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Güstrower verärgert: Auch ihr Bahnhof steht zum Verkauf

GÜSTROW Güstrower verärgert: Auch ihr Bahnhof steht zum Verkauf

Seit einigen Tagen bietet die Deutsche Bahn ihre Immobilie in der Kreisstadt im Internet an / Fraktionen sorgen sich um negative Auswirkungen

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Das denkmalgeschützte Haus am Güstrower Bahnhof steht zum Verkauf.

Quelle: Mathias Otto

Güstrow. Eine Meldung der Deutschen Bahn (DB) sorgt in Güstrow für Verwunderung und Ärger. Das Bahnhofsgebäude, in dem sich auch Kiosk, Restaurant und Servicecenter befinden, steht zum Verkauf. Dies bestätigt Bahnsprecher Burkhard Ahlert auf OZ-Anfrage. „Früher hatten wir selbst viele Bereiche hier untergebracht. Dazu gehörten etwa das Büro des Fahrdienstleiters sowie das des Bahnhofsvorstehers“, sagt er. Nur das Servicezentrum ist noch geblieben. Kurz gesagt, die Bahn sieht in diesem Haus keinen Nutzen mehr.

OZ-Bild

Seit einigen Tagen bietet die Deutsche Bahn ihre Immobilie in der Kreisstadt im Internet an / Fraktionen sorgen sich um negative Auswirkungen

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Der Verkauf kam überra- schend — ein Un- ding, dass sich die Bahn aus der Flä- che zurückzieht.“Arne Schuldt, Bürgermeister

Ob dort auch weiterhin Fahrkarten gekauft werden können, konnte der Bahnsprecher nicht sagen. Güs-

trower hätten keinen Nachteil, da sich im direkten Umfeld Automaten befinden. „Es kann aber sein, dass es durch den Verkehrsvertrag Auflagen geben kann und das Servicecenter somit weiterhin bestehen bleibt“, meint Ahlert.

Im ersten Schritt, so der Sprecher, werde der Stadt ein Angebot unterbreitet, danach der Öffentlichkeit. Über den Kaufpreis wollte er sich allerdings nicht äußern.

Bürgermeister Arne Schuldt (parteilos) wusste bis Dienstag nichts von dem Vorhaben. Er zeigt sich verwundert: „Das Angebot steht offensichtlich schon ein bis zwei Wochen im Internet. An die Stadt ist seitens der Bahn niemand herangetreten.“ Für ihn ist es ein Unding, dass sich die Bahn aus der Fläche zurückziehen will.

Bahn-Sprecher Gisbert Gahlert bestätigt, dass seit dem 18. April die Immobilie angeboten werde. Die Nachricht verbreitete sich aber erst jetzt in der Stadt. Über das Verhalten der Verantwortlichen ist man irritiert. „Sollte die Bahn das Gebäude jetzt planlos ohne Nutzungskonzept vergeben, wäre ich sehr enttäuscht“, so Grüne/FDP-Fraktionschef Sascha Zimmermann. Für ihn hat dieses Haus einen besonderen Stellenwert: für Güstrower, für Pendler, für Touristen. „Mit diesem Aushängeschild sollte die Bahn sensibel umgehen“, fordert er.

„Ich hatte gehofft, dass hier irgendwann mal ein ICE halten wird. Doch daraus wird mit dem Verkauf in absehbarer Zeit nichts“, so CDU-Chef Andreas Ohm. Für ihn ist es ein heftiger Verlust. „Viele kommen mit dem Zug nach Güstrow, um den Wildpark oder den Inselsee zu besuchen. Diesen Serviceverlust wird Güstrow deutlich zu spüren bekommen“, ist er überzeugt.

Ähnliches Erstaunen gibt es auch in den anderen Fraktionen. „Aus städtebaulicher Sicht stehen wir nun vor einer schwierigen Aufgabenstellung“, so der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Uwe Heinze.

Das Bahnhofsgebäude ist auch für Linken-Fraktionsvorsitzenden Jens-Hagen Schwadt „ein großes Fragezeichen.“ „Zeitungsladen und Toilette spielen eine große Rolle für die Nutzer. Das sollte erhalten bleiben. Dass müssen wir jetzt erst im Hauptausschuss diskutieren.“

Arne Schuldt hat viele Fragen und will deshalb vorerst abwarten. „Wenn es einen privaten Investor gibt, kauft er dann gleich den Bahnsteig 1 mit? Was ist mit der Unterführung, die im Gebäude beginnt und zu den anderen Bahnsteigen geht?“ Laut Objektbeschreibung der Bahn muss der Käufer das Wegerecht zu den Bahnsteigen gewähren. Außerdem müssen die Mietverträge der neun Mieter des denkmalgeschützten Hauses übernommen werden.

Der große Bahnhofs-Ausverkauf scheint weiterzugehen. Die Gebäude in Tessin, Sanitz, Broderstorf und zuletzt in Bützow sind verkauft. Und es geht weiter, denn auch in Neubukow soll das Gebäude neben den Gleisen auf die Immobilienliste der Bahn kommen. Im Juni soll das Haus versteigert werden. „Nicht mehr betriebsnotwendige Empfangsgebäude werden auf Entbehrlichkeit geprüft. Dieser Prozess erfolgt kontinuierlich“, berichtet Gisbert Gahlert.

Von Mathias Otto

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