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Endlich: Rostocks Werft baut wieder große Schiffe

Warnemünde Endlich: Rostocks Werft baut wieder große Schiffe

Auf der ehemaligen Warnow-Werft soll ein Luxus-Schiffstyp gebaut werden / Genting-Gruppe baut neue Laser-Fertigungshalle und neuen Werftkran in Warnemünde

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Das alles ist wie ein Märchen. Ich wünsche mir, dass Genting noch mehr bei uns investiert.“Roland Methling, Oberbürgermeister

Warnemünde. Rostocks oberster Wirtschaftsförderer Christian Weiß spricht von einem „Sechser im Lotto“, der Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) von einem „Märchen, das nun wahr wird“: Denn auf der ehemaligen Warnow-Werft in Warnemünde werden schon bald wieder richtig große Schiffe gebaut. Die luxuriösesten der Welt. Möglich macht das die Genting-Gruppe. Denn in deren Plänen für die MV Werften – den Verbund der Schiffbau-Betriebe in Warnemünde, Stralsund und in Wismar – wird Rostock eine viel größere Rolle spielen als bisher bekannt. Genting will an der Warnow nicht nur 75 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle und einen neuen Werft-Kran investieren. Nein, in Rostock soll auch eine eigene Schiffsklasse entstehen – die „Exclusive“-Klasse.

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Auf der ehemaligen Warnow-Werft soll ein Luxus-Schiffstyp gebaut werden / Genting-Gruppe baut neue Laser-Fertigungshalle und neuen Werftkran in Warnemünde

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Gentings Pläne in Zahlen

1000 Arbeitsplätze will Genting in Warnemünde schaffen und sichern.

310 Meter lang werden die Schiffe der „Exclusive“-Klasse, die primär in Rostock gebaut werden. Lediglich die Rümpfe kommen aus Stralsund.

75 Millionen Euro investiert der asiatische Investor in die Werft.

Gestern stellten Genting und die MV Werften ihre konkreten Pläne für Rostock vor: „Wir haben die vergangenen Monate genutzt, um unsere Produktionspläne für die nächsten zehn Jahre aufzustellen“, sagte Werften-Geschäftsführer Jarmo Laakso. Rostock sei der Gewinner dieses Prozesses. Denn ursprünglich sollten an der Warnow „nur“ knapp zehn Millionen Euro investiert werden. Jetzt wird es deutlich mehr – weil Rostock deutlich mehr liefern muss: Auf der ehemaligen Warnow-Werft sollen zum Beispiel große Teile für die neuen Kreuzfahrtschiffe der „Star Global“-Klasse entstehen.

Die Schiffe für die Gentingeigene Reederei Star Cruises werden fast 343 Meter lang und haben 2500 Kabinen. „Sie werden von der Passagier-Anzahl die größten Kreuzfahrer der Welt“, so Guido Schulte, Konstruktionschef des Werften-Verbundes. Die Mittel-Segmente aus Warnemünde werden dann zur Endmontage der Schiffe nach Wismar gebracht. In Wismar werden nur Heck und Bug gebaut.

Anders soll es bei den Schiffen der „Exclusive“-Klasse laufen. Deren Rumpf-Sektion wird in Stralsund gefertigt. Der komplette Aufbau, die Endausrüstung und auch die Übergabe erfolgen in Rostock. Die 310 Meter langen Schiffe sind für Gentings Luxus-Segment gedacht, bieten Platz für „nur“ 1000 exklusive Passagiere. „Endlich gibt es wieder richtig große Schiffe, die in Rostock fertig gebaut werden“, schwärmte OB Methling. 2021 soll das erste Schiff der „Exclusive“-Klasse fertig sein. „Aber schon 2019 muss Warnemünde erste Segmente für die Global- Klasse liefern“, so Werften-Chef Laakso.

