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Schmarl/Stadthafen Schmarl contra Stadthafen

SPD und Iga-Aufsichtsrat wollen Millionen-Projekt im Nordwesten / OB will aus Iga- einen Stadtpark machen

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Wo soll das maritime Erbe seine Heimat haben – so wie das „Tradi“ in Schmarl (li.) oder besser im Stadthafen (mit der „Stettin“)?

Quelle: Fotos: Peter Sylent

Schmarl/Stadthafen. Wohin mit Rostocks neuer Touristenattraktion? Der geplante, bis zu 40 Millionen Euro teure Bau eines Multimedia- Museums rund um Schifffahrt und -bau spaltet Wirtschaft, Politik und Verwaltung in der Hansestadt. Ob das sogenannte Maritime Erlebniszentrum gebaut werden soll oder nicht, ist dabei gar nicht die Frage. Streit gibt es um den Standort. Teile der Bürgerschaft – allen voran die SPD – wollen das Projekt in Schmarl umsetzen, um den Iga-Park zu stärken. Doch das ist mit Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) nicht zu machen.

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SPD und Iga-Aufsichtsrat wollen Millionen-Projekt im Nordwesten / OB will aus Iga- einen Stadtpark machen

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Er kämpft für den Stadthafen – und will aus dem Iga- einen ganz normalen Stadtpark machen. Ohne Zäune und Eintritt.

Seit Jahren kocht der Streit um die Zukunft von Rostocks maritimem Erbe immer wieder hoch. Vor allem die Frage, wo das Traditionsschiff festgemacht werden soll, ist der Knackpunkt. Zuletzt sah es nach Konsens aus: Anfang des Jahres hatte der Maritime Rat, ein Bündnis von 2000 Rostockern aus rund 30 Vereinen, sein Konzept für eine Maritime Meile samt Multimedia- Museum im Stadthafen vorgelegt. Die Bürgerschaft entschied, die Ideen prüfen zu lassen – für den Stadthafen und für Schmarl. Nun aber prescht die SPD vor: Die Sozialdemokraten wollen direkt eine Machbarkeitsstudie für das Maritime Erlebniszentrum in Auftrag geben – allerdings nur mit Blick auf Schmarl. Die Vorschläge des Maritimen Rats für die Meile am Stadthafen wären damit obsolet.

„Wir haben eine klare Beschlusslage in der Partei: Wir wollen den Iga-Park entwickeln“, sagt Fraktionschef Steffen Wandschneider. Nein, der Stadthafen sei der SPD nicht egal: „Aber es gibt keinen Beschluss der Bürgerschaft, dort etwas zu machen – für den Iga-Park gibt es den sehr wohl.“ Für Schmarl würden Konzepte auf dem Tisch liegen. „Jetzt ist es an der Zeit, die genauer zu prüfen.“ Die Machbarkeitsstudie müsse sein: „Weil niemand genau weiß, was sich hinter der Worthülse ,Maritimes Erlebniszentrum’ verbirgt und was die Inhalte sein sollen.“ Karina Jens (CDU), Aufsichtsratschefin der Iga-Park GmbH, sieht das genau so: „Im Park wäre ein Bau in der Nähe des Museumsschiffs förderfähig. Dafür würden wir Geld vom Land und der EU bekommen – auch für die Machbarkeitsstudie.“ Nach ersten Schätzungen würde das Projekt 16 Millionen Euro kosten: „Das ist halb so viel, wie das Vorhaben im Stadthafen verschlingen würde.“ Und außerdem: „Im Struktur- und im Tourismuskonzept der Stadt ist der Iga-Park fest verankert.“ Für den Stadthafen sollen sich Stadt und Maritimer Rat besser etwas anderes einfallen lassen: Deren Vorschläge seien nicht mehr als „Querschläger“.

