, die Stadt möge den Betreibern den Tunnel abkaufen – und die Maut dann abschaffen. Solchen Ideen erteilen sowohl das Land als auch das Rathaus eine Abfuhr: „Ein Kauf des Tunnels ist für uns derzeit keine Option“, so Kunze. Denn der Preis dürfte bei rund 100 Millionen Euro liegen. Aus dem Verkehrsministerium heißt es, der Tunnel befinde sich auf dem Gebiet der Hansestadt und daher wäre auch nur Rostock zur Übernahme oder zum Kauf berechtigt. Und außerdem: „Dem Land stünden derzeit auch keine finanziellen Mittel für einen Erwerb zur Verfügung“, so Reinschmidt-Schilling.

Andreas Meyer

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