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Wildschwein-Plage: Bachen werden zuerst erlegt

Stadtmitte Wildschwein-Plage: Bachen werden zuerst erlegt

Pilotprojekt hat gezeigt, wie Schwarzwild aus Orten gejagt werden können

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Das Pilotprojekt in Rostock hat gezeigt, wie Wildschweine aus städtischen Gebieten vertrieben werden können.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Stadtmitte. Wildschweine werden weiterhin konsequent aus der Nähe von bewohnten Bereichen vertrieben. Das kündigte Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) gestern an. Noch 2012 verursachte Schwarzwild in städtischen Gebieten Schäden im sechsstelligen Bereich, in Markgrafenheide und Hohe Düne beispielsweise, wo die ungebetenen Gäste zur echten Plage geworden waren. Dort hat die Stadt das Problem inzwischen in den Griff bekommen, dank eines Pilotprojekts mit dem Biologen Hinrich Zoller von der Universität Rostock.

 

OZ-Bild

„„Dass wir das Schwarzwildpro- blem im Kern lösen können, hätte ich vor fünf Jahren nicht gedacht. Schweine sind gefräßig, darüber kriegen wir sie immer.“Hinrich Zoller Biologe, Universität Rostock

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Die Ergebnisse müssen jetzt weiter umgesetzt werden, erklärt Jörg Harmuth, Chef im Stadtforstamt. Ansonsten kämen die Wildschweine wieder zurück. „Dass sich das Schwarzwild-Problem im Kern lösen lässt, hätte ich vor fünf Jahren nicht gesagt“, erklärt Hinrich Zoller. Die Rostocker Forschung machte ihn zu einem bundesweit gefragten Wildschwein-Experten.

In Markgrafenheide und Hohe Düne galt es zunächst herauszufinden, wie sich die Tiere bewegen und woher sie kommen. 85 Wildschweine wurden gefangen, 44 mit Sendern versehen. Zur Verblüffung aller stellte sich heraus, dass es die gleichen Tiere waren, die in beiden Ortsteilen Schäden verursachten. Ohne Kenntnisse des Sozialverhaltens hätte ein Bejagung nichts gebracht, so Zoller.

Zur Gefahrenabwehr wurde dann im zweiten Schritt gejagt und zwar anders als in den Revieren üblich, erläutert Hinrich Zoller. Zuerst galt es nämlich, die Bachen in den Rotten auszuschalten und dann die Jungtiere. Zudem mussten die Schweine mit Futter aus den Orten gelockt werden, um überhaupt schießen zu können. „In Markgrafenheide und in Hohe Düne hat es mit dieser Methode schnell Erfolge gegeben“, blickt Hinrich Zoller zurück. Seit 2014 gebe es dort kein Problem mehr mit Wildschweinen.

Das bleibe dort nur so, wenn die Jagd aufrechterhalten wird, und jede Bache, die sich blicken lässt, sofort zur Strecke gebracht wird, hebt der Biologe hervor. Sein Revierförster Christoph Willert hätte Kenntnisse und Fähigkeiten, sofort zu reagieren, versichert Jörg Harmuth. „Die Ergebnisse in Markgrafenheide und Hohe Düne sind beeindruckend. Das wollen wir in anderen Gebieten auch erreichen“, erklärt Holger Matthäus. Voraussetzung sei, dass die Bevölkerung mitmacht, sagt Harmuth. So müsste den Vierbeinern das Finden von Nahrung schwer gemacht werden. Auch Versteckmöglichkeiten im Umfeld von Häusern oder Kleingärten sollten beseitigt werden.

Dort, wo die Stadt alleine das Jagen hat, sei es kein Problem, den Tieren nach den Vorgaben von Hinrich Zollen – Bachen zuerst – nachzustellen, erklärt Jörg Harmuth. In Gebieten beispielsweise rund um Gehlsdorf müssten hingegen verschiedenen Interessen von Jagdpächtern unter einen Hut gebracht werden. Nicht einfach, wie Jörg Harmuth nach Jahren der Arbeit feststellt. Deshalb habe sich die Stadt entschieden, die alte Deponie in Gehlsdorf und die Spülfelder wieder selbst zu bejagen, um den Wild-Bestand zu verringern.

Der Druck, Wildschweine verstärkt zu jagen, werde zunehmen, sollte die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreichen, sagt Hinrich Zoller. Entsprechende Pläne stellte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bereits vor. Den Druck zum Jagen gebe es in den Städten aber auch ohne ASP – allein wegen der großen Schäden, die Wildschweine anrichten, betont Hinrich Zoller.

Viel Nahrung und gute Verstecke: Zahl wächst rasant an

Die Zahl der Wildschweine steigt laut Landwirtschaftsministerium bundesweit an. Ein üppiges Nahrungsangebot, geringe Winterverluste beim Nachwuchs und gute Verstecke durch eine veränderte Waldwirtschaft führten zur Verdoppelung der Reproduktionsrate binnen 30 Jahren. Während der Frühjahrsbestand an einjährigen und älteren Schweinen in MV im Frühjahr 2016 noch bei 20000 bis 25

000 Tieren lag, schätzten Forstleute den Zuwachs an Frischlingen zum Frühjahr 2017 auf 50 000 bis 75000 Tiere.

Thomas Niebuhr

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