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Ein Landwirt bringt das Dorf zusammen

THELKOW Ein Landwirt bringt das Dorf zusammen

Vor 25 Jahren hat sich Gerhard Dierkes angesiedelt / Seine Geschichte ist mit der Gemeinde fest verbunden

Thelkow. Anfang September des Jahres 1991 war es, als Gerhard Dierkes (53) seinen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Thelkow angemeldet hat. „Und genau ein solcher Familienbetrieb wollen wir sein“, sagt Dierkes – das bedeutet nicht nur, „dass unsere Leute in der Ernte ihr Essen bekommen“ und „dass sie sonntags meistens frei haben“. Es bedeutet für die Thelkower auch, dass sich Dorf und Betrieb zusammen entwickelt haben. Dierkes selbst war in diesem Vierteljahrhundert nicht nur Landwirt, er war und ist auch Kommunalpolitiker: 20 Jahre Bürgermeister, derzeit ist er Stellvertreter, und vier Jahre lang war er der Amtsvorsteher des Amtes Tessin.

 

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Landwirt Gerhard Dierkes mit seinem ersten Traktor. Beide sind nun schon seit 25 Jahren in und um Thelkow im Einsatz. Es kamen nur Schlepper hinzu.

Quelle: Michael Schißler

Manche haben mich hier kritisch gesehen, aber die Alten sind gekommen und haben sich gefreut, wieder einen Bauern im Dorf zu haben.“

Gerhard Dierkes,

Landwirt

„Wir fühlen uns hier wohl“, sagt der Landwirt Dierkes, der aus Paderborn stammt und im Alter von 29 Jahren mit seiner Frau nach Thelkow gekommen ist. „Geschenkt wurde mir nichts“, erzählt Dierkes, der aber dankbar erwähnt, von seinen Eltern unterstützt worden zu sein. „Wir kamen hier an mit einem Wohnwagen und einem Pachtvertrag. Ich hatte keine Maschinen“, sagt er, „und habe vieles aus dem Schrott geholt“. Die Tankstelle, die er heute noch hat, besteht aus einem alten Militärtank. „Ich habe überall alte Anhänger zusammengekauft“, sagt er. Privat war es auch etwas härter: In dem Haus, in dem Familie Dierkes jetzt wohnt, hatte sie zunächst nur eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung, „und den Badeofen habe ich auch erst einmal geschweißt“.

Als der junge Landwirt ins Dorf kam, stand er schon etwas unter Kontrolle. „Sie waren hier natürlich gespannt, ob ich die Herbstbestellung schaffe“, so Dierkes. Die Spannung legte sich, nachdem die Thelkower gesehen haben, „wie ich gesät habe und wie alles aufgelaufen ist“. Dennoch gab es auch kritische Stimmen zu dem Mann, der 425 Hektar Land aus der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Kowalz herausgelöst hatte, das verschweigt Dierkes nicht. „Aber die Senioren sind mit dem Fahrrad an den Acker gekommen und haben gesagt, dass sie sich freuen, wieder einen Bauern im Dorf zu haben.“

Dazu noch einen, der nicht gutsherrlich auftritt und gleich gar nicht über andere hinweggeht. „Es gab viel Konkurrenz um die Flächen mit der Produktionsgenossenschaft“, sagt Dierkes. „Aber wir haben immer ein faires und kollegiales Verhältnis miteinander gepflegt.“ Das mag seiner Erfahrung geschuldet sein, Dierkes hat Landwirtschaft gelernt, in Göttingen Agrarökonomie studiert und gleich danach ein 450-Hektar-Gut im Rheinland geleitet.

Als Angestellten hielt es ihn aber nicht lange, er wollte auf seinem Land ackern. Da durfte das Dorf dann miterleben, wie mehr Technik gekauft, Drainagerohre verlegt wurden, letztlich wie der Betrieb wuchs. 1992 hatte Dierkes seine langfristigen Pachtverträge, kaufte seine jetzige Scheune, „weil ich eine Basis brauchte“ und begann 1995 mit der Mutterkuhhaltung.

Da war er schon ein Jahr Bürgermeister. Die Gemeindevertreter drängten ihn, sich in das Amt wählen zu lassen. In der Gemeinde war es nicht anders als auf seinem Hof. „Es war die Zeit des Umbruchs“, sagt Dierkes. „Durch das Dorf ging ein Riss zwischen Beschäftigten und zwischen Arbeitslosen.“ Das konnte dem Mann, der in Thelkow seine neue Heimat gefunden hatte, nicht gefallen. „Wir haben dann das Osterfeuer veranstaltet und ein Sommerfest organisiert, damit die Menschen zusammenkommen.“

Zusammenhalt auf dem Dorf ist ihm wichtig, „deswegen haben wir hier nie auf irgendwelche Parteiarbeit Rücksicht genommen“, sagt der Christdemokrat Dierkes. Es ging um die Sache. Es ging darum, dass sich das Dorf entwickelt. Und dafür ging der Bürgermeister auch schon einmal auf die Knie: „Wir haben viel in Eigenleistung gemacht, und ich habe hier gepflastert.“ Schließlich wusste er, was Vorrang hatte. „Ich habe mir als Bürgermeister einen Plan gemacht“, sagt er. „Die Feuerwehr war wichtig, wir haben den Jugendclub etabliert und Spielplätze gebaut.“ Eins kam dazu: „Die Kita sollte erhalten bleiben.“ Damit lag Dierkes mit seinen Gemeindevertretern goldrichtig: „Heute ist die wieder bestens ausgelastet.“ Es kam die Dorferneuerung, Thelkow wurde Programmdorf, dann die Bodenneuordnung.

„Insgesamt haben wir hier gut und gerne drei Millionen Euro verbaut.“ Zwischenzeitlich haben die Thelkower sich vergrößert und zur Dierkes Bürgermeisterzeiten Kowalz eingemeindet. Auch als Amtsvorsteher hat der Paderborner seine Spuren hinterlassen: Er war maßgeblich an der Zusammenführung des alten Amtes Tessin mit der Stadt Tessin beteiligt.

In der Kommunalpolitik hat er sich jetzt als stellvertretender Bürgermeister in die zweite Reihe zurückgezogen, schließlich hat er einen 1250-Hektar-Hof zu bewirtschaften – und irgendwann will er vielleicht auch die Heimat, an der er ein Vierteljahrhundert mitgebaut hat, nur einmal genießen.

Indes, es kommt noch etwas: „Ich werden noch in die Gebäude des Hofes investieren“, sagt Dierkes und merkt an, dass von seinen vier Kindern ein Sohn eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert.

Heimat muss auch Zukunft haben.

Starkes Team arbeitet auf großer Fläche

Das Team, auf das der Landwirtschaftsbetrieb Dierkes zählen kann, besteht aus fünf Vollzeit- und vier Teilbeschäftigten, die zum Teil schon seit vielen Jahren mit Gerhard Dierkes zusammenarbeiten. Sie bewirtschaften in erster Linie 900 Hektar Ackerland, auf dem Zuckerrüben, Weizen, Raps, Gerste, Hafer und Roggen angebaut werden. 200 Hektar Wald gehören außerdem zu ihrem Aufgabengebiet, dazu kommen dann noch einmal 100 Hektar Grünland, 50 Hektar sind Hoffläche und Gewässer. Dierkes hat zudem 35 Mutterkühe und eine dazugehörige Nachzucht.

Michael Schißler

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