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Wie weit sackt sie noch ab?

Stadtmitte Wie weit sackt sie noch ab?

Die Holzhalbinsel gilt als Baugrund mit Problemen. Das ist den Planern schon seit 2005 bekannt. Jeder weitere Zentimeter könnte nun Leitungen gefährden.

Stadtmitte. Vor einem Bäcker sackte der Weg soweit ab, dass von einem ebenerdigen Zugang kaum noch gesprochen werden kann. Straßen liegen tiefer und haben Risse. Gut 100 Jahre, älter ist die künstliche aufgeschüttete Holzhalbinsel noch nicht. Vor gut zehn Jahren begann eine neue Erschließung für Wohnungsbau und Gewerbe. Immer sichtbarer zeigen sich inzwischen die Absackungen des Untergrunds. Die dürften alle Beteiligten nicht wirklich überraschen: Als „extrem setzungsempfindlich“ wurde das Gebiet schon im städtischen Bebauungsplan von 2005 charakterisiert.

 

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Die Absackungen von Straßen und Wegen sind auf der Holzhalbinsel deutlich zu erkennen. FOTOS (3): OVE ARSCHOLL

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Eine Holzkonstruktion soll an einem Gebäude den entstandenen Höhenunterschied ausgleichen.

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Was vor wenigen Jahren auf noch einer Ebene war, zeigt inzwischen deutliche Höhenunterschiede.

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„Die Gebäude selbst sind nicht betroffen. Das Absacken der Wege ist unangenehm und ein öffentliches Problem.Stefan Schaufert Architekt und Bauherr

„Kein tragfähiger Untergrund“

Die relativ jungen Aufschüttungen hätten noch nicht zur vollständigen Verdichtung der tiefliegenden Torf- und Muddeschichten geführt, heißt es in den Planungen der Stadt. Für die bauliche Nutzung werden Tiefengründungen erforderlich, wussten die Stadtplaner ganz genau. Für den Bau der Gebäude gab es deshalb schon im Bebauungsplan klare Aussagen: „Die Aufschüttungsschichten und die organogenen Sedimentpakete stellen keinen tragfähigen Untergrund für massive Gebäude dar. Daher sind im Rahmen künftiger Neubauprojekte Pfahlgründungen notwendig und dementsprechend bei den Planungen und Kostenkalkulationen zu berücksichtigen.“

Bauherr fordert Lösung

Die Investoren haben sich auch daran gehalten, allerdings passen Häuser und Wege inzwischen nicht mehr an jeder Stelle zusammen. Der Rostocker Architekt Stefan Schaufert baute zwei Gebäude auf der Holzhalbinsel, eines gehört ihm noch. Das Thema Absackungen kennt er. „Die Gebäude selbst sind nicht betroffen“, versichert Schaufert. Aufgrund des schlechten Baugrunds sei ja im Vorfeld bekannt gewesen, dass die Häuser auf tiefen Pfählen stehen müssen. „Das Absacken der Wege ist aber unangenehm.“ Eine vernünftige Lösung müsse gefunden werden, und es sei nun Aufgabe der Stadt, das Problem zu lösen.

Das Karavelle-Quartier mit Einkaufszentrum und Parkhaus wurde von der niederländischen Delta Development Group gebaut und 2013 dann an Prime Pitch Asset Management, ebenfalls aus den Niederlanden verkauft. Von dort kam auf OZ-Anfrage zum Thema Absackungen keine Antwort. Allerdings zeigen die Gehwege gerade rund um das Einkaufszentrum das Problem besonders auf. Geschäfte sind nicht mehr barrierefrei zu erreichen und an einer Stelle muss der Höhenunterschied bereits mit einer Holzkonstruktion ausgeglichen werden.

Eurawasser prüft Leitungen

Auch unter der Erde bereiten die Absackungen den Verantwortlichen in der Stadt viel Kopfzerbrechen: Eurawasser hat bereits sämtliche Leitungen im Bereich Holzhalbinsel überprüft – denn die Rohre können bei Setzungen brechen. „Wir hatten die Sorge, dass Leitungen schon gebrochen sein könnten. Bei Video-Inspektionen konnten wir aber bislang keine Schäden entdecken“, sagte Eurawasser-Geschäftsführer Robert Ristow der OZ. Entwarnung könne er aber dennoch nicht geben: „Jeder weitere Zentimeter könnte dazu führen, dass Rohre beschädigt werden – vor allem die Hausanschlüsse sind unsere Sorgenkinder.“ Glück im Unglück: Die Absackungen sind nach Angaben des städtischen Wohnungsunternehmens Wiro langsam vonstatten gegangen. „Das ist auch zu sehen. Es hat sich langsam und gleichmäßig gesenkt“, so Unternehmenssprecher Carsten Klehn.

Warnow 1913 verlegt

Die Holzhalbinsel gibt es überhaupt erst seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Flusslauf wurde von 1911 bis 1913 im Zuge einer besseren Schiffbarmachung der Unterwarnow nach Osten verlegt. Die alte hölzerne Klappbrücke, die für den Schiffsverkehr erforderlich war, wurde 1915 entfernt und die etwa 50 Meter breite Warnow an dieser Stelle zugeschüttet. Es entstanden der Petridamm und eine 18 Meter breite Straßenklappbrücke. Auf diese Weise entstand die Halbinsel. Der Name kommt daher, dass die Flächen insbesondere für Holzlagerung und -handel genutzt wurden.

Durch die Bombenabwürfe 1942 brannten die Gebäude auf dem Gelände fast vollständig ab. Danach wurde das Gelände bis 1945 mit Bauschutt aufgefüllt. Nach 1948 wurde dort wieder Holz gehandelt und ab 1955 gab es teilweise andere Nutzungen. Das bekannteste Unternehmen auf dem Areal war die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei (BBB).

Ab 1970 wurde im Nordosten der Halbinsel ein Leistungszentrum für den Kanusport gebaut. Im mittleren Bereich der Halbinsel sind nachweislich seit 1920 Holzhandelsfirmen tätig gewesen. Der ab 1975 auf diesen Flächen tätige VEB Holzhandel Rostock wurde 1991 in die Hanseholz GmbH umgewandelt. Die Holzhalbinsel-RGS-Wiro GbR aus städtischer Wohnungs- und städtischer Sanierungsgesellschaft hat 1996 die Grundstücke von Hanseholz gekauft.

Schuldfrage offen

In der kommenden Woche treffen sich nun Vertreter von Wiro und Stadt erneut zu einem Gespräch über den Problemfall Holzhalbinsel. „Die Planer sitzen derzeit alle zusammen und erarbeiten eine gemeinsame Lösung“, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Ein Hamburger Büro sei mit dem Thema beauftragt worden und soll Vorschläge erarbeiten, wie weitere Absackungen verhindert werden können. Nach OZ-Informationen aus dem Baubereich der Stadt läuft zudem die Ursachenforschung: Sämtliche Pläne für die Erschließungen seien mehrfach geprüft worden. Auf den ersten Blick sei alles ordnungsgemäß

gelaufen, so ein Insider. Dennoch soll untersucht werden, ob – und wenn ja – an welcher Stelle Fehler gemacht wurden. „Dann schauen alle Beteiligten weiter. Auch was das Thema Kosten angeht.“

Thomas Niebuhr und Andreas Meyer

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