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Werbung unter der Gürtellinie

Rostock-Brinckmansdorf Werbung unter der Gürtellinie

Halbnackte Frauen und zweideutige Sprüche: Bloggerin prangert sexistische Plakate in Rostock an

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Anzügliche Werbung ist überall zu finden, auch in Rostock wird oft mit nackter Haut geworben.

Quelle: Fotos: Privat / Montage: Arno Zill

Rostock-Brinckmansdorf. Kenzler Knackige Reifen, heiße Fahrwerke, scharfe Felgen: Mit zweideutigen Slogans und Bildern von Frauen in knapper Bekleidung hat der Rostocker Reifen- und Autoservice Carstop versucht, provokant auf sich aufmerksam zu machen. Doch das kommt nicht bei jedem an.

 

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Das muss einfach nicht sein. Für Radiowerbung braucht man keine nackten Frauen.“Markus Burkhardt (21), KTV

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Für mich ist das Dis- kriminierung. Damit sollte man keine Werbung machen.“Veronique Breitsprecher (18), Stadtmitte

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Es gibt wichtigere Dinge auf dieser Welt, über die wir uns aufregen sollten.“Wolfgang Rohde (67), Rostock

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Es ist für mich in Ord- nung, solange es die Männer im Straßen- verkehr nicht ablenkt.“Susanne Eichler (58), Rostock

„Ich bin der Meinung, dass solche plumpe Werbung, in der wir Frauen mit irgendeinem Körperteil für ein Produkt herhalten müssen, endlich der Vergangenheit angehören sollte“, schreibt eine OZ-Leserin, die ihren Namen nicht nennen möchte. In ihrem Internetblog sammelt sie Werbung, die ihrer Meinung nach geschmacklos ist. Dabei fiel ihr auch das Plakat am Mühlendamm ins Auge. Darauf zu sehen ein Frauenpo mit „Sommerhöschen“. Darunter der Schriftzug: „Knackige Winterreifen haben wir auch“. Die Leserin bezeichnet dies im ironischen Ton als „originell“. „Kein Wunder, wenn wir nur als ,Dienerinnen’ angesehen werden. Mann müsste man sein“, schreibt sie aufgebracht.

Geschäftsführer Martin Blischke ist überrascht von der heftigen Reaktion. „In Werbungen über Autos, Motorräder oder Fahrwerke kommt es häufiger vor, dass Personen auf diese Weise abgelichtet werden.

Wir haben unsere Werbung angelehnt an Bestandswerbung“, sagt der Geschäftsführer. Diese Form von Werbung sei seiner Meinung nach nicht grundsätzlich anstößig, das liege im Auge des Betrachters. „Beim Pirelli-Kalender spricht man in dem Fall sogar von Kunst“, gibt er ein Beispiel, bei dem für die Reifenmarke Frauen in meist freizügiger Kleidung hochglanzfotografiert werden.

Im Deutschen Werberat ist eine Beschwerde zu der Kampagne von Carstop eingegangen. Blischke betont, dass man damit keine böse Absicht verfolgt habe. „Wenn wir jemanden persönlich getroffen haben, tut mir das leid“, so der Geschäftsführer. Niemand habe Lust, negative Werbung zu schalten. Mittlerweile wurde das Plakat entfernt.

Für die OZ-Leserin ist klar, das ist nur eines von vielen Beispielen. Ob Sonnenstudios, Radiosender oder Waschanlagen: Immer wieder lautet das Motto „Sex sells“. „Das muss nicht sein“, urteilt Markus Burkhardt auch über eine Radiowerbung mit einer nackten Frau und dem Slogan „Mehr muss man in MV nicht anhaben“. Der Rostocker Student stellt sich unter Radiowerbung etwas anderes vor. Auch die 18-jährige Veronique Breitsprecher ist sich sicher, „damit macht man keine Werbung, das ist Diskriminierung“. Der Rostocker Wolfgang Rohde bezeichnet sich selbst als tolerant. Mit freizügiger Werbung hat er kein Problem, wenn sie bestimmte Grenzen nicht überschreitet. „Es gibt Schlimmeres, wir sollten den Fokus auf wichtigere Dinge legen“, sagt der 67-Jährige. Werbeexperte Jan Baginski von der Rostocker Agentur Werk 3 schätzt diese Beispiele nicht als sexistisch ein. „Aber ich finde alle Motive geschmacklos, billig und werblich völlig daneben“, so sein Urteil. In der Werbung komme es darauf an, den Nutzen eines Produktes klarzumachen, sich vom Mitbewerber abzuheben. „Das wird hier versäumt.“ Man müsse zwar Aufmerksamkeit erzeugen – das gehe mit nackten Menschen gut: „Aber wenn dann keine Werbebotschaft folgt, ist das ohne Effekt“, ist sich der Experte sicher.

Johanna Hegermann und Lea-Marie

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