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Bürgerschaft gibt „grünes Licht“ für neuen Energie-Konzern

Rostock-Stadtmitte Bürgerschaft gibt „grünes Licht“ für neuen Energie-Konzern

Die Wiro darf eine Tochtergesellschaft gründen, die 7000 Haushalte mit Wärme versorgt / Im Rathaus ist indes eine Debatte um die Energie der Zukunft in Rostock entbrannt

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Fernwärmeleitungen neben der S-Bahn-Strecke zwischen Rostock-Hauptbahnhof und Parkstraße – an der Hundertmännerstraße.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock-Stadtmitte. Die Stadtwerke Rostock bekommen Konkurrenz aus dem „eigenen Stall“: Die Bürgerschaft hat gestern Abend grünes Licht für die Gründung eines zweiten Energie-Konzerns in städtischer Hand gegeben. Die Wohnungsgesellschaft Wiro darf zum 1. Januar 2017 eine Tochterfirma gründen und künftig für mehr als 10000 Mieter in der Stadt die Wärme selbst erzeugen. Der Deal bleibt aber umstritten – nicht nur zwischen den Unternehmen, sondern auch im Rathaus. Dort hat eine Grundsatz-Diskussion um Rostocks Energieversorgung begonnen.

Auslöser des Ganzen: Der größte Vermieter Rostocks muss in 6500 Wohnungen die Wärmetechnik erneuern. Die Gasanlagen sind zum Teil 20 Jahre alt. Ein MillionenVorhaben: Wiro-Chef Ralf Zimlich schätzt die Kosten auf rund 19,5 Millionen Euro. Streit gibt es aber um die Frage, wer die Wohnungen künftig mit Wärme versorgt – und wie. Die Wiro hat sich gegen eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken entschieden. Denn zum einen sei Fernwärme nicht für alle betroffenen Gebäude verfügbar und außerdem sei das Angebot des Schwester-Unternehmens für die Mieter im Schnitt bis zu 30 Prozent teurer als andere Heiz-Form. Die neue Energietochter mit dem Namen „WIR – Wärme in Rostocker Wohnanlagen“ soll stattdessen Blockheizkraftwerke, Solar- und Erdwärme-Anlagen bauen.

Stadtwerke-Chef Oliver Brünnich passt das gar nicht: Er warnte vor „Doppelstrukturen“ auf dem Energiemarkt der Stadt – und davor, dass seinem Unternehmen und somit auch der Stadtkasse Gewinne aus dem Verkauf von Gas für die Wohnungen entgehen.

Mit der Entscheidung der Bürgerschaft gibt es zwar seit gestern Abend eine Entscheidung, die Debatten um die Zukunft der Energieversorgung in der Hansestadt haben aber gerade erst begonnen. Der für Energie und Klimaschutz zuständige Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) sieht die neue WiroTochter nach wie vor kritisch. Sie gefährde die Klimaschutz-Ziele, die sich Rostock erst 2014 gesteckt hat.

In denen ist nämlich der Ausbau der Fernwärme ein zentraler Punkt. Bis 2050 will die Hansestadt den CO2-Ausstoß um 95 Prozent senken: „Der beste Weg ist die Ein-Schornstein-Strategie. Wir erzeugen die Wärme zentral, verteilen sie über das vorhandene Netz.“ Das bedeute aber nicht, dass die Stadtwerke als Fernwärme-Anbieter alles richtig machen: „Das Unternehmen bewegt sich schwer. Bisher erzeugen wir Fernwärme mit fossilem Erdgas. Aber das müssen wir ändern: Wir können die Wärme auch mit Energie aus Windparks erzeugen. Klimafreundlich.“ Da erwarte er mehr Engagement von den Stadtwerken.

Finanzsenator Chris Müller (SPD) hingegen befürwortet die Gründung der Wiro-Energietochter: „Das Vorhaben ist auch im Sinne der Mieter sinnvoll – weil es für sie das günstigste ist.“ Und: Die befürchteten Mindereinnahmen für die Stadtkasse fallen auf 15 Jahre gerechnet minimal aus – „wir reden über knapp 400000 Euro“, so Müller. Aber noch aus einem anderen Grund sei die „WIR“

wichtig: „Sie kann der Ausgangspunkt für einen modernen Energiemarkt in der Stadt sein.“ Bedingung: Mittelfristig sollen sich die Stadtwerke als Gesellschafter an der Wiro-Tochter beteiligen. „Wir bringen Vermieter und Erzeuger zusammen, um neue Lösungen für Kunden zu entwickeln – maßgeschneiderte, preiswerte und ressourcenschonende Angebote für die Rostocker.“ Denn – und in dem Punkt ist Müller sich mit seinem Senatskollegen Matthäus einig – daran fehle es in der Stadt.

Wiro-Chef Zimlich war nach der Entscheidung der Politik am Abend erleichtert: „Wir freuen uns, dass die Bürgerschaft unserem Vorschlag zur Gründung der Tochtergesellschaft gefolgt ist. Das ist eine gute Entscheidung im Sinne unserer Mieter.“

Neuer Schwung für die Kunden

Für Rostock und die Rostocker ist die Wiro-Energietochter schon vor der Gründung ein Erfolg: Denn allein die Debatte und der Streit um den neuen „Spieler“ hat Bewegung in den Energiemarkt gebracht.

Jahrelang war die Politik der Stadtwerke unumstritten. Kein Wunder: Die Firma wirft Gewinne ab, die das Rathaus braucht, um den Nahverkehr zu finanzieren. Und deshalb stellte auch niemand öffentlich die Preise der Stadtwerke infrage. Und auch am Verbrennen von Gas für die Fernwärme hat keiner gerüttelt. Das ist plötzlich anders: Der Vize- OB fordert von Wiro und Stadtwerken zeitgemäße Angebote für die Kunden, der Umweltsenator macht den Stadtwerken Druck bei der Umstellung der Energie-Erzeugung von Gas auf erneuerbare Quellen. Für die Rostocker kann das nur gut sein – wenn CO2-Belastung und Preise wirklich sinken.

Andreas Meyer

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