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„Bo(o)tel“: Hier wiegen Wellen die Gäste in den Schlaf

Rostock-Marienehe „Bo(o)tel“: Hier wiegen Wellen die Gäste in den Schlaf

Seit Ende der 1990er Jahre liegen die „Severa I“ und die „Severa II“ im Rostocker Fischereihafen / 2012 wurden sie zu einem öffentlichen, schwimmenden Hotel umgenutzt

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Das ist eine bessere Idee als eine Hafenrundfahrt.“Karin Boy (76), Lichtenhagen

Rostock-Marienehe. Im Februar wollen Klaus und Karin Boy aus Rostock groß Geburtstag feiern. „Es wird ein runder“, verrät Klaus Boy. Da wolle man etwas Besonderes planen. „Eine Hafenrundfahrt hatten wir schon, das kennen die Leute“, ergänzt seine Frau. Doch die Nähe zum Wasser müsse man ausnutzen. Anstatt an der Warnow, wollen sie auf der Warnow den 70. Geburtstag ihres Mannes feiern – auf der „Severa II“. Sie ist eines der zwei Wohnschiffe, die im Fischereihafen in Marienehe liegen.

OZ-Bild

Seit Ende der 1990er Jahre liegen die „Severa I“ und die „Severa II“ im Rostocker Fischereihafen / 2012 wurden sie zu einem öffentlichen, schwimmenden Hotel umgenutzt

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Mehr als 100 Jahre alt

„Severa I“ gebaut 1914 in Danzig, 60 Meter lang, acht Meter breit, hieß früher „Benelux“. „Severa II“ gebaut 1902 in Rotterdam, 62 Meter lang, 6,50 Meter breit. Vorgeschichte unbekannt.

Einzelzimmer kosten in der Economy- Kategorie ab 36 Euro, Doppelzimmer ab 54 Euro.

„Etwa zwei Mal im Monat werden wir für größere Veranstaltungen gebucht“, erklärt Robert Wildfang. Er ist der Betreiber der Severa-Wohnschiffe. Nur zur Hauptsaison im Juli und August sei das nicht möglich. „Da müssen unsere Hotelgäste die zwei Messen uneingeschränkt nutzen können.“ Insgesamt bietet das umgangssprachlich genannte „Botel“ 95 Schlafkojen mit unterschiedlichen Ausstattungen. „Seit 2012 sind wir öffentlich buchbar“, erklärt der 41-Jährige.

Die Severa-Schiffe sind zwei Passagierboote, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. „Bis 1990 schipperten sie noch als Flusskreuzdampfer auf dem Rhein, sollten dann aber verschrottet werden“, erzählt Wildfang. Das konnte sein Chef Heiko Müller-Hauschildt nicht zulassen. Der Hamburger Unternehmer hat sie kurzerhand umgenutzt: Als schwimmende Unterkunft für seine Arbeiter. Diese kümmerten sich um Korrosionsschutz und pendelten unter anderem zu verschiedenen Werften. Dort, wo es nur selten eine Schlafmöglichkeit in unmittelbarer Nähe gibt. „Die Wohnschiffe sind dann den Arbeitsaufträgen hinterher gereist“, erklärt Wildfang. Bis sich kurz vor der Jahrtausendwende eine Kooperation mit der Schifffahrtsschule Rostock entwickelte. Regelmäßig konnten nun Schüler des Aus- und Fortbildungszentrums die Wohnschiffe nutzen. „Seit dem haben wir an der Warnow unseren festen Platz.“

Als 2012 Robert Wildfang als Betreiber angestellt wurde, kam der nächste große Schritt. Die Schiffe wurden Privatpersonen zugänglich gemacht. „Gerade am Wochenende waren die Kajüten kaum belegt und die Idee war so ausgefallen, da hat es sich einfach angeboten“, erinnert sich der Rostocker.

Der Anfang sei etwas holprig verlaufen. Doch mittlerweile habe man eine Durchgangsbelegung von knapp 65 Prozent. Das sei wichtig, denn der Unterhalt der mehr als 100 Jahre alten Schiffe sei kostspielig. Rund 30 Prozent der Einnahmen würden in die Instandhaltung der Schiffe fließen.

Eines müssten Gäste jedoch beachten, der Aufenthalt auf den Wohnschiffen sei definitiv ein Abenteuer. „Einmal wollte ein Mann seine Frau mit dem Urlaub auf der ,Severa’ überraschen und ihr hat es überhaupt nicht gefallen“, erzählt der Verwalter. Doch kurz darauf sei er mit seinem Sohn für einen Angelausflug wiedergekommen. „Es sind ältere etwas hellhörige Schiffe und eine einfache Koje, mit Einzel- oder Doppelstockbetten. Gerade Kinder finden es unheimlich spannend.“ Es gebe viele positive Reaktionen von Gästen, wenn sie vorher wissen, was sie buchen. „Wir sind nun einmal keine Aida.“

Dafür sei der Blick auf die Warnow einmalig. „Von den seeseitigen Kabinen kann man gut Gehlsdorf und Langenort sehen“, sagt der Rostocker. Einen bestimmten Gast-Typus gebe es jedoch nicht. „Hier sitzt im Frühstückssaal der Professor aus Heidelberg neben Sanitärbauern aus der Region.“

Eine Ausfahrt wird es mit dem schwimmenden Hotel jedoch nicht geben. „Die Schiffe müssen alle fünf Jahre zertifiziert werden, um überhaupt zu prüfen, dass sie schwimmbar sind“, so Wildfang.

Das „Botel“ sei das ganze Jahr bei jedem Wetter geöffnet. Bei Ostwind könne es kälter werden und schwanken. Oft diene schon die Kaimauer als Windschutz. „Frieren wird man nicht an Bord“, betont Wildfang. „Es ist wirklich das volle maritime Erlebnis.“

Johanna Hegermann

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