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Gastronom fühlt sich abserviert

Stadtmitte Gastronom fühlt sich abserviert

Roland Böhme betreibt das „La Fontana“ / Er beklagt hohe Mieten – und: „Ketten zerstörten die Seele der Stadt“

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Roland Böhme hat es satt, dass immer mehr Kosten seine Existenz bedrohen.

Quelle: Claudia Tupeit

Stadtmitte. Erdrückende Mieten, steigende Kosten fürs Personal, harte Konkurrenz durch Franchise-Filialen: Dem ersten „kleinen“ Gastronomen in Rostock reicht es. Roland Böhme haut auf den Tisch, ist stinksauer über seine Situation. Er betreibt seit 17 Jahren das italienische Restaurant „La Fontana“ gegenüber dem Eingang zur Marienkirche. Einer der letzten „Mohikaner“ in der Innenstadt sei er, die schon so lange durchhalten.

Mehrwertsteuer

Fahrende Händler , die etwa Kaffee, Wurst oder andere Snacks auf der Straße verkaufen, zahlen sieben Prozent Mehrwertsteuer auf ihre verkauften Produkte. Wer allerdings in einem Restaurant die Tasse Kaffee auf den Tisch des Gastes stellt, muss dafür 19 Prozent Mehrwertsteuer abgeben, also fast das Dreifache.

Viele Hürden habe er gehabt, aber was mittlerweile alles auf ihm laste, sei existenzbedrohend. „Ich zahle jetzt gut 25 Prozent mehr Miete als noch zum Anfang“, sagt der 37-Jährige. Wütend sei er deswegen nicht auf den Vermieter. „Der passt sich ja bloß an die Summe an, die für die Stadt Rostock vorgegeben wird.“ Böhme sieht vielmehr die Stadt in der Pflicht, gegen zu hohe Mieten vorzugehen.

„Warum machen denn immer wieder Geschäfte zu, kleinere geben auf?“, fragt er. Weil die Fixkosten unerträglich hoch seien.

Peter Magdanz vom Rostocker Citykreis kann die Sorge des Gastronomen zwar verstehen. „Aber Handel ist immer Wandel. Klar sind die Kosten gestiegen, aber der Markt reguliert sich nun mal selbst.“ Doch diese „Wer gut ist, bleibt auch bestehen“-Mentalität lässt Böhme nicht länger gelten. Zu sehr machten Kettenbetriebe die kleineren Läden und Gaststätten kaputt. „Wie soll ich als Alleinkämpfer gegen Restaurants bestehen, die überall Filialen haben?“ Sie könnten Umsatzeinbußen in der einen Stadt mit Gewinnen in einer anderen ausgleichen. Das könne er nicht. Ein weiteres Problem sieht er darin, dass Betriebe sich nicht mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, dass Bäcker mittlerweile Mittagstische anbieten. „Und wenn man sich heutzutage zum Kaffee verabredet, wird gefragt, in welcher Bäckerei, nicht in welcher Gaststätte.“ Das sei auch ein gesellschaftliches Problem.

Wie stark gerade auch Bäcker aufgerüstet haben, ist auch Hannelore Dolinga aufgefallen. Die Vorsitzende des Rostocker Regionalverbands des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands sieht darin ebenfalls ein Problem für Restaurantbetreiber. „Preislich liegen sie gar nicht viel unter den Gastronomen, zum Beispiel beim Kaffee, aber gerade sonntags gehen alle nur noch dorthin.“ Sie rate ihren Verbandsmitgliedern mittlerweile sogar, sonntags einfach zuzumachen, „weil die Stadt an dem Tag einfach tot ist“, sagt die 68-Jährige ganz klar.

Und auch das von Roland Böhme kritisierte „Überangebot von zu vielen gastronomischen Betrieben auf zu wenig Einwohner“ könne sie nur bestätigen. „Früher hat es ein Kontingent gegeben, in der die Stadt geregelt hat, wie viel es von jedem Angebot geben sollte“, sagt Dolinga. Doch nun habe jeder alles, ob nun Kaffee oder italienische Angebote, auf der Speisekarte.

Peter Magdanz hält dagegen, man könne keinem Geschäft verbieten, seine Produktpalette aufzustocken. Doch Böhme, der trotz aller Widrigkeiten gerade erst frisch renoviert hat und nun mit Steaks zusätzliches Klientel locken will, ist sich sicher: „Mit Ketten geht die Seele der Stadt verloren. Denn die machen die individuellen Läden aus.“ Dolinga ergänzt: „Was gerade in Rostock passiert, ist für die Gastronomie überhaupt nicht gut.“

Claudia Tupeit

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