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Firmennachfolge? Das ist Familiensache

Rostock Firmennachfolge? Das ist Familiensache

Tausende Unternehmer in MV stehen vor der großen Herausforderung: Wann, wie und an wen übergebe ich meine Firma? Eine besondere Variante des Generationswechsels praktiziert der Warnemünder Betrieb Copendia.

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Firmengründerin Antje Heinitz (65) hat ihr Unternehmen „Copendia“ an ihren Schwiegersohn Tobias Häfner übergeben.

Quelle: Virginie Wolfram

Rostock. Tausende Unternehmer in MV stehen vor der großen Herausforderung: Wann, wie und an wen übergebe ich meine Firma? Laut Rostocker Industrie- und Handelskammer (IHK) brauchen bis zum Jahr 2025 etwa 26 000 Unternehmen neue Inhaber oder Geschäftsführer.

Eine Variante des Generationswechsels praktiziert der Warnemünder Betrieb Copendia, der so genannte E-Learning-Programme – also Online-Lerninhalte – entwickelt. Firmengründerin Antje Heinitz (65) hat die Geschäftsführung im März an ihren Schwiegersohn Tobias Häfner (40) weitergegeben – arbeitet aber selbst im Kreativbereich weiter mit.

Familiäre Bindung heißt gegenseitiges Grundvertrauen

Häfner sieht in der Art der Unternehmensnachfolge gleich mehrere Vorteile: „Durch die familiäre Bindung ist ein gegenseitiges Grundvertrauen da. Außerdem gehen wertvolle Erfahrungen nicht verloren, weil meine Schwiegermutter in der Firma bleibt.“ Dieser sanfte Übergang ermögliche es ihm, besser in die Unternehmensstruktur einzusteigen. Antje Heinitz habe zudem keinen abrupten Übergang in die Rente, sondern einen schleichenden Ausstieg – anders als bei einem Firmenverkauf.

Die Rostockerin beschäftigt sich bereits seit den 1990er Jahren mit dem Thema E-Learning. 2006 gründet sie ihr Unternehmen Copendia in Warnemünde, das für Firmen aus ganz Deutschland Online- Lernprogramme entwirft, mit denen die Mitarbeiter am Computer oder Ipad geschult werden. Das zehnköpfige Team besteht aus Drehbuchautoren, Grafikern, Programmierern und Lektoren. Hinzu kommen freiberufliche Autoren, die themenbezogen eingesetzt werden.

E-Learning – mal geht's um Explosionsschutz, mal um Brötchen

Vor allem große Firmen stehen vor der Herausforderung, ihre Teams in Bereichen wie Erste Hilfe, Arbeitsschutz, Lebensmittelhygiene oder Umgang mit Gefahrengut zu unterweisen. „Der Markt wächst wie verrückt derzeit. Vor allem Arbeitsschutz ist ein Riesenthema. Es melden sich viele Unternehmen, die daran Interesse haben“, sagt die Firmengründerin. Vor allem bei großen Unternehmen wie dem Zulieferer Hirschvogel Automotive mit mehreren Tausend Mitarbeitern sei es sinnvoll, statt in einen herumreisenden Trainer in E-Learning zu investieren, sagt Heinitz. Ein Kurs zum Arbeitsschutz könne so jederzeit und überall angeboten werden, inklusive Abschlusstest und Zertifikat.

Das haben viele Unternehmen bereits erkannt und die Warnemünder Entwickler eingespannt, um sich ein individuelles Programm bauen zu lassen. Der erste Großauftrag kam von der Deutschen Bank, für die Copendia 111 Drehbücher entworfen hat – vom Thema Aktienrecht bis zum Vertrieb. Die Produkte sind vielseitig: Während der eine Kunde ein Programm zum Thema Explosionsschutz haben will, braucht der nächste einen Kurs, der Mitarbeitern vermittelt, wie sie die Bistro-Brötchen an 500 Tankstellen bundesweit mit Aufschnitt belegen, so dass es überall gleich aussieht.

Neues Terrain für den Nachfolger

„Unsere Arbeit ist abwechslungsreich. Das macht großen Spaß“, versichert die studierte Ingenieurin Antje Heinitz. Sie ist froh, dass sie die Geschäftsführer-Tätigkeit abgeben konnte: „Für mich ist es perfekt, ich kann kreativ sein und stückweise das fachliche Know-how weitergeben.“

Tobias Häfner wagt sich mit der Übernahme einer E-Learning-Firma auch auf neues Terrain. Der Vater von drei Söhnen hat Betriebswirtschaft studiert und war vorher Geschäftsführer bei der Kreishandwerkerschaft Rostock/Bad Doberan und selbstständiger Unternehmensberater. Für ihn ist die Aufgabe reizvoll und das Modell der „sanften“ Firmennachfolge ideal, wie er sagt. Wichtig sei bei dieser Variante auch, dass es eine klare Aufgabentrennung gebe und sich keiner in den Bereich des anderen einmische. Viele Firmen würde lange suchen und niemanden finden, der das Geschäft übernimmt.

„Unternehmensnachfolge ist ein drängendes Problem“, betont Peter Volkmann, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. In etwa jeder dritten Firma in MV ist der Chef bereits älter als 55 Jahre. Die Kammern haben deshalb mit dem Wirtschaftsministerium und der Bürgschaftsbank das Projekt „Unternehmensnachfolge in MV“ auferlegt.

Thomas Luczak

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