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William Wolff wird Ehrenbürger

Stadtmitte William Wolff wird Ehrenbürger

Landesrabbiner freut sich über die Auszeichnung / Joachim Gauck als Laudator angefragt

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Landesrabbiner William Wolff (r.) freute sich gestern darüber, dass er Rostocker Ehrenbürger werden soll. Juri Rosov, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, gehörte zu den Initiatoren dieser Auszeichnung.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Stadtmitte. Am Montag feiert Landesrabbiner William Wolff in Schwerin seinen 90. Geburtstag. Einer der Gratulanten wird Rostocks Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) sein und der kommt mit einem besonderen Geschenk. Er möchte Wolff die höchste Auszeichnung zukommen lassen, die die Hansestadt zu vergeben hat: das Ehrenbürgerrecht. Nitzsches Vorschlag muss von der Bürgerschaft beschlossen werden.

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Landesrabbiner freut sich über die Auszeichnung / Joachim Gauck als Laudator angefragt

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Der Antrag sei mit Oberbürgermeister Roland Methling (UfR) und den Fraktionen abgestimmt. William Wolff erklärte in einem Telefongespräch mit dem Bürgerschaftspräsidenten seine Zustimmung. Gestern stand einer der regelmäßigen Rostock-Besuche für Wolff an, in der Synagoge hielt er am Nachmittag den Gottesdienst. Ein bis zweimal im Monat sei er noch in der Hansestadt. „Das ist eine große Auszeichnung“, sagt der Rabbi bescheiden zur geplanten Ehrung. Der Anlass sei wohl sein 90. Geburtstag, vermutet er. Der fühle sich aber auch nicht anders an als der 60. oder 75. Geburtstag.

Regelmäßig betätige er sich noch sportlich, mache Yoga und pendelt zwischen seiner englischen Heimat nördlich von London und Mecklenburg. William Wolff freut sich, dass sich das jüdische Leben in Rostock so gut entwickelt hat.

Wolff wird nach dem Historiker Yaakov Zur, Schriftsteller Walter Kempowski und zuletzt im Jahr 2012 Bundespräsident Joachim Gauck seit 1990 der vierte Ehrenbürger Rostocks. Der Zeitpunkt für die Verleihung hängt auch am von Nitzsche gewünschten Laudator, dem dann ehemaligen Bundespräsidenten. „Ein Schwergewicht als Lobredner ist angemessen. Ich habe bei Joachim Gauck angefragt, ob er das macht“, berichtet der Stadtpräsident. Eine Antwort aus Berlin steht noch aus.

„Wenn wir William Wolff das Ehrenbürgerrecht der Hansestadt Rostock verleihen wollen, ist dies auch für unsere Stadt eine große Ehre“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling. Die Würdigung sei ein Dank für die als Landesrabbiner in Rostock geleistete Arbeit und die persönliche Verpflichtung, für seine Ideale der Weltoffenheit, Liberalität und Demokratie einzutreten. „Der Einsatz von William Wolff für eine offene demokratische Gesellschaft ist spürbar und authentisch“, schreibt Wolfgang Nitzsche in seinem Antrag. Es gebe viele Gründe, warum der Rabbiner es verdient habe, von der Hansestadt auf diese Weise geehrt zu werden.

„Er hat entscheidenden Anteil daran, dass jüdisches Leben heute nicht nur wieder in Rostock stattfindet, sondern dass es auch in unserer Stadt sichtbar ist“, betont Roland Methling. Die Gedenkveranstaltungen am 9. und 10. November an die Reichspogromnacht in Rostock, die er wesentlich mit geprägt hat, stehen für Nitzsche dafür exemplarisch. „William Wolff ist auch jemand, der sich nie um den interreligiösen Dialog rumgemogelt hat. Versöhnung, ohne jemals das Verbrechen des Holocaust zu vergessen, das war und ist sein Anliegen.“

Dass es in Rostock eine jüdische Gemeinde in der aktuellen Form gibt, sei ein Verdienst des Landesrabbiners, sagt Stadtpräsident Nitzsche. Wolff verstehe es, die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Gemeinde zusammenzuhalten. William Wolff formte als Vertreter des deutschen Judentums die Gemeinde, die heute 586 Mitglieder hat und von wenigen Ausnahmen abgesehen aus russischsprachigen Einwanderern besteht, die wenig Kenntnis vom Judentum hatten. „Diese besondere Herausforderung hat der Landesrabbiner gleichermaßen als Integrationsaufgabe ersten Ranges verstanden.“

Die Initiative für die Ehrung, berichtet Wolfgang Nitzsche, ging von Pastor Tilman Jeremias vom Synagogenförderverein und vom Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Juri Rosov aus. „William Wolff begeistert die Menschen“, sagt Rosov. Der Kinofilm über das Leben des Rabbiners fülle immer noch die Säle. „Die Ehrung ist auch für uns als Gemeinde eine Anerkennung.“ Roland Methling freut sich schon auf den Festakt, wahrscheinlich im Rahmen der 2. Jüdischen Kulturtage im Juni. Außerdem wird der Oberbürgermeister im Rathaus eine Galerie der Ehrenbürger einrichten lassen. Der 100.

Geburtstag, da sind sich William Wolff und Juri Rosov übrigens einig, wird in Rostock und nicht in Schwerin gefeiert.

Vierter Ehrenbürger seit 1990

William Wolff wird als deutscher Jude 1927 in Berlin geboren, flieht 1933 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam und von dort 1939 nach England. Den größten Teil seines Lebens arbeitete er dort als Journalist. Als Spätberufener studierte er 50-jährig Jüdische Theologie, wurde Rabbiner. William Wolff fasste es als sein „Erbe“ auf, die Herausforderung anzunehmen, Landesrabbiner in Mecklenburg-Vorpommern zu werden. Das ist er seit 2002. Zuvor war Wolff bereits Gastrabbiner in den Jüdischen Gemeinden in Rostock und Schwerin.

Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Würdigung, welche die Hansestadt Rostock vergeben kann. Über vorgeschlagene Kandidaten entscheidet die Bürgerschaft. Seit 1816 wurden 21 Personen geehrt, drei nach 1990: der Historiker Yaakov Zur, Schriftsteller Walter Kempowski und Bundespräsident Joachim Gauck. Die Ehrung kann auch wieder abgesprochen werden. So geschehen zum Beispiel bei Adolf Hitler. Genau genommen erlischt das Ehrenbürgerrecht mit dem Tod.

Thomas Niebuhr

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