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Kripo fasst EC-Karten-Dieb

Stadtmitte/München Kripo fasst EC-Karten-Dieb

Festnahme in Bayern: 31-Jähriger stahl Bankkarten von Rostockern aus der Post / Täter soll insgesamt 115000 Euro erbeutet haben / Rostocker Ermittler suchen nach Komplizen

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Mit den gestohlenen EC-Karten hatte der Dieb an Geldautomaten die Konto seiner Opfer leergeräumt.

Quelle: Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Stadtmitte/München. Die Rostocker Kripo hat einen der rätselhaftesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre aufgeklärt – mit tatkräftiger Hilfe ihrer Kollegen in München: Die Beamten in der bayerischen Landeshauptstadt haben einen seit Wochen gesuchten EC-Karten- Dieb festgenommen. Der 31 Jahre alte Mann aus Berlin soll sowohl an der Ostsee als auch in Süddeutschland nagelneue Bankkarten samt Geheimnummern aus den Briefkästen „gefischt“ und damit mehr als 115000 Euro Beute gemacht haben.

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Festnahme in Bayern: 31-Jähriger stahl Bankkarten von Rostockern aus der Post / Täter soll insgesamt 115000 Euro erbeutet haben / Rostocker Ermittler suchen nach Komplizen

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Neun Opfer in der Hansestadt

Der Fall sorgte für Aufsehen in der Hansestadt: Eine 31 Jahre alte Frau aus dem Nordwesten hatte sich damals an die Polizei gewandt. Die Rostockerin wartete darauf, dass ihre Bank ihr eine neue EC-Karte samt neuer PIN zuschickt. Doch beide Briefe kamen nie bei ihr an. Die Schreiben waren allerdings nicht verloren gegangen, sie waren gestohlen worden. Ein damals noch unbekannter Täter räumte daraufhin ihr Konto leer. Und es blieb nicht bei diesem einen Fall: „In den folgenden zwei Wochen meldeten sich dann noch acht weitere Opfer“, sagt Dörte Lembke, Sprecherin der Rostocker Polizei.

Insgesamt 15 000 Euro erbeutete der Kriminelle, immer auf dieselbe Art und Weise. Die Kripo veröffentlichte sogar ein Bild des Mannes, das die Überwachungskamera einer Bank beim Geldabheben von ihm gemacht hatte. „Aber das brachte nichts. Es gab nicht einen einzigen Hinweis, niemand hier kannte den Mann“, sagt Lembke. Kein Wunder: Der Täter stammt nicht aus Rostock, hielt sich in der Hansestadt nur für seine Beutezüge auf.

Verbindung nach München

Der Kripo gelang es trotzdem, den Fall aufzuklären – weil sie sich mit ihren Kollegen in München zusammenschloss: Denn in Bayern hatte sich gleich dreimal eine ähnliche Serie von EC-Karten-Diebstählen aus der Post ereignet. Im Januar 2015, im Oktober 2016 und im Januar 2017 wurden von Bank-Kunden aus dem Stadtteil „Am Hart“ gleich reihenweise Konten leer geräumt. Nach Angaben eines Sprechers der Münchener Polizei belief sich der Schaden auf zusammen fast 100 000 Euro. Das Geld hatte der Täter an Automaten in der Landeshauptstadt und im Allgäu abgehoben. An die Karten und die Geheimnummern war er gelangt, indem er die Briefe von der Bank mit einem Draht aus den Briefkästen der Empfänger fischte.

Hausmeister hilft Ermittlern

Den entscheidenden Hinweis auf den Täter lieferte bereits im Oktober 2016 ein Hausmeister: Er hatte beobachtet, dass ein Mann einem Postboten in einen Hausflur gefolgt war und sich dann an den Briefkästen zu schaffen machte. Der Hausmeister rief die Polizei in Milbertshofen, Beamte nahmen damals die Personalien des Verdächtigen auf. Anhand der Video-Aufnahmen aus Rostock und München konnte der 31-Jährige nun eindeutig als Täter für die Serie von EC-Karten-Diebstählen im Norden und im Süden identifiziert werden. Ihn festzunehmen erwies sich aber dennoch als schwierig: Den Beamten war nur die Adresse seiner Eltern im Allgäu bekannt.

Zivilfahnder schlugen zu

Die Münchener Polizei legte sich daraufhin „auf die Lauer“: Weil der Mann aus Berlin meist mittwochs und im Stadtteil „Am Hart“ zugeschlagen hatte, setzte die Kripo verdeckte Ermittler ein.

Und die Zivilfahnder hatten tatsächlich Erfolg, konnten den Verdächtigen bereits Ende Januar festnehmen. In seinem Rucksack fanden die Ermittler, so die Bayerische Polizei in einer Mitteilung, ein „präpariertes Stück Draht“, mit dem der Kriminelle offenbar die Briefe aus den Kästen geangelt hatte. Ein Haftrichter erließ Haftbefehl gegen den EC-Karten-Dieb. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Ermittlungen dauern an

„Dieser Ermittlungserfolg zeigt, wie wichtig es ist, dass die Polizeibehörden bundesweit zusammenarbeiten“, meint Rostocks Polizeisprecherin Dörte Lembke. Die Kripo in der Hansestadt habe von Anfang an eng mit den Ermittlern in Bayern operiert – „und das werden wir auch weiterhin tun“. Denn noch seien viele Fragen rund um den rätselhaften Kriminalfall offen: „Warum der Täter plötzlich auch bei uns in Rostock unterwegs war, muss noch ermittelt werden“, sagt Lembke. Ebenfalls unklar sei, ob der Täter „auf gut Glück“ Briefe aus den Kästen geangelt hatte oder ob er vorher genau wusste, welche Bankkunde an welchem Tag Post von seinem Kreditinstitut bekommen würde. Lembke: „Natürlich werden wir zusammen mit den Münchener Kollegen abklären, ob der Verdächtige noch Komplizen hatte.“ Denkbar sei beispielsweise, dass der Dieb eine „Quelle“ in der Herstellerfirma der EC-Karten oder bei einer Bank gehabt habe. Für diese These spricht, dass es sich bei den Rostocker Opfern größtenteils um Kunden eines einzigen Geldinstitutes handelt. Wie viele Betroffene es in München gibt und bei welchen Banken sie Kunden waren, sagte die Münchener Kripo gestern nicht. Die bayerischen Ermittler machten ebenso keine Angaben darüber, welche Straftat konkret dem 31-jährigen Verdächtigen vorgeworfen wird. Sollte er aber wegen schweren Diebstahls verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre im Gefängnis.

Bank entschädigt Kunden

Die Opfer indes müssen sich um ihr Geld keine Sorgen machen: „Die Banken und ihre Kunden sind gegen solche Fälle versichert. In diesem Fall trifft die Geschädigten ja eindeutig keine Schuld“, sagt Andreas Wachholz, Leiter des Kundenservice-Center der Rostocker VR-Bank. Nur wenn die Kunden vor einem Diebstahl fahrlässig handeln – wenn sie beispielsweise EC-Karte und PIN zusammen in der Geldbörse aufbewahren – kommt eine Entschädigung nicht in Frage.

Andreas Meyer

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