Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Letzter Waschgang in der Langen Straße

Stadtmitte Letzter Waschgang in der Langen Straße

Reinigung droht das Aus / Seit 46 Jahren rotieren hier die Trommeln

Voriger Artikel
OZ-TV am Montag: Maut-Erhöhung: Wie teuer wird der Warnowtunnel?
Nächster Artikel
Große Hilfe vom kleinen Gerät: Insect von Fahrradjäger

„Wir sind alle traurig“, sagt Reinigungsmeisterin Renate Laudahn (r.). Sie und Petra Zölck arbeiten seit Jahrzehnten im Betrieb.

Quelle: Foto: Gerald Kleine Wördemann

Stadtmitte. Es dampft und zischt. Büglerin Lilia Pontus zieht schnell ein paar kleine Falten glatt, schon verschwindet das Hemd unter Folie – duftend sauber und fast so schön wie am ersten Tag. Seit fast fünf Jahrzehnten verhilft die Reinigung in der Langen Straße, die seit 1991 Sauberland heißt, den Rostockern zu gepflegter Kleidung. Damit ist bald Schluss:

 

OZ-Bild

„„Einfach schließen, das kann ich meinen Kunden nicht antun. Deshalb suche ich jetzt nach neuen Räumen in der Nähe.“Manfred Schulz (65) Schusterei und Schlüsseldienst

Quelle:
OZ-Bild

„„Es ist wirklich schade, dass dieser Betrieb bald abgewickelt werden soll. Ich komme schon seit vielen Jahren regelmäßig her.“ Manfred Lehmann (67) Stammkunde und Rentner

Quelle:
OZ-Bild

„„Ich arbeite seit einem Jahr in der Reinigung in der Langen Straße. Es gefällt mir hier sehr gut, die Kolleginnen sind sehr nett.“Lilia Pontus, Hemdenbüglerin

Quelle:
OZ-Bild

„„Auch die Bewohner der Innenstadt brauchen eine Wäscherei, das gehört zum Service einer Stadt.“ Regine Lück (63) Politikerin

Quelle:

Der Mietvertrag für die Räume endet, eine Verlängerung lehnt Vermieter Borwin Wegener, der im Obergeschoss das Restaurant „Old Western“ betreibt, ab. Falls nicht noch ein Wunder passiert, drehen sich Waschmaschinen Mitte 2018 das letzte Mal.

„Wir sind alle traurig“, sagt Renate Laudahn (62), Reinigungsmeisterin und Chefin der Wäscherei. Sie fing hier 1974 als Lehrling an. Das Haus bestand damals nur aus einer Etage und beherbergte seit 1971 die Reinigung VEB Fortschritt. Abgesehen von kurzen Unterbrechungen arbeitete Renate Laudahn immer in der Langen Straße. Erst im volkseigenen Betrieb, dann für die niedersächsische Sauberland-Kette. 1999 bekam das Gebäude das zweite Stockwerk mit dem Restaurant, das im Jahr darauf abbrannte und erneut aufgebaut wurde.

Seit 2008 gehört die Wäscherei einem Unternehmen aus Wismar. Geeignete Ausweich-Räume gebe es in der City nicht, meint Laudahn. Die Reinigung sei wie eine kleine Fabrik: Im Keller stehen riesige Tanks, Generatoren und Heizkessel. „Kein Mieter würde ertragen, wenn die Waschmaschinen rotieren“, sagt die Chefin. Sie geht mit der Schließung in Rente. Die drei Mitarbeiterinnen sollen in Lütten Klein in eine andere Wäscherei des gleichen Inhabers wechseln. „Das macht mir Bauchschmerzen“, sagt Mitarbeiterin Petra Zölck.

Langjährige Stammkunden sind entrüstet. „Eine Wäscherei gehört zum Service einer Stadt“, sagt die ehemalige Landtagsvize-Präsidentin Regine Lück (63), die um die Ecke wohnt. Die Linken-Politikerin findet, Bürgerschaft und Oberbürgermeister sollten sich für den Erhalt der Reinigung einsetzen. Wäschereien seien in der Innenstadt rar. Nach Lütten Klein zum Nachfolgebetrieb werde sie ihre Wäsche nicht bringen. Manfred Lehmann (67), auch er Stammkunde seit Jahrzehnten, ist ebenfalls sauer. „Es ist wirklich schade, dass so etwas abgewickelt wird“, sagt er. Man sollte als Kunde darauf reagieren und nicht mehr das Restaurant besuchen, dessen Besitzer die Wäscherei nicht mehr haben möchte.

Borwin Wegener wirbt um Verständnis. Er habe nicht gekündigt, der Vertrag laufe nach zehn Jahren aus. Er habe die Mieter bereits vergangenes Jahr informiert, dass es keine Verlängerung gebe. „Das hätte ich nicht machen müssen“, sagt der Gastronom. So hätten die Mieter viel Zeit, etwas neues zu finden. An der Entscheidung an sich wolle er nicht rütteln: Wegen Auflagen des Gesundheitsamtes brauche er mehr Platz für das Restaurant. Ohne Expansion ins Erdgeschoss müsste er den Gästebereich verkleinern, was nicht gehe.

Auch Manfred Schulz sucht nun eine neue Bleibe: Seine Schusterei und sein Schlüsseldienst bieten in einer Ecke des Erdgeschosses ihre Dienste an. Gegenüber betreiben zwei Frauen eine kleine Änderungsschneiderei. Schuster Schulz und die Näherinnen suchen nun zusammen nach einem neuen Laden. Dabei könnte Schulz mit seinen 65 Jahren langsam an die Rente denken. „Das kann ich meinen Kunden nicht antun“, sagt der Schuster, der unter anderem für das Volkstheater arbeitet. Er arbeitet seit 1991 in dem Haus, ebenso wie Schneiderin Beate Töllner: „Neue Räume zu finden, wird nicht so einfach“, sagt die 59-Jährige.

Gerald Kleine Wördemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Heiligendamm
Es gibt auch schon Werbematerial in Dänisch, freut sich Thomas Peruzzo – über die Tysk Riviera.

Marketing-Kooperation für internationalen Tourismus wählte neue Spitze

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

DCX-Bild
Feierliche Immatrikulation an der Universität Rostock

Rund 3100 Studenten wurden am Freitag in Rostock neu immatrikuliert. Die Universität begrüßte die Neulinge in diesem Wintersemester mit einer Feier, bei der Bildungsministerin Birgit Hesse einen Festvortrag zur Bedeutung von Bildung hielt.