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Neue Karriere: Sophia braut jetzt Bier

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Neue Karriere: Sophia braut jetzt Bier

27-Jährige erobert Männerdomäne / Nach ihrer Ausbildung ist sie von der IHK zur Besten-Ehrung eingeladen

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An der Kühlerstation bereitet die neue Brauerin Sophia Witt die Reinigung vor. Fotos (2): Johanna Hegermann

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Sophia Witt macht einen Job, um den sie wohl viele Männer beneiden: Sie stellt Bier her. Ihre Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin hat die 27-Jährige in der Hanseatischen Brauerei Rostock vor Kurzem abgeschlossen und arbeitet nun im Sudhaus des Unternehmens.

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27-Jährige erobert Männerdomäne / Nach ihrer Ausbildung ist sie von der IHK zur Besten-Ehrung eingeladen

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Das Geheimnis der Bierherstellung ist, dass es kein Geheimnis gibt. Da weiß man, was man hat.“Sophia Witt (27),

Brauerin

„Wer Bier brauen möchte, muss auch richtig Bock haben“, betont Sophia Witt. Das würde bei ihr genau zutreffen. Sichtlich stolz ist ihr Ausbilder Holger Köpcke. „Schon vor drei Jahren hat man gemerkt, dass sie Potenzial hat“, sagt der Braumeister. Sie sei weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen und habe dies während der Ausbildung nutzen können. „Sie zeigt Tatkraft, Willen, Wissen und Fleiß“, lobt Köpcke überschwänglich.

Mit 92 von 100 möglichen Punkten hat sie ihre Prüfungen mit „sehr gut“ abgeschlossen. Für diese Leistungen wird sie von der Industrie- und Handelskammer (IHK) geehrt – als eine von 43 ausgezeichneten Absolventen aus dem gesamten Bezirk der IHK zu Rostock. „Es ist unsere Aufgabe – auch im Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft –, sich um den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs zu kümmern und den Besten beratend zur Seite zu stehen“, erklärt Wolfgang Prehn, Fachbereichsleiter im Bereich Aus- und Weiterbildung. „Traditionell ehren wir jedes Jahr und nun zum 22. Mal diejenigen Prüfungsteilnehmer, die ihre Abschlussprüfung mit besonders guten Ergebnissen bestanden haben“, so Prehn.

Dabei klangen die Pläne von Sophia Witt nach ihrem Schulabschluss noch ganz anders. „Ich hatte eine Ausbildung zur Tourismusassistentin gemacht und wollte auswandern“, erzählt die gebürtige Rüganerin, die lange in Berlin lebte. Doch sie merkt schnell, dass sie lieber in Deutschland bleiben und handwerklich arbeiten will.

Die konkrete Idee kam ihr bei einer Brauerei-Führung. „Ich hatte mich vorher quasi nur mit der Qualitäts-Sicherung des Getränks beschäftigt“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Doch anstatt den Gerstensaft nur zu trinken, wollte sie ihn auch brauen. „Das Geheimnis der Herstellung ist einfach, dass es kein Geheimnis gibt.“ Vier Zutaten dürfen nach dem Reinheitsgebot im Bier landen: Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. „Da weiß man, was man hat“, betont die 27-Jährige.

Erst in den vergangenen 30 Jahren sei dieser Beruf „frauenfreundlicher“ geworden. „Die Vorgänge wurden zunehmend technisiert, vorher war es wirklich ein Knochenjob“, sagt Braumeister Köpcke, der 1977 als Lehrling in dem Rostocker Traditionsunternehmen anfing. Dennoch hätten sich hin und wieder Frauen in der Männerdomäne behaupten wollen. „Seitdem ich hier arbeite, hat es hier etwa 15 bis 20 weibliche Auszubildende im Brauhaus gegeben.“ Im Vergleich zu Männern entspräche dies einem Verhältnis von 1:20. Trotz der technischen Errungenschaften sei es ein anstrengender Job. Optisch sieht man der 1,59 Meter kleinen und zierlich gebauten Frau nicht an, dass auch sie 25 Kilogramm schwere Säcke schleppen muss. „Es hat viel mit der richtigen Methode zu tun“, sagt Sophia Witt. „Zum Fitnessstudio muss man nach einem Arbeitstag hier aber nicht mehr“, fügt Braumeister Köpke hinzu.

Für die Zukunft hat die 27-Jährige schon Vorstellungen: „Irgendwann mach’ ich den Meister, aber erst mal möchte ich arbeiten“, sagt sie. Auch Köpcke nickt diesen Plan ab. „Ich hoffe, dass sie uns noch lange erhalten bleibt.“

IHK ehrt gute Leistungen

43 Fachkräfte zeichnet die IHK zu Rostock in ihrem Gesamtbezirk in diesem Jahr aus. 17 Ausgezeichnete kommen aus Rostock. Neben Brauer und Mälzer werden die Besten aus 28 Ausbildungsberufen geehrt. Darunter Fachinformatiker, Bürokaufmann, Verkäufer und Industriekaufmann.

16 junge Facharbeiter erhalten ein Weiterbildungsstipendium – zwölf aus dem Raum Rostock. Zusätzlich erhalten 23 Industriemeister in den Fachrichtungen Elektrotechnik und Metall die „Meister-Extra“-Prämie. Neun von ihnen leben in Rostock.

Johanna Hegermann

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