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Leerstand: Stirbt die Lange Straße aus?

Stadtmitte Leerstand: Stirbt die Lange Straße aus?

Einkaufsmeile verliert weiter Geschäfte / Stadtvertreter suchen Lösung für Belebung / Wiro spricht von Wandel

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Die Nordseite der Langen Straße spiegelt sich im Schaufenster eines leerstehenden Laden-Geschäftes auf der Südseite. Fotos (5): Ove Arscholl

Stadtmitte. Lange Gesichter in der Langen Straße: „Harry's Damen- und Herrenmoden“? Geschlossen. Modegeschäft „Harmonie“? Geschlossen. „Bilder und Mehr“? Demnächst geschlossen. „Die Situation ist schlecht“, sagt Karola Engel (52), Inhaberin des „Hochzeitshauses“ in der Langen Straße 15. „An den Dezember mag ich gar nicht denken, da sind wir wie abgeschnitten.“ Sie habe kaum noch Spontankunden. Alles konzentriere sich auf die Kröpeliner Straße.

Noch stimmt der Umsatz im „Hochzeitshaus“. Anders sieht es einige Schritte weiter in der Galerie „Bilder und Mehr“ aus. Von dramatischen Umsatzeinbrüchen berichtet hier Doris Görß. Ein Grund: Vier Geschäfte in der Nähe mussten aufgeben, so dass Kunden nicht einmal mehr in die Nähe der Bildergalerie geleitet werden.

Seit 1998 hat Görß ihr Geschäft in der Langen Straße. Erst im Januar hat sie es an ihre Tochter übergeben. Nun muss sie es schon zum Jahresende schließen. Görß ist enttäuscht, auch weil das erhoffte Entgegenkommen vom Vermieter, dem Wohnungsunternehmen Wiro, ausgeblieben sei. Schriftlich hat sich die Geschäftsfrau an Stadtvertreter der CDU und Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) gewandt.

Tenor: Sie müsse die Miete für eine 1a-Lage zahlen, befinde sich aber in keiner. Von einem kommunalen Unternehmen erwarte sie hier mehr Hilfe.

Die Wiro bestreitet die Darstellung. „Frau Görß zahlt bei Weitem keine Miete für eine 1a-Lage. Die Höhe der Miete ist immer vom konkreten Objekt abhängig“, teilt Sprecher Carsten Klehn mit. Schon oft habe die Wiro Geschäften bei Engpässen mit einer kurzzeitigen Mietminderung geholfen. Bei Frau Görß sei das diesmal nicht der Fall gewesen – weil sie bereits zum 31. Dezember gekündigt habe.

Von teuren Mieten spricht auch Brigitte König (59). Vor allem neue Geschäfte hätten es dadurch schwer. König hat seit 25 Jahren ihr Reisecenter „Delphini“ in der Straße. Zum derzeitigen Leerstand sagt sie: „Das fällt schon langsam auf, das ist ganz schön viel.“ Auch andere Geschäftsleute bedauern die Situation. „Dadurch ist es nicht attraktiv, hier shoppen zu gehen“, sagt Annette Bielke (46), Inhaberin von „Rosenrot“. Hannelore Brüsch, Mitinhaberin von „Dessous und Lingerie“, spricht von einem Nachteil für alle.

Die CDU will nun gegensteuern. Sie lädt alle Gewerbetreibenden, Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich und Citykreis-Manager Peter Magdanz am Donnerstag, 3. November, um 19.30 Uhr, ins Rathaus ein.

Vor allem in Richtung Marienkirche verwaise die Lange Straße, so Rostocks CDU-Chef Daniel Peters. „Die Straße ist durch ihre historischen Gebäude und ihre Bekanntheit sehr attraktiv. Und trotzdem passiert nichts. Die jetzige Lage ist inakzeptabel“, sagt Peters. Beim Treffen im November soll gemeinsam überlegt werden, wie man den Gewerbetreibenden helfen könne.

Die Linke begrüßt den Vorstoß. „Wir werden uns da mit einbringen. Eine Belebung der Langen Straße kann nur im Zusammenspiel mit Stadthafen und Kröpeliner Straße gelingen“, sagt Fraktionschefin Eva-Maria Kröger.

Juliane Ripka, Geschäftsführerin von „Stellify“, warnt indes davor, die Lange Straße immer wieder schlecht darzustellen. „Das ist hier ein tolles Ensemble“, so die 41-Jährige. Die Straße sei perfekt für den regional gehobenen Facheinzelhandel, der gezielt Kunden locke. Ihr Geschäft mit hochwertiger Damen- und Herrenbekleidung laufe zum Beispiel sehr gut. Nur die Parkzeit für Kunden könnte länger als eine halbe Stunde sein und es müsste mehr Überwege für Fußgänger geben. „Vom Bereich Neuer Markt bis zur Breiten Straße gibt es in der Langen Straße keine Querungsmöglichkeit“, so Ripka.

Laut Wiro könne von einem „Geschäftesterben“ auch keine Rede sein. Von 87 Gewerberäumen seien aktuell fünf frei. „So, wie der Einzelhandel, verändert sich auch die Lange Straße“, sagt Wiro-Sprecher Klehn. „Individualität statt Massenware setzt sich insbesondere bei Stammkunden durch.“ Ein Beispiel dafür ist „Dessous und Lingerie“ – das Geschäft hält sich seit 24 Jahren in der Straße. Das Erfolgsgeheimnis? „Wir stellen uns auf unsere Kunden ein. Wir orientieren uns daran, was die Leute von uns wollen“, sagt Hannelore Brüsch. Aus ihrer Sicht müssten die Geschäfte in der Langen Straße mehr an einem Strang ziehen. Das beginne bei einheitlichen Öffnungszeiten.

Fünf freie Ladenflächen

87 Gewerberäume besitzt das kommunale Wohnungsunternehmen Wiro in der Lange Straße sowie An der Oberkante/Lange Straße (straßen- und hofseitig). Davon sind aktuell fünf Objekte frei. Alle sollen neu vermietet werden.

Die Wiro führe Gespräche mit Interessenten. Einige seien bereits sehr konkret, so das Unternehmen. Bei der Vermietung mache es sich die Wiro nicht leicht: Jedes Geschäftskonzept werde genau angehört und müsse andere ergänzen; es brauche einen guten Mix.

André Wornowski

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