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Tödliche Gefahr: Bundespolizei verschärft Kontrollen an Gleisen

Papendorf/Bramow Tödliche Gefahr: Bundespolizei verschärft Kontrollen an Gleisen

In Papendorf, in Bramow und auch in Groß Klein nutzen viele Kinder die Gleise als Abkürzung / Die Ordnungshüter wollen aufklären und stärker denn je kontrollieren

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Direkt am Haltepunkt in Papendorf zeigten Bundespolizisten den Schülern, wie gefährlich es ist, über die Gleise zu laufen.

Quelle: Fotos: Andreas Meyer

Papendorf/Bramow. Die tödliche Gefahr ist rund 200 Tonnen schwer, bis zu 160 km/h schnell und nähert sich fast lautlos: Mehrmals pro Stunde rauscht die Rostocker S-Bahn auch durch den kleinen Bahnhof in Papendorf. Doch vielen Schülern machen die schnellen Bahnen keine Angst: Sie schauen nicht nach rechts oder links, sondern nehmen zur Schule den kürzesten Weg: mitten über die Gleise. Dass bisher nichts passiert ist und kein Schüler von einem Zug erfasst wurde — aus Sicht der zuständigen Bundespolizei ist das schlichtweg Glück. Darauf wollen sich die Ordnungshüter aber nicht länger verlassen: In Papendorf und auch in Rostock verstärken sie ihre Kontrollen an Gleisen und die Aufklärungsarbeit in Schulen.

 

OZ-Bild

Klärt in Schulen auf: Polizeioberkommissarin Monika Hirschke.

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Schwerpunkt ist derzeit das Dorf vor den Toren der Hansestadt: Schüler aus den umliegenden Gemeinden, aber auch Rostocker gehen hier zur Schule. Vom Haltepunkt der S-Bahn bis zu den Klassenräumen ist es gut einen Kilometer weit. Ein paar Meter können sich die Schüler sparen, wenn sie nicht den regulären, sicheren Weg durch die Unterführung, sondern über die Gleise nehmen. „Wir sind von Lehrern darauf aufmerksam gemacht worden, dass es hier ein Sicherheitsproblem gibt. Und auch bei Streifen ist uns immer wieder aufgefallen, dass viele Papendorfer — nicht nur Schüler — einfach über die Gleise laufen“, sagt Monika Hirschke, Oberkommissarin bei der Bundespolizei in Rostock. Was für so manchen nach einem Kavaliersdelikt klingen mag, nehmen die Beamten ganz und gar nicht auf die sprichwörtlich leichte Schulter: „Jedes Jahr sterben in Deutschland Menschen, weil sie über Gleise laufen.“

Denn die Gefahr, von einem Zug erfasst zu werden, werde unterschätzt: „Die Züge fahren auf der Strecke elektrisch, sind nur noch im letzten Moment zu hören — und dann ist es eigentlich schon zu spät“, erklärt Bundespolizist Olaf Deichmann. Am Bahngleis und mit Präventionsunterricht in den fünften und sechsten Klassen klärt die Polizei nun in der Warnowschule auf. „Die Beamten sind sehr überzeugend. Es geht um die Sicherheit unserer Kinder“, so Schulleiterin Brigitte Willert. „Auch viele erwachsene Papendorfer gehen über die Gleise. Schlechte Vorbilder.“ In Papendorf ist der Trampelpfad über die Schienen deutlich zu erkennen. In dem kleinen Ort setzt die Polizei sogar Zivilstreifen ein, die den Bahnsteig beobachten: „Dabei haben wir im Februar zwei Jungen beobachtet, die immer wieder in Gleise sprangen“, so Hirschke. Die Polizei nahm die Kinder mit, führte mit den Eltern ein Gespräch.

Doch nicht nur herannahende Züge seien gefährlich — „auch die Oberleitungen“, so Hirschke. Erst im Juli 2015 sorgte der Unfall des damals zwölf Jahre alten Leon für Schlagzeilen: Der junge Rostocker war beim Spielen auf eine Bahn geklettert, hatte einen Stromschlag und schwerste Verbrennung erlitten. „Ich muss die Leitung nicht anfassen: Es reicht, bis auf eineinhalb Meter an die Kabel heranzukommen — dann gibt es den Schlag“, erklärt Hirschke. In Sanitz stoppte die Polizei jüngst zwei Gymnasiasten, die auf einen Mast der Leitung kletterten — um Fotos zu machen. „Die Jungs waren in Todesgefahr.“

Probleme mit Kindern an und auf Gleisen gäbe es zudem in Warnemünde und Groß Klein. „In Groß Klein nutzen sie die Gleise als Abkürzung zu einem Schnellrestaurant“, sagt Hirschke. In Bramow sind Berufsschüler ins Visier der Ordnungshüter geraten. „Auch dort werden wir die Kontrollen verschärfen“, kündigt die Bundespolizei an.

Teure Abkürzungen

25 Euro Strafe kostet es, wenn jemand beim verbotenen Überqueren von Gleis- und Bahnanlagen erwischt wird. Muss ein Zug wegen der Personen im Gleis bremsen, wird es viel teurer: „Dann erstatten wir Anzeige wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr“, so Bundespolizistin Monika Hirschke. Zur Strafe könnten dann auch noch Schadens- ersatzforderungen der Bahn hinzukommen — zum Beispiel, wenn der Zug dadurch Verspätung hat. „Wenn beim Bremsen im Zug ein Fahrgast verletzt wird, drohen weitere Ermittlungen“, sagt Hirschke.

Von Andreas Meyer

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