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Alte Molkerei: Kassebohmer kämpfen um ihren „Grünwall“

Brinckmansdorf Alte Molkerei: Kassebohmer kämpfen um ihren „Grünwall“

Eine Bürgerinitiative will verhindern, dass Bäume neuen Häusern weichen

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Frank Thiessenhusen (v.l.), Matti Borchert und Heiko Pöthke sind Teil der Bürgerinitiative, die den Lärmschutzwall an der ehemaligen Molkerei in Brinckmansdorf erhalten will.

Quelle: Foto: André Wornowski

Brinckmansdorf. Scharfer Protest gegen den neuen Bebauungsplan „Ehemalige Molkerei“: Auf dem Gelände an der Neubrandenburger Straße sollen bis zum Jahr 2020 knapp 500 Wohnungen entstehen – mit Kita, Tagespflege, Elektrotankstelle, Car-Sharing und Wärmeselbstversorgung. Dafür soll auch ein Teil des bestehenden Lärmschutzwalls weichen – was bei Anwohnern in Kassebohm für Unmut sorgt. Sie haben die Bürgerinitiative „Rettet den Grünwall“ gegründet und nach eigenen Angaben bereits mehr als 200 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt. In einem Brief an Stadtverwaltung, Ortsbeirat und Bürgerschaft schreibt die Initiative: „Die gesamte Wohnsituation wird für die derzeitigen Anwohner durch die Planungen nachhaltig verschlechtert. Das ist nicht hinnehmbar.“

Vor allem die Rodung des Baumbestandes lehnt die Initiative ab. Aus ihrer Sicht erfüllt der „Grünwall“ inzwischen mehrere Funktionen: Er sei unter anderem Lebensraum für Rehe, Fledermäuse, Füchse, andere Kleinsäuger, verschiedene Vogelarten, Insekten und Kriechtiere. Die zahlreichen Nistkästen an den Bäumen würden von den Tieren gut genutzt. Direkt angrenzend an den „Grünwall“ werde zudem aktuell mit hohem finanziellen Aufwand ein Winterquartier für Fledermäuse errichtet. „Aber was nutzt der Fledermaus ein Quartier ohne Nahrungs-, Jagd- und Lebensraum“, fragt die Bürgerinitiative in ihrem Brief.

Gleichzeitig habe der Wall wesentlichen Einfluss auf das Wohlfühlklima der Bewohner. „Städtisches Flair gepaart mit ländlichem Charme machen diesen Teil Rostocks zu einem einmaligen Wohngebiet“, schreibt die Initiative. Und angesichts der aktuellen Diskussionen um die Feinstaub- und Lärmbelastung, besonders in Großstädten, sei bei der Erstellung von Bebauungsplänen der Grundsatz zu verfolgen: „Jeder Baum zählt!“

Die Anwohner betonen, dass sie nicht generell gegen die Bebauung sind. „Wir begrüßen die Entstehung neuen Wohnraums“, heißt es in dem Schreiben. Es störe sie jedoch, dass im Bereich des „Grünwalls“

fünf Doppelhäuser entstehen sollen. Das halten sie für unverhältnismäßig. „Ein Eingriff in die Natur für nur rund 30 Bewohner – das erschließt sich für uns nicht.“

Stadtplaner sehen keine Probleme

Das Stadtplanungsamt weist die Proteste zurück: „Insgesamt wird keine Verschlechterung der Wohnverhältnisse für Kassebohm gesehen“, heißt es auf OZ-Anfrage. Gleichzeitig weist das Amt darauf hin, „dass Nachbarn natürlich grundsätzlich keinen Anspruch auf angrenzende Grün- beziehungsweise Waldflächen haben“.

Ursprünglich sei der Wall für die Molkerei als Lärmschutz zu Kassebohm errichtet worden. Dass er dann grün geworden sei, liege in der Natur der Dinge, so das Amt. Im Rahmen der neuen Planungen sei der Wall in seiner ursprünglichen Funktion nun jedoch nicht mehr erforderlich. „An seine Stelle sind Bauflächen mit entsprechenden Grünflächen Richtung Kassebohm festgesetzt.“ Diese „Gartenflächen“

seien unbebaubar und als Flugschneise für Fledermäuse freizuhalten. „Dies wurde in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde in die Planungen eingearbeitet“, teilt das Amt weiter mit.

Der hintere Wall soll künftig zu einem Park umfunktioniert werden – mit einem Geh- und Radweg als Verbindung zwischen den Wohngebieten. Bereits festgesetzte und entwickelte Grünflächen in Kassebohm bleiben erhalten, auch der Spielplatz. Das Amt betont, dass die Auslegung des neuen Bebauungsplanes erst noch erfolge. „Dann kann jedermann sein Statement dazu abgeben.“

Ein Wohnquartier für alle Generationen und Zielgruppen

Auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei sollen bis zum Jahr 2020 knapp 500 Wohnungen entstehen. Alle Generationen und Zielgruppen sollen hier ein neues Zuhause finden: Singles, Studenten, Familien, Menschen mit Behinderung und auch Senioren. Geplant sind 80 bis 90 Sozialwohnungen – mit einem Mietpreis von 5,50 Euro netto kalt pro Quadratmeter. Im frei finanzierten Bereich soll der Quadratmeter je nach Lage 8,75 bis zehn Euro kalt kosten.

Damit das Vorhaben umgesetzt werden kann, muss der Bebauungsplan geändert werden. Über die öffentliche Auslegung des neuen Entwurfs soll die Rostocker Bürgerschaft im Oktober entscheiden. Danach können sich die Bürger einbringen. Im Frühjahr soll dann der Satzungsbeschluss folgen.

André Wornowski

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