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Kowalz Mit harter Arbeit zur zweiten Chance

Hanse Produktionsschule in Kowalz bereitet Jugendliche auf Berufseinstieg vor / Hofladen der Gärtnerei geöffnet

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Wir wollen, dass die Jugendlichen ihren Platz in der Gesellschaft finden.Sabine Stange Stellvertretende Schulleiterin

Kowalz. In Kowalz bei Tessin gibt es ab sofort wieder frisches Gemüse: Kohlrabi, Spitzkohl, Frühlingszwiebeln, Salat – aus den Gewächshäusern geht es sofort in die Einkaufstaschen der Kunden. Doch Pflanzenanbau und Hofladen werden hier zur Nebensache. In der Gärtnerei der Hanse Produktionsschule geht es vor allem darum, Jugendliche für den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

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Hanse Produktionsschule in Kowalz bereitet Jugendliche auf Berufseinstieg vor / Hofladen der Gärtnerei geöffnet

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„Die Jugendlichen, die herkommen, haben oft einen ganzen Rucksack voller Probleme“, erzählt die stellvertretende Schulleiterin Sabine Stange. Es gebe Schulverweigerer ohne Abschluss, einige hätten Suchtprobleme, andere schon Kontakt mit der Polizei gehabt. „Hier versuchen wir, die Jugendlichen über produktive Arbeit zu erreichen. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.“ Es gehe nicht nur darum, ihren Tag zu strukturieren, sondern sie aktiv auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Ein zusätzlicher Anstoß sei, dass ihre Dienstleistungen und hergestellten Produkte verkauft werden. „Hier wird nicht nur eine Mauer gebaut, um sie einzureißen. Von Anfang an bearbeiten sie Kundenaufträge“, gibt die stellvertretende Schulleiterin ein Beispiel.

Die Produktionsschule gibt es seit 2005. Sie ist gemeinnützig und auf Spenden angewiesen. Unterstützt werden sie auch von den Jugendämtern des Landkreises und der Hansestadt Rostock, den Jobcentern und dem Sozialministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. „Aber wir kämpfen jedes Jahr um diese Finanzierung“, betont Sabine Stange.

In der ländlichen Produktionsschule ist es auch möglich, seinen Schulabschluss zur Berufsreife nachzuholen. „Wenn sie die Voraussetzungen dafür haben“, ergänzt Sabine Stange. Tom Gerhard will genau das schaffen. Anfang Juni darf der 18-Jährige die schriftlichen Prüfungen ablegen. „Danach möchte ich etwas Handwerkliches machen, vielleicht in einem Malerbetrieb“, sagt der Tessiner, der vor kurzem mithilfe der Schule ein Praktikum machen konnte.

Momentan arbeitet er in der Gärtnerei. Hier wird gesät, gepflanzt, gegossen und Unkraut gejätet. „Es ist sehr abwechslungsreich. Es gibt immer etwas zu tun.“ Auch Armin Barthoff will seine Chance nutzen. „Wenn man den Abschluss nicht geschafft hat, bekommt man hier eine gute Unterstützung“, erzählt der 17-Jährige aus Rostock. Ein zusätzlicher Ansporn sei die Bezahlung. „Unsere Schüler bekommen für ihre Arbeit eine Leistungsprämie“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin.

Insgesamt hat das Hanse Produktionswerks sieben Werksbereiche – vier davon in Rostock. In Kowalz können Jugendliche neben der Gärtnerei auch in der Kreativen Küche oder in der Tierhaltung arbeiten.

Seit dem 5. September arbeitet hier Sara Rebecca Obier aus Rostock. „Es ist schön und macht Spaß“, sagt die 16-Jährige. Unter anderem füttert sie Kaninchen, Enten und Schweine, mistet die Ställe aus und sorgt auf dem Hof für Ordnung.

Momentan arbeiten knapp 70 Jugendliche aus dem Landkreis und aus der Stadt Rostock in der Schule. Wie viele es davon schaffen, sich erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist noch unklar.

2016 konnten 17 der 70 Jugendlichen positiv vermittelt werden. „Man muss immer gucken, mit welchem Hintergrund sie hierher kommen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Ein großes Problem seien unter anderem Fehlstunden. „Wir als Produktionsschule können ihnen nur ein Angebot machen. Sie müssen es annehmen.“

Produktionsschule

70 Plätze für Jugendliche ab 15 Jahren hat die Hanse Produktionsschule. Die Aufenthaltsdauer ist maximal 18 Monate.

2016 haben von 70 Schülern, elf eine Ausbildung bekommen, zwei bekamen einen Job, ein Schüler wurde in eine weiterführende Maßnahme überstellt, drei bekamen eine Therapie und zwei wechselten zu einer allgemeinbildenden Schule oder zur Volkshochschule.

In MV gibt es neben der Hanse Produktionsschule auch die Produktionsschulen Westmecklenburg, Müritz, Vorpommern-Greiswald und Vorpommern-Rügen.

Johanna Hegermann

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