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Brot und Popcorn: Wie der Mindestlohn umgangen wird

Rostock Brot und Popcorn: Wie der Mindestlohn umgangen wird

DGB-Vorstand Stefan Körzell besuchte in Rostock die Mindestlohn-Telefonhotline der Bundesregierung. OZ sprach mit ihm.

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DGB-Vorstand Stefan Körzell.

Quelle: Rainer Jensen

Rostock. Seit Januar 2015 gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn – 8,50 Euro brutto/Stunde. Dennoch gibt es Arbeitgeber, die nicht korrekt zahlen, beklagt DGB-Vorstand Stefan Körzell. In Rostock besuchte der Gewerkschafter die Mindestlohn-Telefonhotline der Bundesregierung. OZ sprach mit ihm.

OZ: Herr Körzell, wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Berater Rostocks? Stefan Körzell: Sehr zufrieden. In Rostock wird ein großer Teil der bundesweiten Anfragen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern beantwortet – und zwar sachlich fundiert. Die Mitarbeiter sind gut ausgebildet, und wenn sie doch mal eine Antwort nicht sofort parat haben, gibt’s die Info später per Mail.

OZ: Wie viele Menschen in MV arbeiten für Mindestlohn? Körzell: Etwa 146000, das sind mehr als 26 Prozent der sozialversichert Beschäftigten in MV. Bundesweit sind es vier Millionen.

OZ: Hat sich die Befürchtung bewahrheitet, dass der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet? Körzell: Nein, die Unkenrufe der deutschen Wirtschaft sind nicht wahr geworden. Wir haben seit der Einführung des Mindestlohns rund 700000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr, viele Minijobs wurden zudem in Teilzeitjobs umgewandelt. Davon profitieren zumeist Frauen, die sich damit erstmals eigenständige Rentenansprüche erarbeiten können.

OZ: Immer wieder drücken sich Arbeitgeber um die Zahlung des Mindestlohns. Mit welchen Methoden? Körzell: Da gibt es immer wieder dieselben Tricks: Die Menschen bekommen einen Arbeitsvertrag, auf dem maximal 52,9 Stunden Arbeitszeit pro Monat fixiert sind, müssen aber länger arbeiten (52,9 Stunden sind Obergrenze für Minijobber mit Mindestlohn, um nicht sozialversicherungspflichtig zu werden, d.R.). Bereitschaftszeiten werden nicht bezahlt, die Anfahrt eines Mitarbeiters im Pflegedienst zum ersten Patienten wird nicht als Arbeitszeit gerechnet. Oder: Mitarbeiter werden mit Naturalien entlohnt.

OZ: Mit Naturalien? Wie läuft das? Körzell: Angestellte im Kino bekommen zum Beispiel Popcorn, Verkäufer beim Bäcker werden mit Brötchen vom Vortag bezahlt, Mitarbeiter im Sonnenstudio erhalten Gutscheine für die Sonnenbank.

Thomas Luczak

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