Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Geschäft mit der Liebe: In Rostock boomt die Prostitution

Südstadt Geschäft mit der Liebe: In Rostock boomt die Prostitution

Mehr als 100 Prostituierte gibt es nach Angaben von Sozialarbeitern in Rostock / Die meisten Frauen stammen aus Osteuropa / Rund 50 Modellwohnungen in der Stadt

Voriger Artikel
380 Liter Farbe: „Aidaperla“ lächelt in Japan
Nächster Artikel
Seit 25 Jahren: Verband stärkt Unternehmen

Südstadt. In Rostock läuft das Geschäft anders als in Hamburg. Diskreter, im Verborgenen. Eine Amüsiermeile wie die Reeperbahn gibt es an der Warnow nicht.

 

OZ-Bild

Beatrice – so ihr Name in der Szene – gehört zu den rund 100 Frauen und Männern in Rostock, die mit Sex ihr Geld verdienen. FOTOS: OVE ARSCHOLL

Zwangs-

prostitution ist in Rostock kein großes Thema.Isabel Wenzel

Polizeisprecherin

50 Modellwohnungen,

in denen Sex für Geld angeboten wird, gibt es laut der Polizei in der Hansestadt.

100

Sexarbeiter sind nach Schätzungen der

Beratungsstelle

für Menschen in der

Sexualarbeit (SelA)

in Rostock aktiv.

Doch auch in Rostock boomt die Prostitution. Allerdings hinter verschlossenen Türen, ohne auffällige Leuchtreklame außen. Genaue Zahlen, wie viele Frauen und auch Männer Sex gegen Geld anbieten, gibt es nicht. Die Beratungsstelle für Menschen in der Sexualarbeit (SelA) schätzt jedoch, dass es in der Hansestadt mindestens 100 Sexarbeiter gibt. „Und hinzu kommen dann noch die Frauen, die sporadisch und gegen ein ,Taschengeld’ Liebesdienste anbieten“, sagt SelA-Beraterin Sandra Kamitz.

Wer nicht weiß, wo genau er in Rostock nach den Diensten einer Prostituierten suchen muss, wird so schnell auch nicht fündig werden. Kamitz hingegen kennt die Orte, an denen mit der käuflichen Lust Geld verdient wird. Seit Herbst 2014 gibt es die Beratungsstelle. Träger ist der Verein „Frauen helfen Frauen“. Seit der Gründung suchen Kamitz und ihre Kollegen zwei Mal die Woche die Sexarbeiter in Rostock auf. Sie bieten Hilfe im Umgang mit Behörden an – zum Beispiel bei der Gewerbeanmeldung oder bei der Krankenversicherung. Aber in den Gesprächen geht es auch um den Umgang mit Freiern, um die Gesundheit der Prostituierten und ihre Sicherheit. „Wir zwingen uns niemandem auf, aber wir haben für jeden Sexarbeiter ein offenes Ohr“, sagt die Sozialarbeiterin. Die Beratung sei nötig. Unter anderem, weil die Rechtslage für Prostituierte immer komplizierter werde. „Auch das Gesundheitsamt ist in der Szene unterwegs – aber mit einem behördlichen Fokus.“

Umsatzboom durch Touristen

Vor allem in den Sommerwochen „blühe“ das Geschäft mit Sex: „Auch Feriengäste nutzen die Dienste“, sagt Kamitz. Und weiter: „Es gibt in Rostock keinen Straßenstrich, keine offene Prostitution.“

Nach Angaben von SelA gibt es auch nur ein Bordell. Die Polizei hingegen spricht von drei derartigen Etablissements in der Hansestadt. Die meisten Sexarbeiter aber bieten ihre Dienste in sogenannten Modellwohnungen an. Unter Tarnnamen am Türschild, in ganz normalen Wohnhäusern. „Nach unseren Informationen gibt es etwa 50 solcher Wohnungen in der Hansestadt“, so Isabel Wenzel, Sprecherin des Rostocker Polizeipräsidiums. Das deckt sich mit den Erfahrungen von SelA. „Aber natürlich gibt es eine Dunkelziffer. Und wie groß die ist, wissen wir nicht“, ergänzt Kamitz.

Minimum zwei Kunden am Tag

Mit Anzeigen in Wochenblättern, vor allem aber im Internet werben die Sexarbeiter um Kunden. „Wir gehen davon aus, dass jede Prostituierte in Rostock mindestens zehn Freier pro Woche haben muss, um davon leben zu können.“ Kamitz rechnet vor: Viele Prostituierte in Rostock hätten zwar keinen Zuhälter, aber auch die Modellwohnungen kosten Geld. „Viele Wohnungen sind von Leuten aus dem Rocker-Milieu angemietet worden.“ Die Sexarbeiter mieten sich tageweise ein. „Für um die 100 Euro pro Tag.“ Heißt: Bei Preisen für Liebesdienste um die 70 Euro pro halbe Stunde, müssen es allein zwei Kunden pro Tag für die Miete sein. Die Preise seien normal für Ballungszentren.

„Viele Prostituierte wechseln jede Woche die Stadt“, erklärt Kamitz. Bei den Sexarbeiterinnen in den Modellwohnungen handelt es sich überwiegend um Frauen aus Osteuropa, sagt Polizeisprecherin Wenzel. Viele davon seien selbstständig. „Wir haben in Rostock Sexarbeiterinnen in jeder Altersgruppe zwischen 20 und 60“, heißt es bei SelA. „Viele davon bieten ihre Körper an, um ihren Familien daheim ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sie erzählen in der Heimat nicht, was sie machen – nur, dass sie in Deutschland arbeiten. Als Kindermädchen oder in einer Fabrik“, sagt Kamitz. Manche Frauen haben in ihren Heimatländern studiert. Nun verdienen sie Geld, um ihren Kindern das Studium zu ermöglichen. „Die Frauen machen das drei, vier Jahre – und gehen in ihr altes Leben zurück.“

Nicht jede Prostituierte sei ein „armes Opfer“: „Viele sind sehr selbstbewusste, junge Frauen.“ Diese Erfahrung hat jedenfalls Kamitz gemacht. Und: Auch deutsche Frauen bieten ihre Körper an: „Oft im ,High Class‘-Bereich, als Escort-Damen. Oder Hausfrauen, die sich etwas Geld dazuverdienen wollen.“

Polizei hat Szene im Blick

Fälle von Zwangsprostitution in Rostock sind den Fachleuten bei SelA nicht bekannt. „Aber das heißt nicht, dass es sie nicht gibt in der Hansestadt. In diesem Gewerbe ist viel Geld zu verdienen. Da wird es sicher auch Zwang und Druck geben.“ Die Polizei berichtet, dass sie zuletzt 2015 wegen Zwangsprostitution ermitteln musste. „In diesen Fällen kann man von organisierter Kriminalität im Hintergrund ausgehen“, sagt Behördensprecherin Wenzel.

Andreas Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bargeshagen

Admannshagen-Bargeshagen will Investruine Barge verhindern / Förderantrag für Investor gestellt

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Kinder-Uni: Rostocks größtes Haus passt unter den Eiffelturm

Architekt Claus Sesselmann erklärt, was Häuser und Natur gemeinsam haben