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Buddhisten bauen Oase für Stressgeplagte

Lichtenhagen Buddhisten bauen Oase für Stressgeplagte

Pagode mit Zen-Garten: Vietnamesischer Verein aus Berlin plant fernöstliches Zentrum mitten in Lichtenhagen / Wer Ruhe und Entspannung sucht, soll sie hier beim Yoga und Meditieren finden

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Vogelperspektive: So wünschen sich die Planer Pagode und Zen-Garten.

Lichtenhagen. In einem Stadtteil, der mit Hass und Gewalt Geschichte schrieb, entsteht ein Ort des Friedens: Mitten in Lichtenhagen soll Mecklenburg-Vorpommerns erstes vietnamesisch-buddhistisches Meditationszentrum gebaut werden. Auf dem Karree Wolgaster und Flensburger Straße plant der Verein „Vietnamesische Buddhistische Gemeinde in Berlin“ einen Zweigeschosser im Pagodenstil, umgeben von einem Zen-Garten. Ein Stück Fernost zwischen Plattenbauten.

OZ-Bild

Pagode mit Zen-Garten: Vietnamesischer Verein aus Berlin plant fernöstliches Zentrum mitten in Lichtenhagen / Wer Ruhe und Entspannung sucht, soll sie hier beim Yoga und Meditieren finden

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Drei Generationen

1400 Vietnamesen leben Schätzungen zufolge in Rostock. Viele kamen zu DDR-Zeiten als Vertragsarbeiter hierher, haben Familien gegründet und leben heute mit ihren Kindern und Enkeln in der Stadt.

Nach solch einer Oase für Geist und Seele hat sich Van Vinh Lam gesehnt. Der Dolmetscher ist einer von gut 1400 Vietnamesen, die in Rostock leben. Als einheimischer Vermittler unterstützt er den Berliner Verein. Dass der für das Meditationszentrum ausgerechnet in Lichtenhagen ein Grundstück gekauft hat, sei Zufall und Chance zugleich, sagt Lam. Der Stadtteil hat sich ihm und seinen Landsleuten schmerzhaft ins Gedächtnis gebrannt. 1992 hatte es in Lichtenhagen massive Angriffe auf Asylbewerber gegeben. Etwa 120 Vietnamesen bangten um ihr Leben, als ein tobender Mob Brandsätze auf das Sonnenblumenhaus warf. „Das Trauma ist noch immer da“, sagt Lam. Umso glücklicher sei er, dass „Lichtenhagen jetzt gute Schlagzeilen macht“. Gelingen soll das mit einer Begegnungsstätte, in der jeder willkommen sei. „Religion und Herkunft spielen keine Rolle“, betont Lam.

Auf dem rund 10000 Quadratmeter großen Grundstück tobten einst die Kinder einer Kita. Künftig sollen hier Stressgeplagte Abstand vom Alltag finden. Die Pläne für das Meditationszentrum sind bereits konkret: Eine Pagode wird auf zwei Etagen Platz für eine Gebetshalle, Yoga- und Meditationsräume sowie eine Kantine bieten. Eine überdachte Brücke verbindet dieses Haupt- mit einem Nebenhaus.

In dem werden Zimmer für Gäste und jene eingerichtet, die dauerhaft hier wohnen sollen: Eine Gruppe buddhistischer Nonnen zieht samt Äbtissin ein. Das Zentrum wird nämlich, wie im Buddhismus üblich, ausschließlich von Frauen geleitet. Und weil die sich rein vegetarisch ernähren, wird für sie ein Gemüsegarten angelegt.

Das Zentrum sei aber kein exklusiver Buddhistentempel, sondern ein Ort für alle, die zur Ruhe kommen und sich selbst etwas Gutes tun wollen, betont Van Vinh Lam. Die Chance dazu haben sie werktags zwischen 8 und 18 Uhr. Dann öffnet das Zentrum seine Türen für Gäste. „Der Eintritt wird kostenlos sein.“ Wer seine Verspannungen allein nicht abschütteln kann, für den werden Yoga- und Meditationskurse auf Deutsch und Vietnamesisch angeboten.

Der Hektik entfliehen können Gäste dann auch rings um die Pagode. Bonsais, Bambus, Bänke und dazu ein Lotusteich: Sobald der Besucher das Eingangstor durchschreitet, soll ihm ein fernöstliches Paradies buchstäblich zu Füßen liegen. Dafür nutzen die Projektplaner das, was auf dem Grundstück schon vorhanden ist. „Wir sind sehr mit der Natur verbunden und wollen alles Grün erhalten“, sagt Lam. Mehr noch: Entlang eines bereits gebauten Zaunes werden 250 Bäume neu gepflanzt. „Damit beginnen wir im Oktober“, sagt Lam.

Wann der Grundstein für das Zentrum gelegt wird, ist hingegen unklar. Läuft alles wie geplant, kann im kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden. Aktuell prüft die Stadt Rostock den Bauvorantrag.

Spätestens Ende September will sie entschieden haben, ob sie das Vorhaben absegnet. Die Chancen dafür stehen gut. „Es ist ein sehr interessantes Projekt und wäre eine Bereicherung für Lichtenhagen“, lobt Bausenator Holger Matthäus (Grüne) die Pläne. Auch der Ortsbeirat Lichtenhagen ist dem Projekt zugetan.

Auf dem Papier zeigt sich das Zentrum in all seiner Pracht. Es zu bauen, dürfte allerdings mindestens vier Jahre dauern, schätzt Van Vinh Lam. Der Grund: Buddha-Statuen, Dachziegel, Verzierungen – vieles muss aus Vietnam oder Thailand importiert werden. Außerdem wird der Zentrumsbau ausschließlich über Spenden finanziert, sagt Lam. Dass das geht, hat der Berliner Verein schon einmal bewiesen – mit der Linh Thuu Pagode in Spandau.

Antje Bernstein

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