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Einzelhändler trotzen Online-Konkurrenz

Stadtmitte Einzelhändler trotzen Online-Konkurrenz

Rostocks Geschäfte setzen auf Service, Kreativität und besondere Produkte, um Kunden zu binden

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Andreas Voß (40) verkauft seit 2004 im „Bärenland“ Fruchtgummis. Viele Sorten können Kunden gleich im Geschäft probieren.

Stadtmitte. T-Shirts, Hosen, Mäntel, aber auch Hundefutter, Lebensmittel oder Medikamente: Onlinehändler weiten ihre Angebote ständig aus und nehmen Einzelhändlern die Kunden weg. Erst kürzlich meldete die deutsche Tochter des Modehändlers „Promod“ Insolvenz an; 5000 Mitarbeiter bangen hier um ihre Jobs. Die Konkurrenz aus dem Netz sei zu groß, heißt es. Doch Rostocks Einzelhändler stemmen sich gegen den Trend. Mit Service, Kreativität und besonderen Produkten versuchen sie, ihre Kunden zu binden.

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Rostocks Geschäfte setzen auf Service, Kreativität und besondere Produkte, um Kunden zu binden

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Als Positivbeispiel gilt Erwin Gohlke (62). Seit mehr als 20 Jahren führt er das Geschäft City Sport Rostock. Er berichtet von Kunden, die seine professionelle Beratung zur Sportbekleidung ausnutzen wollen. Nach der Beratung schauen einige lieber im Internet nach dem günstigsten Angebot. Doch dagegen wehrt sich das Unternehmen. „Wir erheben eine Beratungsgebühr von 20 Euro“, sagt er. „Beim nächsten Einkauf kann man diese als Gutschein einlösen“. Mittlerweile hat das Geschäft mehr als 2000 registrierte Kunden.

Mit Service will auch das Kaufhaus Galeria Kaufhof punkten. Es fährt schon seit Jahren zweigleisig und setzt auf eine Verzahnung von Filial- und Online-Geschäft. „Jedes Warenhaus verfügt über mindestens eine Abholstation. Hier können die Kunden die Ware in Empfang nehmen, die sie online bestellt haben. Diese Lieferung in die Wunschfiliale ist immer kostenlos“, sagt Sprecher Steffen Kern.

Aktuell erwirtschaftet das Unternehmen rund drei Prozent des Gesamtumsatzes online. „Mittelfristig soll dieser Anteil auf rund zehn Prozent steigen“, so Kern.

Das Bild in den Innenstädten werde sich in Zukunft verändern, ist sich Kay-Uwe Teetz vom Handelsverband Nord sicher. „Laut einer Studie wird im Jahr 2025 der Onlinehandel mit 25 Prozent abgedeckt sein“, sagt er. Die einzelnen Händler seien nun gefordert, den Servicegedanken hochzuhalten. Vor allem die Verkaufsberater seien gefragt, die gezielter Produkte vorstellen oder Alternativen anbieten können. „Wir haben aktuell einen guten Verkaufsservice in der gesamten Innenstadt“, so Teetz. Dies sei ein enormer Pluspunkt gegenüber Onlineshops.

Behaupten können sich offenbar auch Geschäfte, die Nischen bedienen. Andreas Voß (40) betreibt das Geschäft „Bärenland – Ihr Fruchtgummiparadies“ seit 2004. Wer seinen Laden betritt, hat gleich den süßen Geruch von Naschsachen in der Nase. „Was es bei mir zu kaufen gibt, kann das Internet in dieser Form nicht bieten“, sagt er. Seine Fruchtgummis können Kunden meist vorher probieren. Auch privat entscheidet sich Voß eher für den Gang in die Innenstadt, als im Internet zu surfen. „Ich möchte schließlich sehen und anfassen, was ich kaufen möchte“, sagt er.

Auch der Shop „Supremesurf“ sieht sich hier im Vorteil. „Schöne Produkttexte im Internet sind die eine Seite. Viele müssen ihre Sachen danach aber wieder umtauschen, weil etwa Surfbretter oder Neoprenanzüge nicht die richtige Größe haben“, sagt Mitarbeiter Manuel Goldmann (26). Deshalb würden Kunden, die spezielle Ausrüstungen für den Wassersport benötigen, eine ausführliche Beratung im Geschäft dem Kauf im Internet vorziehen. Es gebe aber hin und wieder Kunden, die sich beraten lassen, um dann nach gleichen Produkten im Netz zu suchen.

Wie rasant das Onlinegeschäft wächst, zeigt auch die Entwicklung bei den Paketdiensten. Die Deutsche Post musste aufgrund des enormen Anstieges reagieren und baut in der Südstadt ein neues Zustellzentrum. Ab Oktober soll ein 2500-Quadratmeter-Gebäude entstehen, da die alte Halle in Groß Schwaß an ihre Kapazitätsgrenze stößt. „2016 werden 15 bis 20 Prozent mehr Pakete zugestellt als im Vergleichszeitraum vor fünf Jahren“, berichtet auch Frank Vegien, Sprecher des Deutschen Paket Dienstes (DPD).

Beim Paketdienst Hermes sind es deutschlandweit rund elf Prozent mehr Lieferungen als noch im Vorjahr. „Entsprechend gehen wir davon aus, dass sich dieser Wachstumstrend auch zukünftig fortsetzt – und da bildet Rostock ganz sicher keine Ausnahme“, so Sprecher Martin Frommhold.

Mathias Otto und Francine Brückner

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