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Fetter Ärger: Klumpen kleben Kanäle zu

Lambrechtshagen Fetter Ärger: Klumpen kleben Kanäle zu

Weil viele Haushalte Öl und Bratfett in der Toilette entsorgen, müssen Abwasserprofis harte Geschütze auffahren

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Saubere Arbeit: Maschinist Detlef Behnemann (l.) und Geräteführer Stephan Wenzel reinigen in Lambrechtshagen Abwasserkanäle. „Fett im Rohr, das ist das Schlimmste“, sagen die Profis. Fotos (2): Antje Bernstein

Lambrechtshagen. An manchen Tagen haben Detlef Behnemann und seine Kollegen den Kanal bis obenhin voll. Dann nämlich, wenn schmierige Fettklopse Abwasserleitungen verkleben und die Eurawasser-Profis als Rohrputzer ran müssen. „Fett im Kanal ist wirklich das Ekligste, was es gibt“, sagt Behnemann. Das Zeug stinkt nicht nur zum Himmel, es klebt auch wie Pattex an den Rohrwänden. Im schlimmsten Fall verkleistern die Klumpen die Leitung so sehr, dass kein Wasser mehr durchkommt und sich ein fieser Gestank nach faulen Eiern ausbreitet.

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Weil viele Haushalte Öl und Bratfett in der Toilette entsorgen, müssen Abwasserprofis harte Geschütze auffahren

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Fette und Öle im Abwasser werden zunehmend zum Problem. In vielen Städten setzen sie den Leitungsnetzen zu. In London haben Kanalarbeiter sogar schon busgroße Fettkolosse aus der Kanalisation schieben müssen.

So massiv ist der Ärger im Untergrund von Rostock zwar nicht. Dennoch hat Eurawasser schon aufrüsten müssen, um Fettbomben zu entschärfen und Verstopfungen zu verhindern. Mit leistungsstärkeren Spülfahrzeugen und -düsen zum Beispiel. Die Quittung dafür zahlt der Verbraucher über steigende Abwasserkosten. Er trägt zugleich eine Mitschuld an der Misere. Zum einen, weil der Durchschnitts-Rostocker immer sparsamer wird. Nur noch 92 Liter landen pro Tag und Person im Ausguss. Dabei ist das städtische Abwassernetz für wesentlich größere Mengen gebaut worden. Weil die aber nicht mehr fließen, hat Schmutz leichtes Spiel, sich abzusetzen, erklärt Jörg Abel, Leiter der Abteilung Zentrale Dienste bei Eurawasser. Was Verbraucher beim Trinkwasser einsparen, müssten sie quasi für Rohrreinigung und Reparaturen wieder ausgeben.

Verschärft wird das Fettproblem durch veränderte Lebensgewohnheiten. „Wir verwenden heutzutage zum Beispiel viel mehr Olivenöl oder fetthaltige Gesichtscremes. Und was wir nicht mehr brauchen, entsorgen wir in der Toilette“, schildert Abel. Butterreste, Bratfett und Körperöle haben im Abwasser aber nichts verloren, sondern gehören in den Hausmüll. „Das Klo ist keine Müllkippe.“

Großverbraucher wissen das: Für Imbissbuden, Großküchen und Restaurants sind sogenannte Fettabscheider Pflicht. Sie trennen Fette vom restlichen Abwasser und fangen sie auf.

Jörg Abel will nicht schimpfen, sondern aufklären. „Die meisten Leute sind sich gar nicht bewusst, was sie anrichten.“ Ihr Fett weg kriegen Privathaushalte trotzdem: Mehr als 143 Kilometer Kanalnetz kontrolliert und reinigt Eurawasser pro Jahr in und um Rostock. Besonders nötig sei das in Einfamilienhaus-Siedlungen, sagt Abel. „Da haben wir die meisten Probleme.“ In schwierigen, weil schmierigen Fällen greifen die Fachleute zu drastischen Mitteln: Gegen hartnäckige Krusten hilft nur die Granate. So nennt sich der rotierende Spülkopf, den die Eurawasser-Profis samt Schlauch in stark verschmutzte Abwasserkanäle lassen. Die Düse schießt 300 Liter Spülwasser pro Sekunde gegen die Rohrwände. Dem Druck kann selbst der dickste Fettklops nicht Stand halten. Ob das Rohr wirklich sauber ist, zeigt der Livestream aus dem Untergrund. Einen Kamera fährt und filmt den Kanal ab. Wo sich Fettreste zeigen, wird nachgespült.

Dass die Jungs von Eurawasser als Rohrputzer saubere Arbeit abliefern, haben sie schriftlich. Gerade erst vor ein paar Wochen sind sie für die Kanalreinigung und -inspektion erneut mit einem „Gütezeichen Kanalbau“ ausgezeichnet worden.

Das darf nicht ins Klo

Medikamente aller Art (gehören in den Hausmüll oder können über Apotheken und Schadstoffsammelstellen entsorgt werden)

Hygieneartikel , Feuchte Reinigungs-, Baby-, Brillen-, Erfrischungstücher, Wattestäbchen und Kondome sowie Zigarettenkippen, Katzenstreu und Textilien (gehören in den Verpackungsmüll oder in den Hausmüll) Farben, Lacke, Lösungsmittel und Chemikalien (Hinweise zur korrekten Entsorgung von eingetrockneten Farben und Lacken finden sich jeweils auf deren Verpackungen. Flüssige Farb- und Lackreste und auch Lösungsmittel selbst müssen über Schadstoff-Sammelstellen entsorgt werden) Speisereste , Öl und Fett (gehören in den Bio- oder Hausmüll) Durch Verstopfungen oder lahmgelegte Pumpwerke entstehen laut Bundesumweltministerium jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe. Reparaturen, Wasserreinigung und das Herausfiltern flüssiger Schadstoffe kosten viel Geld, das letztlich der Verbraucher zahlt – über die Abwassergebühren.

Antje Bernstein

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