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Ein Schloss voller „Bauexplosionen“

Lühburg Ein Schloss voller „Bauexplosionen“

Die Calsows sind die guten Geister Lühburgs / Sie sanieren immer „an der Grenze“

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Ralf Koch verputzt die Wand im Treppenhaus des Schlosses Lühburg. Dort wurde ein altes Fenster gefunden.

Quelle: Fotos: Michael Schissler

Lühburg. Wenn die Gäste nach den Feiertagen das Schloss Lühburg verlassen haben, dann kommen die Handwerker. So ist es nahezu Tradition bei Dorothee und Wolf-Christian Calsow, den Besitzern des Schlosses, in dem sie zwölf Ferienwohnungen vermieten und verschiedene Veranstaltungen – überwiegend Hochzeiten – organisieren.

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Die Calsows sind die guten Geister Lühburgs / Sie sanieren immer „an der Grenze“

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Das ist aber auch die Zeit, in denen beide eine gewisse Angst beschleicht. Dorothee Calsow fürchtet sich „vor der Staubwolke, die das Haus überzieht“, ihr Mann erwartet jeden Moment „eine Baustellenexplosion“.

Die jüngste hat gerade stattgefunden. „Eigentlich hatten wir für dieses Jahr keine Großprojekte vor“, sagt Calsow. So sollte nur ein Riss in der Außenwand im Treppenhaus beseitigt werden. Als die Handwerker aber den Schaden genauer unter die Lupe nahmen, kam es zur „Explosion“, das Mauerwerk dahinter war schadhaft – und außerdem war hinter dem Putz ein zugemauertes Fenster. „Es weiß kein Mensch, warum das früher gemacht worden ist“, sagt Wolf-Christian Calsow, aber nun werden Wand und Fenster wieder originalgetreu aufgebaut. Dorothee Calsow ist das recht: „Mich hat die Asymmetrie der Fenster in diesem Bereich schon immer gestört.“

Seit 2010 bewirtschaftet das Ehepaar das Schloss Lühburg. Seither gab es immer wieder Überraschungen bei der Unterhaltung und Sanierung des knapp 300 Jahre alten Hauses, das zudem noch unter Denkmalschutz steht. Die Explosionen gehen dann auch ins Geld. „Wir investieren jeden Euro“, sagt Wolf-Christian Calsow, „aber wir müssen auch darauf achten, dass nicht mehr Geld rausgeht, als wir einnehmen.“ Sie machen deswegen „jedes Jahr einzelne Sachen, mit Hand und Fuß und mit viel Einfühlungsvermögen“.

Und dabei gehen sie zwischen drei Grenzen: Eine davon zieht der Denkmalschutz. „Da haben wir hier aber eine faire Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde“, sagt Wolf-Christian Calsow.

„Bislang haben wir immer den Ausgleich gefunden.“ Aber es geht eben nicht, wenn in einem Bad der Terrazzo-Fußboden aufgerissen werden soll. Deswegen: „Wir können unseren Gästen keine Fußbodenheizung bieten und auch keine ebenerdigen Duschen“, sagt Calsow, der gemeinsam mit seiner Frau von noch mehr Originalität träumt. „Aber wir müssen einen Standard haben, eine Ausstattung, die der Zeit entspricht“, sagt der Schlossherr und seine Frau fügt hinzu: „Wir sind ein ländliches Haus und dieses Image wollen wir auch.“ Zudem sei schwer, bei einer Auslastung von derzeit 80 Tagen im Jahr das Geld für solche Investitionen zu erwirtschaften. „Aber unsere Gäste wollen das vielleicht auch gar nicht“, sagt Dorothee Calsow, „unsere Stammgäste haben auch eine Beziehung zum Schloss entwickelt und sagen uns, was sie sich wünschen und wo wir etwas ändern sollen.“ Die Kundschaft freue sich mehr darüber, dass die Wohnungen – sie haben eine Größe zwischen 60 und 150 Quadratmeter – zum Teil antik eingerichtet seien. „Sie tauchen hier in eine andere Zeit ein“, sagt die Schlossherrin, die nicht verraten möchte, welche Summe bislang in die Sanierung des Ferienschlosses geflossen ist.

Aber eins sagt sie: Es ist schwierig geworden, die Handwerker für all die großen und kleinen Arbeiten zu finden, die noch mit Begeisterung und Sachverstand daran gehen. „Wie beim Kellergewölbe“, erzählt Wolf-Christian Calsow. Dessen Reparatur habe ein Maurer mit einer Betonplatte erledigen wollen. „Das wäre gegangen“, so Calsow, „das Kellergewölbe sieht nie einer“, aber sie hatten es nicht gewollt. Weil ein altes Haus auch Einfühlsvermögen verlangt. Das kann auch das Treppenhaus für sich einfordern, in dem nun ein neues, altes Fenster wieder entsteht. „Wir werden eine Paneele mit Ornament malen lassen“, sagt Dorothee Calsow und fügt hinzu: „Den Maler dafür haben wir auch schon.“

Große Liebe zum Haus der Urgroßeltern

Sanierungen erlebt das Schloss Lühburg immer wieder in den Jahren 2011/2012 wurde die Kavaliershäuser saniert, sie bekamen wie in der Zeit des Barock Fledermausgauben. Ebenso wie das Haupthaus bekamen sie eine Eindeckung mit den regionaltypischen Biberschwänzen, zudem wurden die Schornsteine nach klassischem Muster erneuert. Die Eingangshalle wurde frisch gestrichen und dabei nach den alten Vorbildern gestaltet. Durch rote Wände und die hellen Türen gewinnt der Steinfuboden.

Das Schloss wurde 1725 bis 1730 von Ludolph Friedrich von Bassewitz erbaut. Die barocke Dreiflügelanlage ist vermutlich die älteste ihrer Art in Mecklenburg. Nach mehreren Besitzerwechseln kauft 1858 Heinrich Ludwig Graf von Bassewitz das Anwesen. In der DDR wurde es als Schule, Gemeindebüro, Kulturraum und Bibliothek genutzt. Im Jahr 2010 übernahm Dorothee Calsow, geb. Gräfin von Bassewitz, mit ihrer Familie das ehemalige Haus der Urgroßeltern.

Michael Schißler

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