In der eigenen Partei steht Jens mit dieser Meinung aber ziemlich allein dar: Parteichef Daniel Peters jedenfalls will den Antrag der SPD ablehnen. „Wir müssen beide Standorte untersuchen. Sonst macht das keinen Sinn. Die Bürgerschaft muss wissen, ob und wo sich das Maritime Erlebniszentrum für die Hansestadt lohnt.“ Nur wenn ein solcher Standort-Vergleich vorliege, könne das Stadtparlament auch eine fundierte Entscheidung treffen. „Einen Standort vorher auszuschließen – das ist widersinnig.“

Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) bezieht sogar ganz klar Stellung für den Stadthafen: „Die Kraft der Hansestadt reicht aus, um Warnemünde und das Stadtzentrum als urbane Zentren zu entwickeln.“ Für Schmarl reiche sie jedoch nicht: „Das wäre eine Verzettelung“. Soll heißen: Eine Millionen- Investition im Iga-Park wäre aus Sicht der Stadt verschwendetes Geld. „Der Iga-Park ist als Bürgerpark für den Nordwesten ein tolles Angebot. Es wäre schön, wenn er mehr als bisher genutzt wird.“ Dafür will Methling aber keine Neubauten errichten – sondern: „Es ist an der Zeit, dass die Bürgerschaft den Beschluss fasst, die Zäune um den Iga-Park abzureißen.“ Hans- Joachim Hasse, der Vorsitzende des Maritimen Rats, empfindet den Vorstoß von SPD und Karina Jens als „Schlag ins Gesicht engagierter Rostocker Bürger“: „Da sind Unbelehrbare am Werk, die sich an uralte Beschlüsse klammern – statt auf die Menschen in der Stadt zu hören.“ SPD und Iga-Aufsichtsrat sollten aufhören, den Menschen im Nordwesten „irgendwelche Hoffnungen“ zu machen: „Es ist seit 2003 nicht gelungen, den Park zu entwickeln. Das hat Gründe“, so Hasse. Er pocht darauf, dass die Stadt beide Standorte untersucht: „So hat es die Bürgerschaft beschlossen.“ Und wenn nun einseitig für Schmarl entschieden werde – „dann müssen wir einen Bürgerentscheid herbeiführen“. Die Linke hält das für die sinnvollste Lösung, den Dauerstreit um das maritime Erbe beizulegen: „Der OB ist für den Stadthafen, große Teile der Bürgerschaft für Schmarl. Diesen gordischen Knoten werden Machbarkeitsstudien nicht durchschlagen. Wir müssen die Rostocker fragen, was sie wollen – und dem Votum folgen“, sagt Fraktionschefin Eva-Maria Kröger.

Iga-Park nicht abschreiben

Zu den Messen kommen die Leute nach Schmarl , sie kommen zu Konzerten in den Park. Da möge niemand sagen, das ist zu abgelegen. Entscheidend sind das richtige Konzept und eine gute Vermarktung. Dann funktioniert auch das Iga-Gelände als Standort, um Rostocks maritimes Erbe zu präsentieren, inklusive des zu entstaubenden Traditionsschiffes. Die Flächen sind da, um ein Gebäude zu errichten und die großen anderen Exponate zu zeigen. Alles in den Stadthafen zu verlegen kann nicht funktionieren, ohne das Ambiente der Bummelmeile im Zentrum zu zerstören. Der Stadthafen muss behutsam entwickelt werden, als Erlebnisraum für Einheimische und Touristen, als maritime Bummelmeile sicherlich. Den Schatz Iga-Park sollte aber niemand abschreiben. Und wer die Zäune abreißt, muss wissen, dass dann vom Park wohl nicht viel übrig bleibt.

Zukunft nur im Stadthafen

Seit mehr als zehn Jahren streitet die Politik in Rostock um das maritime Erbe. Und nach wie vor klammert sich ein Teil der Bürgerschaft an den Iga-Park. Das ist nicht mehr nachvollziehbar. Geht es darum, Wähler im Stadtteil nicht zu enttäuschen? Oder will der eine oder andere seinen Posten im Aufsichtsrat nicht aufgeben? Sinn macht der Bau eines Millionen-Projekts im Park jedenfalls nicht.

Wenn die Hansestadt einen neuen Leuchtturm schaffen will – dann geht das nur im Stadthafen. Dort sind die Gäste unterwegs, dort tobt das Leben, dort hat Rostock das größte Potenzial. Schmarl ist ein wunderbarer Ort zum Leben, der Iga-Park ein Kleinod. Eine grüne Oase für die Rostocker, in der neue Sport- und Erholungsangebote entstehen sollten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das geplante Erlebniszentrum hätte aber nur am Stadthafen eine Chance auf Erfolg.

Andreas Meyer

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