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Sogar nachts: Hier gibt’s immer Pasta

NIENDORF Sogar nachts: Hier gibt’s immer Pasta

Patrick Grümmert produziert Frischnudeln und Saucen selbst / Käufer zahlen an der Kasse des Vertrauens

Niendorf. Am Wochenende oder abends spielen sich vor dem Gehöft von Patrick Grümmert regelmäßig lustige Szenen ab. Da halten Familienautos auf der Schotterpiste – der Auffahrt – an, der Nachwuchs fummelt sich aus den Kindersitzen und flitzt zur Kühlschranktür. Sie schnappen sich Spaghetti, ein Glas Bolognese-Sauce, lassen Scheine und Münzen in einen Schlitz gleiten und dampfen mit den Eltern wieder von dannen.

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Patrick Grümmert produziert Frischnudeln und Saucen selbst / Käufer zahlen an der Kasse des Vertrauens

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Es schmeckt gut, weil es frisch und ohne Zusätze ist.“

Patrick Grümmert (36), Geschäftsführer

84 Produkte sind derzeit im Angebot

150 Kilogramm Nudeln verarbeitet Patrick Grümmert mit seinen vier Mitarbeitern täglich in der Pastamanufaktur. Im Hofladen daneben bietet er 84 Produkte an, darunter Öle, Salze. Chutneys, Pesto, Saucen und Pasta hat er auch auf Märkten dabei.

6 Restaurants beliefert der ehemalige Hotelchef und gelernte Koch mit seinen Frischwaren.

Patrick Grümmert nennt das „Kühlschrank und Kasse des Vertrauens“. Preisschilder hängen unter frischer Pasta, Saucen, Chutneys und Pestos, ein Taschenrechner liegt parat – falls es doch mehr wird und man nicht im Kopf alles zusammenzählen will. Nur Rückgeld gibt es nicht.

Der Unternehmer und Geschäftsführer der „Real Food GmbH“ hat mit seiner Pastamanufaktur mitten auf dem Land in Niendorf bei Wiendorf – zwischen Schwaan, Laage und Rostock gelegen – eine Art Ausflugsziel geschaffen für ernährungsbewusste Menschen, für Spontanhungrige und natürlich für Nudel-Fans. Ein Schild an der Straße preist Nudeln und Saucen 24 Stunden täglich an. „Ich wollte Leuten einfach die Möglichkeit bieten, wann immer ihnen der Sinn nach Pastagerichten steht, sich die Zutaten auch holen zu können, egal ob Sonntagmittag oder mitten in der Nacht“, sagt der Pastamanufakturgründer.

Als er bei Bekannten und Nachbarn mit der Idee um die Ecke kam, neben dem werktags geöffneten Hofladen ohne jegliche Kontrolle einen Kühlschrank prall gefüllt mit Dinkel-Campanelle, Ricotta, Tagliatelle, Carbonara- und Waldpilz-Saucen aufzustellen, seien alle skeptisch gewesen. Doch Grümmert hat an die Ehrlichkeit der Käufer geglaubt – mit Erfolg: Beim Kassensturz ist er noch nie enttäuscht worden.

Vor drei Jahren fiel bei dem ehemaligen Direktor des Hotels Vier Jahreszeiten in Kühlungsborn der Entschluss zum Leben und Arbeiten auf dem Land. Der gelernte Koch und gebürtige Rostocker hat auf Kreuzfahrtschiffen in der Karibik sowie in Österreich viel Nudelwissen gesammelt. Er beschließt, alle Waren in Bio-Qualität zuzubereiten – ohne Zusätze, wie Konservierungs- und Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder künstliche Aromen. Natur pur in der Produktionshalle – passend zur Umgebung auf dem Dorf. Das Gros der langen, kurzen oder geschwungenen Teigwaren in Frischform hat überdurchschnittlich viel Ei-Anteil. Es gehe um Genuss, nicht ums Abnehmen, sagt der 36-Jährige, der seine Waren mit dem Pastamobil auch auf Märkten, online und in Supermärkten vertreibt. „Edeka war da ein Türöffner“, sagt Grümmert.

Außerdem beliefert er Restaurants bis hoch auf den Darß mit seinen Produkten. 84 verschiedene bietet er an, ein Teil davon – etwa Saucen und Frischpasta – ist nur einige Tage haltbar und muss daher auch nach dem Kauf weiter gekühlt werden. Man habe ihm sogar mal nahegelegt, Konservierungsmittel zuzugeben, „um auf Nummer sicher zu gehen“. Aber da wolle er nicht drüber nachdenken. „Es schmeckt gut, weil es frisch und ohne Zusätze ist.“ Und wer als Kunde lieber langfristig bunkern möchte: Luftgetrocknete Nudelvarianten hat Grümmert auch. Seine gute Seele in der Produktionshalle, Anne Machann, lässt sie an der Luft trocknen, statt sie durch einen Mikrowellentunnel zu jagen.

Für Kunden wie Dörte Holnberg ist die Pastamanufaktur ein Stück Lebensqualität geworden. „Es ist einfach so lecker, wir probieren alles nach und nach und sind total begeistert.“ Die Wiendorferin dürfe nach dem Willen ihres Mannes „keine anderen Nudeln mehr ins Haus bringen“, sagt sie und lacht.

Der nächste Schritt für Unternehmer und Nudelmann Grümmert: Rezeptvorschläge zu den Produkten anbieten. Und fertige Nudelbecher im „Kühlschrank des Vertrauens“ für Arbeiter in der Region.

Claudia Tupeit

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