Für die neuen Aufgaben muss die Werft an der Warnow bis dahin ausgebaut werden: 2018 soll eine neue Laser-Fertigungsstraße für dünne Bleche an der Warnow in Betrieb gehen (in einer neuen, 21000 Quadratmeter großen Werfthalle), zudem wird ein neuer Ausrüstungskran am Wasser gebaut. „Wir werden in Warnemünde Jobs für 1000 Menschen schaffen“, kündigt Laakso an. Auch andere Unternehmen werden vom Aufschwung auf der Werft profitieren: Die MV Werften unterzeichneten gestern mit drei neuen Partnern erste Verträge: Die Firma „Warnow Design“ etwa soll die Werft bei den Planungen und dem Design der Schiffe unterstützen, Pemamek aus Finnland baut die Laser-Fertigungsstraße und das Ingenieur- und Architekturbüro Inros Lackner übernimmt die Planungen für den Werft-Ausbau.

„Ich freue mich sehr, dass wir auch in unserer Heimat endlich wieder an einer Werft arbeiten dürfen“, so Uwe Lemcke, Vorstandschef von Inros Lackner. Sein Unternehmen plane derzeit Schiffbau- Betriebe in Turkmenistan und auch in Indien. „Aber bei uns in Rostock gefällt uns das noch besser.“ Das sei nämlich für seine Planer einfacher – weil sie nicht so weit reisen müssen – und gut für den Wirtschaftsstandort Rostock.

Auch Christian Weiß, Geschäftsführer des städtischen Wirtschaftsförderers „Rostock Business“, ist von den Ankündigungen Gentings begeistert: „Das sind tolle Nachrichten – nicht nur für die Beschäftigten der Werft“, sagt Weiß. Denn Rostock werde mit einem starken Schiffbau-Betrieb auch für Unternehmensansiedlungen attraktiver: „Und da reden wir nicht nur von Unternehmen, die für die Werft zuliefern – sondern von allen Betrieben, die in der maritimen Branche aktiv sind.“

OB Methling spricht von einem „Gefühl des Glücks“ für die Stadt: „Der schwerste Tag meiner Amtszeit war im Jahr 2009 – als wir den Werft-Mitarbeitern in Warnemünde die Pleite verkünden mussten.“ Nun – sieben Jahre später – zahle es sich aus, dass Stadt und Land die Werft nicht aufgegeben haben. Und Rostocks Rathaus-Chef geht sogar noch weiter: Er will noch mehr Genting in der Hansestadt. Erst vor wenigen Monaten hatte die Stadt den Investoren die Flächen rund um das alte Werftbecken abgekauft – gestern bot Methling Genting das Becken zum „Rückkauf“ an: „Genting baut sein Kreuzfahrtgeschäft auch in der Ostsee aus. Warnemünde wäre doch der perfekte Standort für ein Logistik-Zentrum und das neue Europa-Hauptquartier.“

Ein Segen für ganz Rostock

Als die Genting-Gruppe im März die Werften in Wismar, Stralsund und Warnemünde kaufte, war der Jubel in Rostock eher verhalten. Kein Wunder: In den ersten Plänen der Hongkonger Gruppe spielte Warnemünde eher eine untergeordnete Rolle. Wismar wurde zum Hauptsitz des neuen Verbundes bestimmt, Stralsund bekam den Zuschlag für exklusive Luxus-Yachten. Und von den angekündigten Millionen-Investitionen sollte nur ein kleiner Teil an die Warnow fließen. Seit gestern aber ist alles anders: Wismar bleibt zwar offiziell der Hauptsitz der MV Werften, die wichtigste Rolle im Verbund spielt aber Warnemünde. Hier werden große Teile der größten Kreuzfahrer der Welt gebaut – und eine weitere, eigene Schiffsklasse.

Für Rostock dürfte das einen ähnlichen Schub bedeuten, wie es ihnen vor einigen Jahren gab, als das Kommando der Deutschen Marine in die größte Stadt des Landes zog. Denn Gentings direkte Investitionen sind nur das eine: Die Werft wird Fachkräfte aus ganz Europa locken. Und die brauchen Wohnraum, die werden in Rostock leben, Steuern zahlen und Geld ausgeben. Davon wiederum profitiert die ganze Stadt. Ja, wenn Genting seine Pläne wirklich in die Tat umsetzt, dann sind die asiatischen Investoren für Rostock ein echter Glücksfall.

Andreas Meyer

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