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Mieter in Sorge: Wiro verkauft Hunderte Wohnungen

Südstadt Mieter in Sorge: Wiro verkauft Hunderte Wohnungen

Allein in diesem Jahr will das kommunale Unternehmen bis zu 150 Wohnungen abgeben / Betroffene sind verunsichert / Sie befürchten, ausziehen zu müssen

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Adelhaid und Edgar Zimmermann wohnen seit 1962 in einer Wohnung der Wiro in der Südstadt.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann, Cornelius Kettler, Ove Arscholl

Südstadt. Edgar und Adelhaid Zimmermann wohnen schon Jahrzehnte in ihrer Wohnung zur Miete. Knapp 50 Quadratmeter in der Südstadt, Balkon, fünfter Stock. Jetzt will das kommunale Wohnungsunternehmen Wiro ihr Zuhause jedoch verkaufen. Das Ehepaar Zimmermann ist verunsichert: Was, wenn sich die neuen Eigentümer nicht kümmern? Oder die beiden Rentner im allerschlimmsten Fall sogar ausziehen müssen? „Wir hoffen, dass es keine Probleme gibt“, sagt Edgar Zimmermann.

 

OZ-Bild

Nach menschlichem Ermessen müssen sich die Mieter keine Sorgen machen.“Christian Rudolph, Mieterverein Rostock

Die Situation der Rentner ist kein Einzelfall. Fast 150 Wohnungen will die Wiro in diesem Jahr abgeben. „Vielleicht träumen Sie selbst schon lange davon, Ihre Mietwohnung zu kaufen“, steht in einem Brief an die Mieter. Edgar Zimmermann hat alles abgeheftet: Jedes Schreiben, jede Rechnung und sämtliche Verträge. Der 81-Jährige ist mit seiner Frau Adelhaid (82) im Juni 1962 dort eingezogen, hat die Wohnung eingerichtet, im Garten Bäume gepflanzt, die heute den Balkon überragen. Sie wohnen gern in der Brahestraße. Aber kaufen? Dafür seien sie zu alt – Vorkaufsrecht hin oder her.

Dass sie nicht ausziehen müssten, sei ihnen eingeräumt worden. Aber was, wenn der neue Eigentümer Eigenbedarf anmeldet, oder die Wohnung weiterverkauft? „Wir wollen einfach nur die Zeit gemeinsam genießen“, sagt Edgar Zimmermann. Er befürchtet vor allem, dass der neue Eigentümer nur Kasse machen will.

Gegen den Verkauf hat der Rentner Widerspruch eingelegt und hofft, dass die Wiro vielleicht eine Ausnahme macht – angesichts des Alters und der Situation des Paares. 149 Wohnungen habe die Wiro im vergangenen Jahr verkauft. „In diesem Jahr erwarten wir Verkäufe in ähnlichem Umfang“, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Der Grund dafür liegt in den frühen Neunzigern: Damals hat die Wiro (genauer das damalige Tochterunternehmen Rogewo) 4000 Wohnungen in der Stadt zu Eigentumswohnungen gemacht. „Die meisten dieser Wohnungen haben längst neue Eigentümer“, sagt Klehn. Wohnungen, die noch nicht verkauft wurden, sollen es werden – so auch die der Zimmermanns. Insgesamt hat die Wiro rund 36000 Wohnungen im Bestand. Kann die Wiro Ausnahmen machen? „Nein, das ist nicht möglich“, sagt Klehn knapp.

Am Dienstag kommt die Wiro zur Besichtigung zu den Zimmernanns. Ob es schon Interessenten für die Wohnung gibt, möchte die Wiro nicht sagen. Es gebe derzeit aber viele Anleger, die nach vermieteten Wohnungen Ausschau hielten, so Klehn.

Edgar und Adelhaid Zimmermann haben sich in fast 55 Jahren ein unwiederbringliches Heim geschaffen. In ihrer Mietwohnung wollen sie in Ruhe ihren Lebensabend verbringen, sagen sie. Nie habe es Probleme zwischen ihnen und der Wiro gegeben und mit 82 Jahren mache man keine Experimente mehr.

„Kauf bricht keine Miete“, kann Christian Rudolph, Geschäftsführer des Mietervereins Rostock beruhigen: „Nach menschlichem Ermessen müssen sich die Mieter keine Sorgen machen.“ Ist ein Kündigungsverzicht seitens des Eigentümers vertraglich geregelt, sei es sehr unwahrscheinlich, dass das Paar ausziehen müsse. Das ist aber nicht immer explizit geregelt.

Meldet der Käufer Eigenbedarf an, müsste genau geprüft werden, ob ein solches überhaupt besteht. Dann sei da auch noch die Härteklausel, auf die sich ein Mieter in einem Widerspruch gegen den Eigenbedarf beziehen kann. Auch da hätten die Zimmermanns durch lange Mietzeit und hohes Alter gute Chancen, so Rudolph. Es habe allerdings auch schon Fälle gegeben, in denen das Gericht für den Eigentümer entschieden habe.

„Eventuell haben wir bald keinen Ansprechpartner mehr“, sagt Edgar Zimmermann. Zu oft habe er gehört, dass Mieter alleingelassen würden. Und das ist die größte Sorge des Paars.

Vorkaufsrecht und Kündigungsverzicht

Wird eine Wohnung verkauft , in der ein Mieter wohnt, hat dieser in der

Regel die Möglichkeit, sie vor Dritten zu erwerben. Das gilt aber nicht, wenn die Wohnung verschenkt oder an

Angehörige verkauft wird.

Sicherheit für den Mieter bringt ein vertraglich festgehaltener Kündigungsverzicht. Er sollte Bestandteil des Mietvertrages sein. Damit verzichtet der Eigentümer zum Beispiel darauf, wegen Eigenbedarfs dem Mieter zu kündigen.

Philip Schülermann

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