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800 Fußballfelder für den Hafen

Seehafen/Krummendorf 800 Fußballfelder für den Hafen

Rostock Port legt Entwicklungsplan bis 2030 vor / Seehafen braucht schnell mehr Platz

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Seehafen/Krummendorf. Die kleine Siedlung direkt an der Warnow, An den Oldendorfer Tannen – es wird sie vermutlich nicht mehr allzu lang geben. Die Gartenlauben und Häuser werden wohl spätestens bis 2030 dem Seehafen weichen müssen. Denn der muss schneller wachsen als bisher geplant: In den kommenden knapp 13 Jahren braucht der Hafen laut neuesten Schätzungen fast 700 Hektar mehr Platz – das entspricht der Fläche von rund 800 Fußballerfeldern. Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Hafenentwicklungsplan 2030, den Rostock Port im Auftrag der Stadt erarbeitet hat.

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Rostock Port legt Entwicklungsplan bis 2030 vor / Seehafen braucht schnell mehr Platz

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27 Millionen Tonnen Güter wurden im Jahr 2016 im Rostocker Seehafen umgeschlagen. Er ist damit die Nummer eines unter den deutschen Ostseehäfen.

2,3 Millionen Passagiere fuhren im vergangenen Jahr mit Fähren von oder Rostock.

150 Unternehmen haben haben ihren Sitz im Seehafen. Rund 15000 Jobs hängen direkt oder indirekt am Hafen.

Hafen wächst weiter

Bereits seit Jahren wird in Rostock über eine Erweiterung des Hafens diskutiert. Doch jetzt wird das Thema richtig konkret: „Wir müssen jetzt die Weichen für eine Erweiterung stellen“, sagt Jens Scharner, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Rostock Port. Nach der Wende war das Geschäft an Breitling zusammengebrochen, doch seit Anfang der 2000er Jahre erlebt Rostocks Hafen einen bis dato ungebrochenen Aufschwung, insbesondere steigt die Nachfrage nach Flächen für Ansiedlungen stark an. Seit Jahren legt Rostock in puncto Umschlag zu. Das wird laut den Prognosen von Fachleuten auch so bleiben: „Das Fährgeschäft wird weiter wachsen“, Gernot Tesch, ebenfalls Geschäftsführer von Rostock Port. Bis zu 50 Hektar würden für weitere Umschlagflächen und Liegeplätze für Fähren benötigt. „Und auch im Stückgut-Bereich rechnen wir mit steigenden Umschlagszahlen“, sagt der Hafen-Geschäftsführer. Das beste Beispiel sei das Thema Getreide: Rostock hat sich binnen weniger Jahre zu einem der wichtigsten Getreidehäfen an der Ostsee entwickelt, ist nach Hamburg bereits die Nummer zwei in Deutschland. Nun baut das Unternehmen Euroports zusammen mit dem Getreidehändler Beiselen aus Ulm sogar noch einen weiteren Verlader und Silos für Weizen, Gerste und Co. Doch auch für andere Güter erwartet der Hafen ein Plus in den kommenden Jahren: So könnte künftig das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt nahezu komplett von Rostock aus mit Erz versorgt werden. Allein dafür braucht der Hafen zehn Hektar zusätzlichen Platz.

Neue Liegeplätze geplant

Um dem Wachstum gerecht zu werden, meldet Rostock Port Bedarf für zusätzliche Liegeplätze an – für neue Kaikanten. Die sollen beispielsweise südlich des Warnow-Tunnels, auf Höhe der bisherigen Siedlung an den Oldendorfer Tannen entstehen. Weitere Liegeplätze sind laut Hafenentwicklungsplan 2030 in Richtung Schnatermann vorgesehen: Dort soll sogar ein Teil des Breitlings aufgeschüttet und die Mündung des Peezer Baches verlegt werden. Doch nicht nur der See-, sondern auch der Fracht- und Fischereihafen will erweitern: Der zweitgrößte Hafen Rostock hat allerdings „nur“ sieben Hektar Mehrbedarf an Flächen angemeldet – für zusätzliche Lagerflächen. Zudem soll ein knapper halber Kilometer neuer Kai-Anlagen bis 2030 entstehen.

Einzig beim Thema „Kreuzschifffahrt“ ist Rostock mit dem geplanten Umbau des Werftbeckens in Warnemünde und dem Bau eines weiteren Terminals planerisch bereits gut aufgestellt: „Wenn das kommt, ist das ausreichend. Flächen und Saison-Arbeitskräfte sind limitiert. Und wir müssen auch darauf achten, wie viel MehrfachAnläufe von Kreuzfahrtschiffen wir dem Urlaubsort Warnemünde, den beteiligten Unternehmen und Behörden zumuten können“, sagt Christian Hardt, Kreuzfahrt-Koordinator bei Rostock Port.

