Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Die Luft ist rein!

Stadtmitte/ Warnemünde Die Luft ist rein!

Die Hansestadt hält erstmals alle gesetzlichen Grenzwerte für Schadstoffe und Abgase ein / Feinstaub ist vor allem für Kinder gefährlich / Hauptursache für Luftverschmutzung bleibt der Autoverkehr

Voriger Artikel
Genossenschaften investieren Millionen in neue Wohnungen
Nächster Artikel
Leerstand: Stirbt die Lange Straße aus?

„Die Luft ist einfach sauber in Rostock“, sagt Svetta Cherganska (35) – und atmet auf dem Neuen Markt tief durch.

Quelle: Frank Söllner/philip Schülermann

Stadtmitte/ Warnemünde. In den vergangenen Wochen – als es tagelang heiß und trocken war – schlugen die Messstationen in der Hansestadt noch mal an: „Das Wetter führte dazu, dass die Feinstaub-Belastung wieder spürbar zunahm“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Doch auch diese Ausreißer noch oben können die guten Gesamtzahlen kaum trüben – und die Luft schon gar nicht: Denn die ist in Rostock so sauber wie nie. Immer weniger Abgase, immer weniger Schadstoffe – das freut nicht nur den Grünen-Politiker, sondern auch die Bürger und die Ärzte.

OZ-Bild

Die Hansestadt hält erstmals alle gesetzlichen Grenzwerte für Schadstoffe und Abgase ein / Feinstaub ist vor allem für Kinder gefährlich / Hauptursache für Luftverschmutzung bleibt der Autoverkehr

Zur Bildergalerie

„Dass die Luft immer besser wird, ist aus medizinischer Sicht eine sehr gute Nachricht. Da freut sich jeder Lungenarzt in der Hansestadt“, sagt beispielsweise Prof. Marek Lommatzsch. Er ist Oberarzt in der Pneumologie der Rostocker Unimedizin. Denn die Debatten um Feinstaub aus Autos und giftige Gase, wie Stickstoffdioxid, seien mehr als „Grünen-Panikmache“: „Wir wissen, dass die mikroskopisch kleinen Feinstaubpartikel tief in die Lunge eindringen. Und Studien zeigen, dass sie bei Kindern wie Erwachsenen die Funktion und die Entwicklung des Atmungsorgans beeinträchtigen können.“ Die Stoffe könnten beispielsweise dazu führen, dass Asthma oder auch andere chronische Lungenerkrankungen auftreten. Lommatzsch schränkt jedoch auch ein: „Für Kinder beispielsweise ist das Passivrauchen 100 Mal gefährlich als der Feinstaub aus dem Straßenverkehr. Das sollten wir bei diesen Debatten nicht vergessen.“

Die Hansestadt setzt dennoch alles daran, die Abgas-Belastungen weiter zu reduzieren. Umweltsenator Matthäus hofft vor allem darauf, dass die Autoindustrie ihre Fahrzeuge noch sauberer macht. Und er will den Verkehr besser steuern: „Das Thema ,Grüne Welle‘ ist nicht nur wichtig, um den Menschen Behinderungen und Wartezeiten zu ersparen. Wenn der Verkehr mit Tempo 50 fließt, ist das auch unter Abgas-Gesichtspunkten besser, als wenn die Fahrzeuge ständig im Stau stehen.“ Baulich könne die Stadt jedenfalls wenig machen. Die L 22 etwa – jahrelang das Abgas-Sorgenkind Rostocks – werde auch künftig die meist befahrene Straße des Landes bleiben. Mit bis zu 40 000 Fahrzeugen am Tag. „Selbst wenn wir die Südtangente als Umfahrung bauen, mindert das den Verkehr nicht in den erhofften Größenordnungen. Und außerdem ist fraglich, ob Autofahrer auf andere Strecken ausweichen würden.“

Für noch bessere Luft will Matthäus zudem nach und nach Heizungen mit fossilen Brennstoffen aus der Innenstadt verbannen. „Wir setzen auf Fernwärme. Dann haben wir in Rostock nur einen Schornstein – in Marienehe.“

Schon jetzt sei Rostocks Luft aber gut, bestätigt auch Lungen- Arzt Lommatzsch. „Das macht die Nähe zum Meer.“ Die salzhaltige Luft in der Hansestadt sei günstig für Allergiker, so der Professor.

„Die saubere Luft ist auch ein Grund, warum so viele Menschen hier herziehen oder Urlaub machen. In ganz MV ist die Luft gut.“ Das sieht Harald Stegemann, Direktor des für die Luftqualität zuständigen Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) genauso: „In Anbetracht der Schwierigkeiten, die bundesweit bei der Einhaltung der Stickstoffdioxid- Grenzwerte in Städten zu beobachten sind, ist es umso erfreulicher, dass Mecklenburg-Vorpommern überall die Grenzwerte einhält. Das ist gut für die Gesundheit der Bewohner und Image-Faktor für den Tourismus“, so Stegemann.

Dass die Luft in Rostock sauber ist, findet auch Franz Sichel aus Albersroda in Sachsen-Anhalt. Der 71- Jährige ist mit seiner Frau im Urlaub in Rostock. „Ich merke keinen großen Unterschied zu meiner Heimat“, sagt er. Ein Gewässer in der Nähe zu haben, sei wichtig für die Luft. Und einen See gebe es in ihrer Nähe Zuhause auch. Zu DDR-Zeiten sei das anders gewesen, auch da hätten sie schon mal Rostock besucht. Damals war die Luft in Albersroda schlechter – wegen der damaligen Kohlekraftwerke.

Für Julia Heger ist die Luft stark abhängig von der Jahreszeit und den Stadtteilen. „Im Stadthafen weht ja immer ein Lüftchen“, sagt sie. Gleiches gelte natürlich für Warnemünde. Allerdings sorgten dort Kreuzfahrtschiffe für dicke Luft. „Das hört man ja immer wieder.“ Unangenehm werde es dort, wo die Luft stehe. „Ich gehe ab und zu laufen“, erzählt die 31-Jährige. Man merke beim Atmen, wo man läuft. Deshalb laufe sie am Stadthafen, denn da sei die Luft besser. „Die Stadt könnte mehr Grün vertragen, oder mehr Parks“, denn das sorge für sauberere Luft. Aber klar, im Gegensatz zum Ruhrgebiet zum Beispiel sei die Luft in der Hansestadt gut, so Heger.

Grenzwerte und Kontrolle

200 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft ist der Höchstwert in der Europäischen Union. An keiner Messstelle innerhalb der EU darf dieser Wert mehr als 18 Mal im Jahr überschritten werden.

15 Messstationen zur Luftgüte betreibt das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in MecklenburgVorpommern. Allein in der Hansestadt Rostock stehen fünf Messcontainer.

13 Stoffe – unter anderem Feinstaub, Ozon und auch Nickel – werden von den Sensoren des Lung erfasst und gemessen.

Philip Schülermann und Andras Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Abwechslungsreiche Wege
Sanfte Violetttöne: Im Schwalmbruch bei Brüggen blüht die Heide.

Plattes Land mit Kuhwiesen und Maisfeldern - irgendwie langweilig. Stimmt nicht: Der Naturpark Schwalm-Nette punktet mit neun abwechslungsreichen Premiumwanderwegen. Heide, Moore, Tümpel und die beiden Flüsse Schwalm und Nette prägen die Region am Niederrhein.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
„Familientreff“ der Baseballer: Bucaneros werden Zweiter

Rostocker veranstalten mit Jolly Roger Cup größtes Turnier in MV