Industrie braucht meisten Platz

Den größten Teil der geplanten 660-Hektar-Erweiterung braucht aber nicht der Hafen selbst: „Wir brauchen Land für weitere Logistik- oder Industrieansiedlungen“, sagt Rostock-Port-Chef Scharner. Laut den Analysen der Landesraumordnung benötigt allein die Logistikbranche zeitnah 160 Hektar, die Industrie sogar 430 Hektar. Ein Teil der neuen, maritimen Gewerbegebiete soll zwischen Krummendorf und dem Seehafen entstehen, ein anderer im Osten – sogar auf dem Gebiet der Gemeinden Mönchhagen und Poppendorf sowie in den Umlandkommunen entlang der A19. Nur die Hälfte der Flächen liegt auf dem Gebiet Rostocks. „Diese Areal für Industrie- und Gewerbeansiedlungen zu erschließen – zumindest planerisch – hat für uns höchste Priorität“, sagt Gernot Tesch. Denn schon jetzt wird Land im Hafen knapp: „Neu-Ansiedlungen in der Größenordnung von Liebherr oder EEW-Eisenwerken könnten wir gar nicht mehr ausreichend Flächen bieten.“

Dabei sei die Nachfrage nach Land an der Hafen-Kante ungebrochen: „Alle Unternehmen, die große Komponenten herstellen, wollen ans Wasser“, erklärt Scharner. Erst kürzlich hat Siemens entschieden, eine Windkraft-Fabrik in Cuxhaven zu bauen – am Wasser. 200 Millionen Euro investiert der Weltkonzern, 1000 neue Jobs sollen entstehen. Nach OZ-Informationen hatte Siemens auch Rostock in der Auswahl. Nur Land gab es nicht. „Uns erreichen immer wieder größte und kleinere Anfragen“, sagt Scharner. „Wir müssen jetzt die Voraussetzungen schaffen, auch in fünf, zehn oder 15 Jahren größere Ansiedlungen zu ermöglichen.“

Am Ende entscheidet die Stadt

Der Hafenentwicklungsplan sei aber nicht mehr als eine Vorlage für die Stadt- und Regionalplaner: „Am Ende entscheidet die Politik, wie viele Flächen sie für den Hafen und die Industrie bereitstellt“, sagt Tesch. Rostock Port sei es aber wichtig, den Bedarf klar zu machen: „Unsere große Sorge ist, dass mehr und mehr Flächen in Hafennähe für das Thema Wohnen genutzt werden sollen.

Doch das würde den Betrieb und die Erweiterung des Hafens erschweren.“ Die Industrie- und Handelskammer (IHK) jedenfalls hat Scharner auf seiner Seite: „Für das ganze Land ist es wichtig, dass die Häfen ausgebaut werden“, sagt IHK-Fachmann Björn Swinarski. Die Kammer macht sich unter anderem für die geplante Vertiefung des Seekanals auf 16,5 Meter stark – und für eine bessere Schienen-Anbindung des Seehafen durch Ausbau der Strecke nach Berlin für eine Achslast von bis zu 25 Tonnen.

Anwohner bleiben bei „Nein“

Seit Jahren kämpft die Bürgerinitiative Krummendorf gegen die Hafenerweiterung. „Im wesentlichen nichts Neues“, stellt Manfred Rißmann nach dem Lesen des Hafenplans fest. Er lobt jedoch, dass nicht nur wie bisher „optimistisch hochgejubelte Zahlen“ zu lesen sind, sondern in einer gründlichen Analyse auch Risiken genannt werden. Die sieht Rißmann durchaus. Er verweist auf die Lage Rostocks zwischen einer festen Fehmarnbeltquerung und den polnischen Häfen. Außerdem gebe es eine Konkurrenzsituation bei bestimmten Umschlagsarten. So habe Rostock ja Lübeck auch gerade das Papier abgenommen. Niemand wisse, ob so etwas nicht auch den Umschlag im hiesigen Seehafen trifft. Was die Bürgerinitiative besonders umtreibt ist die mögliche Ausbreitung des Hafens nach Krummendorf und nach Peez. Durch Umstrukturierungen hätte der Hafen noch genügend Flächen für aktuelle Vorhaben, entnimmt Rißmann dem Plan.

Land und Stadt für Ausbau

Das Land, beteiligt an der Hafengesellschaft Rostock Port, unterstützt „die planerische Vorbereitung von Entwicklungsflächen“, teilt Renate Gundlach, Sprecherin des Infrastrukturministeriums, mit.

Das Land habe allerdings keine Grundstücke oder Gebäude von privaten Eigentümern gekauft. Die Umwandlung der Erweiterungsflächen zu Vorranggebieten liegt in den Händen des Regionalen Planungsverbands. Noch steht ein Gutachten für den Bereich Krummendorf aus, erläutert die stellvertretende Leiterin Katja Klein. „Einen Zeitplan gibt es nicht“, so Klein. Vize-Oberbürgermeister Chris Müller- von Wrycz Rekowski (SPD) mahnt zur Eile: „Der Hafen ist die Lebensader der Stadt. Dabei geht es nicht nur um die direkten Kaikanten. Ein moderner Hafen ist immer auch Gewerbegebiet mit Wasser- und Gleisanschluss. Insofern würden wir uns viele Chancen verbauen, wenn wir bei der Hafenentwicklung nicht auch etwas weiter in die Zukunft sehen würden.“

Andreas Meyer und Thomas Niebuhr

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